Gesundheit

Die Grippe kommt

Von Peter-Philipp Schmitt
04.03.2005
, 12:36
Experten sagen: „Die Influenza-Aktivität befindet sich auf hohem Niveau“. Das heißt: Ganz Deutschland niest, schnupft und hustet. Einige Eckdaten zur aktuellen Grippe-Epidemie.
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Selten ist die Deutschlandkarte der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) überwiegend rot gefärbt - ein deutliches Zeichen dafür, daß die akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) stark ausgeprägt sind.

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In den nördlichen und östlichen Regionen breiten sie sich sogar noch weiter aus, in den südlichen und mittleren Regionen gehen sie allerdings schon wieder etwas zurück. Trotzdem befindet sich die sogenannte Influenza-Aktivität in der achten Kalenderwoche 2005 weiterhin auf hohem Niveau.

Stärke“ der Grippesaison ermitteln

Bild: F.A.Z.

Hinter ARE verbergen sich Pharyngitis (Rachenentzündung), Bronchitis oder Pneumonie (Lungenentzündung). Diese drei Atemwegserkrankungen werden von etwa 800 Arztpraxen regelmäßig an die AGI gemeldet. Selbst wenn es sich bei einigen Fällen nicht um eine echte Influenza handelt, so stellen die respiratorischen Erkrankungen doch einen guten Marker für die "Stärke" der Grippesaison dar. Zugleich werden Rachenabstriche genommen, um Influenzaviren nachzuweisen.

Dafür werden sie im nationalen Referenzzentrum beim Robert-Koch-Institut in Berlin angezüchtet und untersucht: In der vergangenen Woche wurden 207 Influenza-A-Viren - darunter 2 A- (ohne Subtyp), 173 A(H3N2)- und 32 A(H1N1)-Viren - sowie acht Influenza-B-Viren nachgewiesen. Vor zwei Wochen waren es 130Influenza-A-Viren und sieben Influenza B-Viren. Anhand dieser Angaben kann die AGI erkennen, welche Virenstämme sich durchsetzen. Diese Daten werden dann an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Darauf stützt sich unter anderem die Empfehlung der WHO für die Zusammensetzung des Impfstoffs für die jeweils nächste Saison.

Bis zu 8000 Menschen sterben in einer „normalen“ Grippesaison

Dritte Quelle für die AGI sind die Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz: In der siebten Kalenderwoche wurden dem Robert Koch-Institut 854 Influenzanachweise übermittelt, in der achten Kalenderwoche waren es bereits 1418Fälle. 5000 bis 8000 Menschen sterben in einer "normalen" Grippesaison in Deutschland, 16000 Tote waren es 2002/03, rund 30000 zählte das Statistische Bundesamt 1995/96. Erhoben wird die Übersterblichkeit: Wie viele Personen sind während der Influenzaaktivität mehr gestorben als sonst.

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Mit den großen Pandemien 1918/19 (20 bis 50Millionen Toten), 1957/58 und 1968/69 (jeweils eine Million Tote) läßt sich die diesjährige Influenzaepidemie nicht vergleichen. Eine Pandemie ist eine weltumspannende Epidemie, die von einem neuartigen Influenzavirus verursacht wird, einem Subtyp, der noch nie - weil er wie im Jahr 1918 von einem Vogel stammte - oder schon lange nicht mehr in der Bevölkerung zirkulierte. Der zur Zeit wahrscheinlichste Kandidat für eine Influenzapandemie soll das Vogelgrippevirus H5N1 sein.

Quelle: F.A.Z., 04.03.2005, Nr. 53 / Seite 7
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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