FAZ plus ArtikelTotgeburt

Über den Schmerz etwas zu vermissen, was man nie hatte

Von Okka Gundel
16.01.2020
, 13:20
Persönliches Drama, gesellschaftliches Tabu: Vor zehn Jahren hat die Fernsehmoderatorin und Journalistin Okka Gundel im fünften Schwangerschaftsmonat ihr Kind verloren. Hier schreibt sie zum ersten Mal darüber, wie sie das erlebt hat.

Meinen ersten Sohn. In diesen Tagen vor zehn Jahren habe ich ihn verloren. In meinem Bauch. Ich war im fünften Monat schwanger. Bei einer ganz normalen Vorsorgeuntersuchung blickte meine Frauenärztin auf den Ultraschall-Monitor und drehte ihn dann wortlos weg. Da hatte ich das graue Bild aber schon gesehen. Es sah leblos aus. Sie schaltete das Gerät komplett aus und wieder an. Es änderte sich nichts, und meine Frauenärztin sagte, sie könne keinen Herzschlag mehr feststellen. Ich fragte, ob mein Baby dann also tot sei, und sie sagte ja. Sie gab mir das etwas sperrige Papier, um meinen Bauch abzuwischen, und zählte Statistiken auf. Sie sagte auch, dass das nicht heiße, dass ich nicht wieder schwanger werden könne. Dann sagte sie, dass ich das tote Kind auf die Welt bringen müsse, und fragte, in welche Klinik ich dafür gehen wolle und wann. Ich sagte nichts und sie schlug mir die Uniklinik vor. Ich sagte ja und am besten direkt jetzt gleich.

Ein totes Baby in meinem Bauch, das war mir unheimlich. Es sollte raus. Das war mein erster Impuls. Sie rief in der Uniklinik an, um mich dort anzukündigen und parlierte scheinbar gut gelaunt in einer für mich viel zu fröhlichen Art von einem „intrauterinären Fruchttod“. Ein Ausdruck, der sich bei mir eingebrannt hat. Sie ließ sich von mir bestätigen, dass ich es allein in die Klinik schaffen würde. Als ich im Türrahmen stand, fragte sie nach dem Datum. 13. Januar. Immerhin nicht Freitag, der 13., sagte sie zu mir. Es war ein Mittwoch. Ich zog meine Jacke an und ging.

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Quelle: F.A.S.
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