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Todeszahl steigt

China testet HIV-Medikament gegen Coronavirus

Aktualisiert am 27.01.2020
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Mitarbeiter prüfen auf dem Flughafen Peking medizinische Güter, die mit einem Team an medizinischem Personal nach Wuhan transportiert werden sollen.
Plötzlich schnellt die Zahl hoch: Nun sind 80 Menschen am Coronovirus gestorben. 2300 haben sich in China angesteckt. Mit einem HIV-Medikament wollen Ärzte nun zumindest gegen die Symptome des Virus vorgehen.

Die Verbreitung des Coronavirus sorgt an seinem Ursprung in China und darüber hinaus für Beunruhigung. Aus Deutschland und Österreich wurde je ein erster Verdachtsfall gemeldet. In beiden Ländern gab es jedoch später Entwarnung. Das Testergebnis sei negativ, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit am Sonntag mit. Chinas Nationale Gesundheitskommission warnte unterdessen vor einer steigenden Fallzahl. Die Übertragungsfähigkeit des Erregers nehme etwas zu, die Erkenntnisse der Behörden über das neuartige Virus seien aber noch begrenzt. Die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit in China ist bis Montag um 24 auf 80 gestiegen. Innerhalb eines Tages kletterte die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coronavirus in der Volksrepublik um mehr als 700 auf 2744, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf die Behörden berichtete. Mit den rund 40 Fällen weltweit sind damit fast 2800 Fälle bestätigt.

Die Zahl der Infizierten in China kann noch weiter stark steigen, da es nach diesen Angaben rund 5800 Verdachtsfälle gibt, wo die Diagnose noch nicht abgeschlossen ist. In Hongkong, Taiwan und Macao gibt es zudem 17 bestätigte Erkrankungen. Von den Patienten in China sind 461 schwer erkrankt. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei, wo der Erreger vermutlich erstmals vom Tier auf den Menschen übersprang, ist der Zustand von 69 Erkrankten kritisch.

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Lungenkrankheit hat China drastische Maßnahmen ergriffen. Die Regierung in Peking kündigte nun auch an, dass die Ferien über das laufende Neujahrsfest bis einschließlich Sonntag verlängert werden. Das Virus ist inzwischen in fast jeder Provinz oder Region des Landes aufgetaucht.

Das Virus ähnelt dem Sars-Erreger mit Ursprung in China, der 2002/2003 eine Pandemie ausgelöst und weltweit fast 800 Menschen das Leben gekostet hat. Trotz noch unzureichender Erkenntnisse über das neuartige Virus ist laut der chinesischen Gesundheitskommission klar, dass der Erreger - anders als Sars - auch während der Inkubationszeit übertragen werden kann. Diese Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit bei einer Person liege zwischen einem und 14 Tagen, sagte Kommissionschef Ma Xiaowei. Er kündigte an, dass noch intensiver gegen die Verbreitung des Virus vorgegangen werden solle.

Wie eine Sprecherin des amerikanischen Pharmakonzerns AbbVie mitteilte, hätten chinesische Gesundheitsbehörden im Kampf gegen die Lungenkrankheit die Arznei mit dem Namen Aluvia (Kaletra) angefordert. China testet derzeit, ob das HIV-Medikament zur Behandlung der Symptome eingesetzt werden kann.

Schulen und Vergnügungsparks geschlossen

Bisher wurden Großveranstaltungen abgesagt, Fieberkontrollen eingeführt und die Reisefreiheit eingeschränkt. Die Millionenstadt Wuhan in der Provinz Hubei, wo das Virus erstmals aufgetreten war, wurde von den chinesischen Behörden abgeriegelt. In anderen Städten wird ähnlich verfahren. In Peking bleiben Universitäten, Schulen und Kindergärten auch über das Ende der derzeitigen Neujahrsferien hinaus vorerst geschlossen. Im Kampf gegen das Coronavirus verlängert China einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge die Ferien zum Neujahresfest bis zum 2. Februar. Die beiden größten Vergnügungsparks in Hongkong, Disneyland und Ocean Park, schließen wegen des Virus ab Sonntag ihre Pforten. Zum chinesischen Neujahrsfest hatten die Parks eigentlich mit einem Besucheransturm gerechnet.

Am Sonntag wurde in der gesamten Volksrepublik der Handel mit Wildtieren untersagt. Das Verbot gelte für Märkte und Online-Plattformen, teilten die Behörden mit. Auch dürften in Restaurants keine Wildgerichte mehr angeboten werden. Es wird davon ausgegangen, dass das Coronavirus seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan hat, wo illegal Wild verkauft wurde. Wildtiere, die auf Märkten auf engstem Raum angeboten werden und oft von Wilderern gejagt wurden, gelten als Brutstätte für Viren, die sich verändern und auch auf Menschen übertragen werden können. Auf chinesischen Internetseiten werden unter anderem Schlangen und Krokodile angeboten.

Die Behörden in Peking schickten am Sonntag Textnachrichten an Handy-Nutzer in der chinesischen Hauptstadt mit der Aufforderung, auf das Händeschütteln zur Begrüßung zu verzichten. Studien zufolge steckt jeder mit dem Virus Infizierte zwei bis drei weitere Personen an. Ob die Ansteckungsrate so bleiben werde, hänge von der Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen ab, sagten Wissenschaftler vom Imperial College in London und der Universität Lancaster. Um die Krankheit einzudämmen, müssten mindestens 60 Prozent der Neuansteckungen verhindert werden.

Womöglich fünfter Fall in Amerika

Die Regierung in Tokio bietet Japanern in Wuhan an, sie aus der abgeschotteten Stadt auszufliegen. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe teilt mit, die Behörden bemühten sich derzeit in China um einen Charterflug für alle japanischen Staatsbürger, die Wuhan verlassen wollten. Die Mitarbeiter des amerikanischen Konsulats in der zentralchinesischen Stadt sollen nach San Francisco geflogen werden. Es gebe begrenzt Plätze für andere US-Bürger, teilte das Außenministerium in Washington mit. Auch französische Staatsbürger sollen aus Wuhan direkt in ihre Heimat mit einem Flugzeug gebracht werden. In Japan selbst wurde einem Medienbericht zufolge am Sonntag ein vierter Fall bestätigt. In den Vereinigten Staaten wurde ein fünfter Patient mit dem Virus gemeldet. Nach Frankreich und Australien hat das Virus inzwischen auch Kanada erreicht.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, befindet sich auf dem Weg nach Peking. Dort wolle er mit chinesischen Vertretern und Gesundheitsexperten über das Virus konferieren, teilte Tedros in einem Tweet mit.

Quelle: relo./Reuters/dpa
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