Seuchen

Brite soll Kampf gegen Vogelgrippe weltweit koordinieren

30.09.2005
, 16:31
Oberster Kämpfer gegen Vogelgrippe: David Nabarro
Die Gefahr durch die Vogelgrippe darf nicht unterschätzt werden. Andererseits ist Panikmache nicht angebracht. In diesem Spannungsfeld nimmt der neue Koordinator für den weltweiten Kampf gegen die drohende Seuche, David Nabarro, seine Arbeit auf.
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Die Vereinten Nationen warnen davor, die weltweite Gefahr durch die Vogelgrippe zu unterschätzen: Ohne ausreichende Vorsichtsmaßnahmen könne das in Asien grassierende Virus zu einer globalen Grippe-Epidemie beim Menschen mit schlimmstenfalls bis zu 150 Millionen Toten führen, sagte der UN-Experte David Nabarro in New York. Der britische Arzt soll im Auftrag von UN-Generalsekretär Kofi Annan künftig den Kampf gegen die Vogelgrippe weltweit koordinieren. WHO-Sprecher Dick Thompson warnte andererseits auch vor „Panikmache“: Vorhersagen zu möglichen Opfern seien derzeit so gut wie unmöglich.

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„Jeden Moment kann eine neue Grippe-Pandemie ausbrechen“, sagte Nabarro. „Auslöser wird vermutlich eine Mutation des Vogelgrippevirus sein.“ Die Zahl der Todesopfer könne zwischen fünf und 150 Millionen Menschen liegen. „Das hängt von der Arbeit ab, die wir in den kommenden Monaten leisten“, sagte der führende Experte der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Gesundheitsexperten verfolgen mit Sorge die Entwicklung in Asien, wo seit Ende 2003 mehr als 60 Menschen durch die Vogelgrippe ums Leben gekommen sind. Der Erreger H5N1 könnte mutieren oder sich mit einem menschlichen Grippevirus vermischen und dann eine weltweite Epidemie auslösen, sobald die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, was bisher nicht der Fall ist.

Seuchen
Indonesien befürchtet Vogelgrippe-Epidemie
© Reuters, Reuters

Auf Mutation vorbereitet sein

In enger Zusammenarbeit mit den zuständigen UN-Programmen will der neue Chefkoordinator nach eigenen Angaben seine Strategie auf drei Pfeiler stellen: In den betroffenen Regionen sollen Menschen und Tiere stärker voneinander getrennt werden; gleichzeitig sollen weltweit Vorbereitungen für den Fall getroffen werden, daß das Virus mutiert und auf den Menschen überspringt. Vor allem aber
dürfe der Zeitpunkt nicht verpaßt werden, an dem das Virus mutiere: „Die meisten Experten gehen davon aus, daß zwischen der Entdeckung des mutierten Virus' und dem Beginn einer weltweiten Epidemie nur wenig Zeit bleibt. Die Rede ist von wenigen Wochen“, sagte Nabarro.

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Entsprechend knapp sei auch der Zeitraum zum Eingreifen. Wichtig sei dabei vor allem, die Information rechtzeitig zu verbreiten, damit „angemessen und ohne Panik“ auf sie reagiert werden könne.

Für eine weltumspannende Bekämpfung des Virus fehlt der UNO allerdings derzeit noch das Geld: Von den rund 82 Millionen Dollar, die sie für die nächsten drei Jahre veranschlagt, hat sie laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO bis heute erst Zusagen in Höhe von 13,7 Millionen Euro erhalten.

WHO: Alle Zahlen sind Spekulation

Der Sprecher des Anti-Grippe-Programms der WHO, Thompson, warnte am Freitag in Genf davor, die von dem neuen UN-Koordinator genannten Zahlen für bare Münze zu nehmen. Nabarro habe lediglich über „eine Spannweite von Experten-Schätzungen“ referiert. Alle Zahlen seien Spekulationen: Selbst die offizielle WHO-Schätzung von zwei bis 7,4 Millionen Grippetoten diene eher als Richtschnur für vorbereitende Maßnahmen.

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Bei einem Krisentreffen auf den Philippinen einigten sich die Landwirtschaftsminister der südostasiatischen Staaten unterdessen auf eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Vogelgrippe. Dazu zähle der Aufbau effizienterer Überwachungssysteme, Methoden zur raschen Bekämpfung und der verbesserte Austausch von Informationen, erklärten die Minister nach ihrer Sitzung in Tagaytay nahe der Hauptstadt Manila.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
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