Seuchen

Gefährliches Vogelgrippevirus in Rumänien bestätigt

16.10.2005
, 09:35
Im Schutzanzug zum Hühnerstall
Das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 ist in Rumänien nachgewiesen worden. Der Verdacht auf eine Vogelgrippe-Erkrankung beim Menschen in der Türkei hat sich nicht bestätigt.
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Der Verdacht hat sich bestätigt: Der auch für Menschen lebensgefährliche Vogelgrippe-Erreger vom Typ H5N1 hat Europa erreicht. Das vermutlich aus Asien eingeschleppte Virus wurde in Gewebeproben von drei im Donau-Delta verendeten Enten gefunden, wie das zuständige britische Labor und die rumänische Regierung am Samstag bestätigten. Der Verdacht auf eine Vogelgrippe-Erkrankung beim Menschen in der Türkei hat sich nicht bestätigt.

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Bukarest verhängte umgehend eine Quarantäne über ein betroffenes Dorf und verbot landesweit alle Tiermärkte. Zur Verhinderung einer Vogelgrippe-Epidemie in ganz Europa beschloß die EU ein Paket mit Sofort-Maßnahmen, vorerst aber keine allgemeine Stallpflicht für Geflügel. Mancherorts wurden die Mittel für Grippe-Schutzimpfungen knapp.

Nach der Türkei nun Rumänien

Das H5N1-Virus wurde in Enten aus der Ortschaft Ceamurlia de Jos gefunden, die Anfang Oktober verendet waren. Ein zweiter Vogelgrippeherd entwickelte sich im 60 Kilometer entfernten Maliuc, das am Samstag ebenfalls unter Quarantäne gestellt wurde. An dem Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 starben in Asien bislang etwa sechzig Menschen. Auch in der Türkei war dieser Virus-Typ am Donnerstag nachgewiesen worden.

Viel Aufmerksamkeit für das Federvieh
Viel Aufmerksamkeit für das Federvieh Bild: REUTERS

Die Situation sei „unter Kontrolle“, sagte der rumänische Landwirtschaftsminister Gheorge Flutur. Die Regierung in Bukarest habe Sofortmaßnahmen getroffen, um eine weitere Verbreitung der Krankheit zu stoppen. Über die Region Dobrogea wurde eine verschärfte Kontrollpflicht verhängt. Gesundheitsstaatssekretär Vlad Iliescu betonte, es liege „kein Verdachtsfall von Vogelgrippe beim Menschen“ vor.

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Menschen nicht erkrankt

Ein Sprecher des türkischen Gesundheitsministeriums sagte am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters, die Tests bei den mutmaßlich Infizierten seien negativ ausgefallen. „Die neun Menschen wurden aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem ihre Bluttests gezeigt hatten, daß sie nicht infiziert sind“, sagte der Sprecher. Das türkische Gesundheitsministerium zeigte sich zuversichtlich, die Vogelgrippe durch die Vernichtung des Geflügels in der betroffenen Ortschaft Kiziksa eingedämmt zu haben. Die Inkubationszeit sei nach einer Woche abgelaufen, ohne daß neue Fälle bekannt wurden, so das Ministerium weiter.

Verstärkte Nachfrage nach Grippe-Schutzimpfungen

In Rumänien und der Türkei ging der Verkauf von Geflügel und Eiern schlagartig zurück, die Zuchtbetriebe fürchteten eine Pleitewelle. In vielen Apotheken waren die Mittel gegen die Vogelgrippe und allgemeine Grippe-Schutzimpfungen ausverkauft. Auch in Deutschland wurde eine deutlich gestiegene Nachfrage nach der Schutzimpfung registriert.

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Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) empfahl den Ärzten daher, selektiver zu impfen. „Deutschland hat zur Zeit zwei Millionen Dosen Grippe-Impfstoff weniger als im vergangenen Jahr“, sagte Michael Pfleiderer von der PEI-Zulassungsstelle in Langen der Zeitschrift „Focus“. Die höchstens verfügbaren 22 Millionen Impfeinheiten sollten vor allem älteren oder immungeschwächten Menschen sowie Einsatzkräften zu Gute kommen.

EU: Vogelgrippe nach örtlichen Gegebenheiten bekämpfen

Experten der 25 EU-Mitgliedstaaten verständigten sich nach Angaben der EU-Kommission darauf, die Vogelgrippe je nach den örtlichen Gegebenheiten zu bekämpfen. „In Gebieten mit besonders hohem Risiko kann dies bedeuten, daß das Geflügel in Ställen gehalten werden muß“, erklärte die Kommission. Vor allem sollten sofort Maßnahmen ergriffen werden, um Kontakte zwischen Hausgeflügel und wilden Vögeln auszuschließen. Zudem sollen Gewässer mit vielen Zugvögeln verstärkt kontrolliert werden. Hühner sollen getrennt von Enten und Gänsen aufgezogen werden und Höfe mit einer Doppelhaltung von Schweinen und Hühnern sollen gesondert überwacht werden.

Wer sich in der Türkei oder Rumänien aufhalte, solle Geflügelmärkte meiden, riet Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) betonte im Nachrichtensender N24, daß bisher nur Menschen an der Vogelgrippe erkrankt seien, die sehr engen Kontakt zu infizierten Tieren hatten. Das Virus übertrage sich derzeit nicht von Mensch zu Mensch, sagte Trittin. Auch Hühnerfleisch sei ungefährlich, wenn es vor dem Verzehr gut durchgegart werde.

Quelle: Reuters, AFP
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