170 Millionen Kinder

Ein ganzes Jahr ohne Schule

Von Peter-Philipp Schmitt
03.03.2021
, 02:02
Die Verhältnisse in Deutschland sind dagegen erträglich: Laut Unicef haben wegen Corona-Lockdowns weltweit 170 Millionen Kinder seit einem Jahr gar keine Schule mehr besucht. Die Folgen könnten gerade in ärmeren Ländern verheerend sein.

Für fast 170 Millionen Kinder auf der Welt sind seit fast einem Jahr die Schulen vollständig geschlossen. Jedes siebte Kind – rund 214 Millionen Kinder – hat im coronabedingten Lockdown mehr als drei Viertel seines Unterrichts verpasst. Das geht aus Daten hervor, die das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Mittwoch veröffentlicht hat. Demnach befinden sich 14 Länder seit März 2020 weitgehend in einem Lockdown.

Von den Langzeit-Schulschließungen sind überwiegend Lateinamerika und der karibische Raum betroffen. Knapp 100 Millionen Kinder konnten alleine dort in den vergangenen zwölf Monaten nicht zur Schule gehen.

Benachteiligte zahlen den höchsten Preis

„Mit jedem Tag der vergeht, bleiben Kinder, die keinen Zugang zu direktem Unterricht haben, weiter zurück, und die am meisten benachteiligten Kinder zahlen den höchsten Preis“, sagte Unicef-Direktorin Henrietta Fore anlässlich der Veröffentlichung des Berichts „Covid-19 und Schulschließungen. Ein Jahr ohne Schule“. „Wir können es uns nicht leisten, in das zweite Jahr zu gehen, in dem diese Kinder nur eingeschränkt oder gar nicht in der Schule lernen können.“ Man dürfe nichts unversucht lassen, um die Schulen offen zu halten oder ihrer raschen Wiedereröffnung Priorität einzuräumen.

Schulschließungen haben nach Unicef-Angaben verheerende Folgen für das Lernen und das Wohlbefinden von Kindern. Gerade die am stärksten gefährdeten Kinder und diejenigen, die keinen Zugang zu Distanzunterricht haben, seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt, nie wieder in die Schulen zurückzukehren und zu Kinderehen oder Kinderarbeit gezwungen zu werden.

Insgesamt seien in den vergangenen Corona-Monaten mehr als 888 Millionen Kinder durch eine vollständige oder teilweise Schulschließung in ihrer Bildung beeinträchtigt worden. Das bedeute zum einen, dass sie sich nicht mit Gleichaltrigen austauschen könnten. In vielen Ländern fehle den Kindern dadurch aber auch der Zugang zu den Gesundheitssystemen und damit den nötigen Impfungen sowie oft auch nur zu einer täglichen Mahlzeit, weil die Schulkantinen ebenfalls geschlossen seien.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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