Infektionsrate in Deutschland

Tuberkulose bleibt ein Problem

Von Peter-Philipp Schmitt
22.03.2013
, 14:14
Hoch ansteckend: Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis
Tuberkulose ist die am häufigsten zum Tode führende behandelbare Infektionsrate der Welt. Bis 2008 sank die Zahl der Erkrankten in Deutschland deutlich – mittlerweile ist sie fast gleichbleibend.
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Die Erkrankungszahlen an Tuberkulose in Deutschland sind auch 2011 wieder im Vergleich zum Vorjahr weiter zurückgegangen. Allerdings nähert sich die Zahl einem Plateau, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag mit Blick auf den Welttuberkulosetag am Sonntag mitteilte.

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Im Jahr 2011 wurden 4.317 Tuberkulosen registriert, was einer Inzidenz von 5,3 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner entspricht. 162 Patienten starben. 2010 waren es 4.388 Fälle (5,4) und 161 Todesfälle gewesen. Noch bis 2008 waren die Erkrankungszahlen Jahr für Jahr merkbar gesunken, von 9.064 Tuberkulosen im Jahr 2000 auf 4.543 acht Jahre später.

Seither liegt die Inzidenz fast gleichbleibend bei etwa 5,4 pro 100.000 Einwohner. Bei Kindern und Jugendlichen steigen die Fallzahlen seit einigen Jahren sogar wieder an. Im Jahr 2011 erkrankten 179 Personen unter 15 Jahren, 2010 waren es 160 Fälle, 2009 wurden dem RKI 142 gemeldet.

Gegen Antibiotika resistente Erreger

Die Analyse der demographischen Daten zeigt zudem, dass Männer wesentlich häufiger an einer Tuberkulose erkranken als Frauen. Die Inzidenz bei Männern beträgt 6,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, bei Frauen 4,2. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Bei Männern über 70 beträgt die Inzidenz 11,0, bei Frauen 5,7.

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Fast die Hälfte der Erkrankten ist im Ausland geboren, vorwiegend in der Türkei oder in einem Nachfolgestaat der Sowjetunion. Auch innerhalb Deutschlands gibt es regionale Unterschiede: Besonders hoch ist die Tuberkulose-Inzidenz in den Stadtstaaten Berlin (9,3), Hamburg (8,8) und Bremen (8,5).

Demgegenüber tritt die Erkrankung in Schleswig-Holstein (2,7), Brandenburg (2,9), Sachsen (3,0) und Thüringen (3,2) vergleichsweise selten auf. Die Tuberkulose ist die am häufigsten zum Tode führende behandelbare Infektionskrankheit auf der Welt. Vor allem die gegen Antibiotika resistenten Erreger bereiten den Experten noch immer große Sorgen.

So geht die Zahl der Tuberkulose-Diagnosen in Europa pro Jahr zwar leicht zurück. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden 2011 in der EU und drei weiteren Ländern 72.000 Erkrankungen gemeldet. Das sind vier Prozent weniger als 2010.

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In der europäischen Region der WHO, die unter anderem auch die Türkei und Russland und insgesamt 53 Länder umfasst, schätzt die Organisation die Zahl der Erkrankungen aber noch immer auf 380.000 Fälle, mehrheitlich in den östlichen Ländern dieser Region.

In diesen Staaten wurden 2011 die meisten der insgesamt 44.000 Tuberkulose-Todesfälle der WHO-Region Europa registriert. Je nach Land seien bis zu 200 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner gemeldet worden. Allerdings seien auch hier die Diagnosezahlen leicht gesunken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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