Krankheiten

Geflügelpest-Verdacht in Hamburg praktisch entkräftet

02.02.2004
, 20:50
Eine Feder ist alles, was auf dem größten Schanghaier Geflügelmarkt übrig bleibt
An diesem Dienstag treffen sich Gesundheitsexperten aus aller Welt in Rom, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen die „Vogelgrippe“ zu beraten. Der Verdachtsfall in Deutschland ist so gut wie entkräftet.
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Der erste Verdachtsfall einer lebensgefährlichen Gleflügelpest-Erkrankung in Deutschland ist weitgehend entkräftet. Das Hamburger Tropeninstitut teilte am Montagabend mit, die aus Thailand zurückgekehrte Urlauberin habe kein Fieber mehr. „Das ist sicherlich keine so schwere Erkrankung, der Patientin geht es gut", sagte Institutsleiter Bernhard Fleischer. Die virologische Untersuchung werde fortgesetzt, um den Verdacht völlig zu entkräften. In Rom treffen sich von diesem Dienstag an Fachleute aus aller Welt, um gemeinsam über die Eindämmung der in Asien grassierenden Vogelgrippe zu beraten.

Die Krankheit hat am Montag zwei weitere Menschen das Leben gekostet. Die Behörden in Vietnam gaben bekannt, daß Tests bei einem verstorbenen 18jährigen eine Infektion mit dem Erreger H5N1 bestätigten. In Thailand starb ein 58jähriger Mann an dem Geflügelpest-Erreger, wie das Gesundheitsministerium in Bangkok nach einer Autopsie der Leiche mitteilte. Damit stieg die Zahl der bisher bekannten Todesopfer auf zwölf: In Vietnam verlief die Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus bislang für neun Menschen tödlich, in Thailand erlagen ihr drei Menschen. In Vietnam hatten sich zudem zwei Kinder mit dem Virus angesteckt, ihr Zustand ist aber nicht lebensbedrohlich.

Für die beiden Verdachtsfälle in Deutschland hatte das Tropeninstitut schon am Nachmittag eine weitgehende Entwarnung gegeben. „Klinisch spricht nichts für Vogelgrippe“, sagte Fleischer. „Es ist nicht nötig, aufgeregt zu sein.“. Die behandelnden Ärzte sagen, der Patientin gehe es sehr gut. „Wenn man aus Asien kommt und Fieber hat, kann es viel sein, aber es sieht nicht nach Influenza aus“, meinte Fleischer.

Vorher hatten sich zwei Frauen aus dem Stadtteil Bahrenfeld mit dem Krankenwagen ins Tropeninstitut bringen lassen, weil eine der beiden sich für möglicherweise infiziert hielt. Sie war am Samstag aus Thailand zurückgekehrt und am Montagmittag mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Schwindel und Fiebergefühl ins Tropeninstitut eingeliefert worden. Die Seuchenreferentin der Stadt Hamburg, Clara Schlaich, sagte: „Das ist ganz unwahrscheinlich, daß sich eine Touristin mit der Vogelgrippe angesteckt hat.“

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Kursbewegende Nervosität

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Trotz solcher Aussagen weiteten die Aktien der Fluggesellschaft Lufthansa und des Touristikkonzerns TUI am Montag nach den Meldungen über den Verdacht ihre Verluste aus. „Die Nervosität wächst hier natürlich. Das sieht man an den Aktienkurse von TUI und Lufthansa. Aber da schlagen sich auch die Terrorwarnungen vom Wochenende nieder", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Handelshaus Steubing. Die Meldung über den Verdachtsfall in Deutschland verunsichere die Anleger einfach, sagte ein anderer Händler.

Lufthansa-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte: „Die Vogelgrippe kann für die nächsten zwei oder drei Monate eine Belastung für das Geschäft und den Aktienkurs von Lufthansa sein.“ Vor allem sei es problematisch, daß es gerade das ansonsten lukrative Asiengeschäft treffe. Die Papiere der Lufthansa bildeten am Nachmittag mit einem Minus von 4,5 Prozent auf 13,79 Euro das Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (Dax). TUI-Aktien fielen um 3,5 Prozent auf 18,39 Euro. Der Index lag unterdessen mit 0,1 Prozent im Plus.

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Zu dem Expertentreffen am Sitz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom werden auch Gesandte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Weltorganisation für Tiergesundheit erwartet. Die Fachleute wollen gemeinsam einen Plan zur Bekämpfung der Krankheit in den betroffenen Ländern erarbeiten. Im Anschluß an die dreitägigen Beratungen hinter verschlossener Tür soll es am Donnerstag eine Pressekonferenz geben. Der WHO zufolge erhärtet sich der Verdacht, daß ein menschliches Grippevirus die Verbreitung der Krankheit unter Menschen auslösen könnte.

Geflügelpest in zehn Ländern

Die Geflügelpest grassiert inzwischen in zehn asiatischen Ländern. Millionen Hühner wurden deshalb bereits getötet. Bei Menschen ist die Krankheit bislang nur in Vietnam und Thailand aufgetreten. Die WHO untersucht noch, ob inzwischen auch eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch erfolgte: In Vietnam starben zwei Schwestern an der Krankheit, die sich bei ihrem Bruder angesteckt haben könnten. Mit Blick auf den Fall sagte der WHO-Sprecher Bob Dietz, daß eine mögliche Übertragung innerhalb dieser Familie keinen Hinweis auf eine hohe Ansteckungsgefahr liefere. „Wir sind uns nicht über die Bedeutsamkeit sicher, aber ich glaube nicht, daß sie so groß ist, wie die Leute befürchten.“

Bislang keine Verbindung zum Geflügel gefunden

Bei den Schwestern, die an dem Vogelgrippe-Erreger H5N1 und nicht an einer mutierten Version gestorben seien, habe lediglich keine Verbindung zu Geflügel hergestellt werden können. Dietz wies auf einen ähnlichen Fall während des Ausbruchs der Vogelgrippe in Hongkong 1997 hin. Damals habe sich ein Arzt mit der Krankheit angesteckt, der einen mit der Geflügelpest infizierten Mann behandelt habe. Es sei zwar nie nachgewiesen worden, aber zugleich habe man keinesfalls ausgeschlossen, daß sich der Mediziner bei seinem Patienten ansteckte.

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Die Krankheit ist in Thailand inzwischen auch auf die touristische Provinz Mae Hong Son 640 Kilometer nördlich von Bangkok vorgerückt und trete inzwischen in 30 der 76 thailändischen Provinzen auf. Bis zum Montag seien über 25 Millionen Stück Federvieh im Land getötet worden.

Institut rät zur Grippe-Impfung

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei unter Umständen bei der Krankenbehandlung möglich, im Alltag aber praktisch ausgeschlossen, schreibt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin am Montag in seinen reisemedizinischen Informationen. Es rät Reisenden zu einer Grippeimpfung. Die aktuellen Grippeimpfstoffe seien zwar nicht gegen den Erreger der Vogelgrippe wirksam. Eine Impfung sei aber dennoch zu empfehlen, um sich vor den herkömmlichen Grippeviren zu schützen und so einen gleichzeitigen Befall durch Menschen- und Tier-Viren zu verhindern.

Bisher hatten sich Patienten immer bei Geflügel infiziert. Die WHO hatte aber davor gewarnt, daß sich der Geflügelpest-Erreger H5N1 mit menschlichen Grippeviren verbinden und so ein neuer, gefährlicher Virustyp entstehen könnte, der zwischen Menschen übertragen werden könnte.

Quelle: @cop, @tor mit Material von AP, AFP, dpa, Reuters
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