Nach Ärzte-Protest

Verlosung einer Brust-OP verboten

Von Andreas Mihm
14.11.2008
, 11:40
Die Verlosung einer Brustoperation in einer Diskothek stieß auf heftigen Widerstand
Die deutsche Wettbewerbszentrale hat ein Gewinnspiel, dessen Preis eine Brustoperation gewesen wäre, gestoppt. Die Besucher einer Celler Diskothek hätten die Gewinnerin des Wettbewerbs durch Applaus küren sollen. Ärzte waren über die Aktion empört.
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Die deutsche Wettbewerbszentrale, eine Einrichtung zur Selbstkontrolle der Wirtschaft, hat ein Gewinnspiel in einer Celler Diskothek, dessen Preis eine Brustoperation gewesen wäre, gestoppt. Da Operationen einem grundsätzlichen Werbeverbot unterlägen, seien das Tanzlokal und die vermittelnde Agentur mit Erfolg abgemahnt worden. Die Verlosung von Operationen sei kein Einzelfall. Derzeit prüfe die Zentrale einen Fall, der die Verlosung von Augen-Laserbehandlungen betrifft. Die Disco sagte die Verlosung der Brustoperation unter 30 Bewerberinnen nun ab. Als Gewinn bietet sie stattdessen eine Schönheitsbehandlung im Wert von 3700 Euro an.

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Für die Operation in einer polnischen Schönheitsklinik hatten sich Kandidatinnen ab 21 Jahren mit Fotos bewerben können. Nach einer Vorauswahl im Internet hatte die Disco „Inkognito“ seinen Besuchern den Endentscheid unter zehn Kandidatinnen überlassen wollen. Die Kandidatinnen hätten sich vor Publikum in Disziplinen wie Tauziehen, Karaokesingen oder „Brustluftballons mit verbundenen Augen zerbeißen“ beweisen sollen. Gewinnen sollte die Kandidatin, die den meisten Applaus erhalten hätte. Danach wäre sie in einer Limousine zur Operation ins polnische Posen gefahren worden. Statt einer Vergrößerung war auch eine Brustverkleinerung möglich. Die Aktion unter dem Motto „Kämpfe um Deinen Traum“ hatte vielfältigen Protest, unter anderem der Ärztekammer Niedersachsen ausgelöst.

Auch die Deutsche Gesellschaft der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen hatte sich empört über die Aktion geäußert. Der Unterhaltungswert für eine Diskothek sei damit sicher gegeben, dem Ernst einer Operation werde aber kaum Rechnung getragen, verurteilte der Vizepräsident der Chirurgen-Gesellschaft, Gabka, die Aktion. Das Herunterspielen der weitreichenden Konsequenzen und Risiken ästhetischer Eingriffe erreiche damit einen vorläufigen Höhepunkt.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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