Seuchen

Vogelgrippe erreicht Europa

13.10.2005
, 17:51
In Asien starben bereits 60 Menschen an der Vogelgrippe
Der Türkei ausgebrochene Vogelgrippe-Virus ist auch für Menschen tödlich. Das bestätigte die EU-Kommission. Auch in Rumänien hat sich der Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt hat. „Wir nehmen das mit großer Besorgnis zur Kenntnis“, sagt Minister Trittin.
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Das für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 ist in der Türkei nachgewiesen worden. „Wir haben nun die Bestätigung erhalten, daß es sich bei dem in der Türkei gefundenen Virus um das hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N1 handelt“, sagte EU-Verbraucherschutzkommissar Kyprianou am Donnerstag in Brüssel.

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Die Untersuchungen in den Labors hätten eine direkte Verwandtschaft mit Viren in Rußland, der Mongolei und China nachgewiesen. Die EU-Kommission teilte außerdem mit, daß sich entgegen ersten anderslautenden Stellungnahmen auch in Rumänien der Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt hat. Es seien aber noch weitere Tests notwendig, um zu prüfen, ob es sich auch in Rumänien um die für den Menschen gefährliche Variante H5N1 handele. (Siehe auch: Virologe Klenk: Vogelgrippe ist immer noch eine Tierseuche )

„Müssen vermeiden, daß sich dieses Virus weiter ausbreitet“

Trittin, der nach dem Rücktritt von Renate Künast auch für Landwirtschaft und Verbraucherschutz verantwortlich ist, erklärte: „Wir müssen vermeiden, daß sich dieses Virus weiter ausbreitet.“ Die Gefahr, daß heimische Bestände durch Zugvögel angesteckt würden, sei „gering bis mäßig“.

Epidemie
Vogelgrippe hat Europa erreicht
© Reuters, Reuters

„Mehr Sorge machen uns illegale Transporte, Schmuggel und auch unvorsichtig reisende Menschen“, sagte der Minister. Trittin hat deswegen am Donnerstag mit Finanzminister Eichel (SPD) vereinbart, daß der Zoll Reisende verstärkt kontrolliert. „Wir brauchen dazu die entsprechende Begleitung durch die Veterinärbehörden der Länder“, sagte Trittin. Die Zusammenarbeit zwischen Zoll und Veterinärbehörden müsse verbessert werden.

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Kontrolle an Flughäfen

Trittin wies darauf hin, daß die Zöllner überall dort, wo Reisende kontrolliert wurden, auch etwas gefunden hätten. So seien etwa bei Kontrollen am Frankfurter Flughafen 826 Kilogramm illegal eingeführtes Fleisch festgestellt worden.

Der Minister kündigte an, daß weitere Maßnahmen in enger Abstimmung mit der EU geprüft würden. Dort beraten die Experten an diesem Freitag weiter. Eine Eilverordnung, die die Bauern bundesweit zwingt, ihr Geflügel in Ställe zu sperren, lehnte Trittin zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. Die Bundesländer, die eine Stallpflicht wollen, könnten sie in eigener Verantwortung schon erlassen. „Ob wir alle Bundesländer zwingen, möchten wir mit der EU-Kommission entscheiden“, sagte Trittin mit Blick auf die Expertengespräche in Brüssel.

Derzeit gebe „die Risikoeinschätzung das noch nicht her“. Der Deutsche Bauernverband erklärte dagegen, die strikten Grenz- und Einreisekontrollen reichten nicht aus. Trittin warnte vor Panik. „Zum jetzigen Zeitpunkt muß niemand in Deutschland befürchten, daß er an der Vogelgrippe erkrankt“, sagte er. Ob eine Gefahr für den Menschen bestehe, könne noch niemand sagen. Es sei deswegen auch nicht ratsam, verschreibungspflichtige Medikamente zu nehmen, ohne Symptome einer Erkrankung zu haben.

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Grippe-Impfungen für alle EU-Bürger?

EU-Kommissar Kyprianou empfahl vorsorgliche Grippe-Impfungen für alle EU-Bürger. In Asien sind dem H5N1-Erreger seit 2003 neben Millionen Vögeln auch 60 Menschen erlegen.

Die Türkei bat unterdessen den schweizerischen Pharmakonzern Roche, 500.000 Packungen eines Medikaments zu schicken, mit denen Vogelgrippe bei Menschen behandelbar sein soll. Ein Dorf im Westen der Türkei, wo in der vergangenen Woche die ersten Tiere an der Vogelgrippe verendeten, wurde unter Quarantäne gestellt und 7.600 Vögel gekeult.

Auch Verdacht in Rumänien bestätigt

Der Vogelgrippe-Verdacht im rumänischen Donau-Delta wurde ebenfalls an diesem Donnerstag bestätigt. Unklar war bei diesen Vogelgrippe-Fällen jedoch weiterhin, ob es sich bei dem Virus um den auch für Menschen gefährlichen Erreger H5N1 handelt. Das teilten die Regierung in Bukarest und die EU in Brüssel mit.

Die schwierige Bestimmung soll in einem englischen Speziallabor in Weybridge erfolgen. Die EU verhängte nach der Bestätigung des Vogelgrippe-Verdachts ein Verbot für die Einfuhr von lebenden Vögeln, Geflügelfleisch und Federn aus Rumänien. Noch am Mittwoch hatte die EU den Vogelgrippe-Verdacht in Rumänien nicht bestätigt.

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Genauere Bestimmung des Erregers

Die Bestimmung des Erregers im Labor ist schwierig zu diagnostizieren und nur eine handvoll Speziallabore können einen Typus genau bestimmen. Die EU gab diesen Auftrag nach Weybridge. Ein Sprecher des rumänischen Landwirtschaftsministeriums, Adrian Tibu, teilte mit, in Proben von drei im Donau-Delta aufgefundenen toten Vögeln sei ein Virus des H5-Typs gefunden worden. Die genaue Bestimmung solle nun in Weybridge erfolgen.

Landwirtschaftsminister Gheorge Flutur sagte, die Behörden hätten weitere Maßnahmen ergriffen, das betroffene Gebiet zu isolieren. Das Innenministerium teilte mit, die Quarantäne im Dorf Ceamurlia de Jos sei auf Menschen ausgeweitet worden. Nur Mitarbeiter von Behörden dürften das Dorf noch betreten und verlassen. Soldaten wurden in die Region abkommandiert, um bei der Keulung von Geflügel zu helfen.

Tödliche Grippewelle befürchtet

Experten befürchten eine tödliche Grippewelle wie 1918, sollte das Virus weiter so mutieren, das es leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Vietnam kündigte an, ein UN-Programm im Kampf gegen die Vogelgrippe in den Wintermonaten mit 5,6 Millionen Euro zu unterstützen. Im Winter sind bislang die meisten Menschen dem H5N1-Virus zum Opfer gefallen.

Der Plan sieht vor, Geflügelzüchter besser zu überwachen, schnellere Reaktionssysteme zu entwickeln und Geflügel zu impfen. Australien teilte mit, es stocke seine Unterstützung für die Bekämpfung der Vogelgrippe in Indonesien um 6,2 Millionen auf 9,6 Millionen Euro auf. Die Türkei bat unterdessen den schweizerischen Pharmakonzern Roche, 500.000 Packungen eines Medikaments zu schicken, mit denen Vogelgrippe bei Menschen behandelbar sein soll.

Quelle: FAZ.NET
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