Gefährlicher Erreger

Zikavirus erreicht Amerika

Von Peter-Philipp Schmitt
01.08.2016
, 17:00
Ägyptische Tigermücken in einem Labor im brasilianischen Campinas
In Florida hat es erste Zika-Infektionen durch Mücken gegeben. Die Behörden rufen Schwangere nun zu erhöhter Vorsicht auf.
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Erstmals hat es eine Übertragung des Zikavirus durch Mücken in den Vereinigten Staaten gegeben. Das bestätigte der Gouverneur von Florida, Rick Scott, am Wochenende. Zu den Infektionen, vier an der Zahl, kam es in Miami. Nach Angaben des Direktors der Gesundheitsbehörde „Centers for Disease Control and Preventions“ (CDC), Tom Frieden, handelt es sich um die ersten lokal begrenzten Übertragungen auf amerikanischem Boden.

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„Wir haben damit gerechnet, und nun ist Zika da“, sagte Frieden. Allerdings gehe er nicht davon aus, dass sich das Virus auf ganz Kontinentalamerika ausbreiten werde, auch weil die Behörden in Florida sofort massiv gegen die Mücken vorgegangen seien. Darum gebe es vorläufig auch keine Reisewarnungen. Allerdings sollten Frauen, die in naher Zukunft schwanger werden wollen, nicht in von Zika betroffene Gebiete reisen, da das Virus bei Kindern im Mutterleib Hirnfehlbildungen verursachen könne.

Nach CDC-Angaben infizierten sich eine Frau und drei Männer Anfang Juli mit Zika im Wynwood-Viertel von Miami, das unter Künstlern und Touristen beliebt ist. Die vier Personen erkrankten eine Woche später an dem Zikafieber, die Diagnosen wurden Mitte Juli gestellt. Das CDC geht davon aus, dass es weitere, bislang noch nicht bekannte Zikaübertragungen geben könnte. Da das Virus gefährlich für ungeborene Kinder im Mutterleib ist, rief Gouverneur Scott Schwangere und alle Frauen, die bald ein Kind bekommen wollen, auf, sich an Ärzte und Krankenhäuser zu wenden.

Vor allem Rückkehrer aus Zikagebieten betroffen

Mögliche Brutstätten für Mücken, dazu zählen schon Wasserpfützen in Vogeltränken oder Gießkannen, müssten vernichtet werden. Zudem sollten Einwohner und Touristen des Bundesstaats vorsorglich immer einen Mückenschutz verwenden. Die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) hatte bereits am Mittwoch angeordnet, dass in der Region in und um Miami vorläufig keine Blutspenden mehr angenommen werden dürfen.

In den Vereinigten Staaten wurden bisher 1658 Fälle von Zika gezählt, dabei waren 433 Schwangere betroffen. Die Erkrankungen traten fast ausschließlich bei Rückkehrern aus Zikagebieten auf. Mitte Juli hatte ein Fall im Bundesstaat Utah Aufsehen erregt: Dort könnte sich ein Mann bei einem Familienmitglied nur durch engen Kontakt infiziert haben. Das Familienmitglied hatte sich auf einer Reise mit Zika angesteckt und war dann gestorben. Die Todesursache ist genauso wenig klar wie die darauf folgende Ansteckung. Allerdings hatte der Verstorbene nach CDC-Angaben 100 000 mal mehr Viren im Blut als üblicherweise bei Infizierten gefunden werden. Ob die Viruslast eine Rolle bei der Infektion spielte, wird noch untersucht.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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