Grippe

Bund und Länder streiten über Grippe-Impfstoff

16.02.2005
, 19:43
Grippe-Impfstoff: Bund und Länder streiten über die Vorratshaltung
Die Länder sollen wegen einer möglicherweise drohenden Grippe-Pandemie ausreichend Impfstoff bereithalten, fordert das Bundesministerium für Gesundheit. „Wir kennen nicht einmal den Erreger“, wehren sich die Länder.
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Das Bundesgesundheitsministerium hat die Länder ermahnt, zum Schutz der Bevölkerung vor einer möglichen weltweiten Grippe-Epidemie ausreichend Impfstoff bereitzuhalten. Die Länder seien für die Vorratshaltung und Finanzierung derartiger Stoffe zuständig und sollten unverzüglich Gespräche mit den produzierenden Pharma-Firmen aufnehmen, forderte Ministeriumssprecher Klaus Vater am Mittwoch in Berlin.

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Das bayerische Gesundheitsministerium wies die Forderung als „unqualifiziert“ zurück. „Die Länder können keinen Impfstoff bereitstellen von einem Erreger, der noch nicht bekannt ist“, sagte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn. Bayern hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder inne.

WHO weiter in Sorge vor Pandemie

Das Robert Koch-Institut hatte kürzlich einen Nationalen Pandemieplan für den Fall einer weltweiten Influenza-Epidemie veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Erregern der jährlichen Grippewellen wird eine solche Pandemie durch ein Virus verursacht, das entweder völlig neu ist oder zuvor jahrzehntelang nicht in der menschlichen Bevölkerung zirkulierte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält aus Furcht vor einer Pandemie durch die in Asien grassierende Vogelgrippe H5N1 die Produktion von weniger spezifischem H5-Impfstoff unter Umständen bereits für sinnvoll.

Vater versicherte, das Gesundheitsministerium sei grundsätzlich bereit, bei der Vermittlung der Gespräche behilflich zu sein und fachlich zu beraten. Nach dem Infektionsschutzgesetz seien für Bevorratung und Finanzierung aber die Länder verantwortlich. „Dies entspricht der Verfassung und war von den Ländern so gewollt.“ Eichhorn sagte, der Bund müsse mit ins Boot.

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„Normale“ Grippe breitet sich aus

Die Grippewelle, die derzeit fast ganz Deutschland im Griff hat, wird nicht von einem gefährlichen Virus verursacht. Nachdem die Influenza im Süden und Westen stark ausgeprägt sei, breite sie sich nun immer weiter in Richtung Norddeutschland aus, erklärte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch in Berlin. Einzige Ausnahme bleibe bislang Mecklenburg-Vorpommern, wo „noch keine erhöhte Aktivität festgestellt“ wurde, wie Daniel Sagebiel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am RKI, sagte.

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