Vogelgrippe

EU verbietet Import lebender Vögel aus der Türkei

10.10.2005
, 16:37
© Reuters, Reuters
Nach den jüngsten Vogelgrippe-Fällen in Rumänien und der Türkei hat die EU zunächst den Import lebender Vögel aus der Türkei verboten. Die Fachleute warten jedoch noch auf die Laboranalysen, die Aufschluß über den genauen Vogelgrippe-Virus geben sollen.

Die Bundesregierung macht nach dem Verdacht erster Vogelgrippefälle in Rumänien und der Türkei ihr weiteres Vorgehen von Analysen der Fachleute abhängig. Es sei immer noch nicht klar, ob es sich um das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 handele, sagte ein Sprecher des Verbraucherministeriums am Montag in Berlin. Ob und welche Maßnahmen ergriffen würden, hänge von den Untersuchungsergebnissen eines Londoner Laboratoriums ab. Diese würden in den nächsten Tagen veröffentlicht.

Die Europäische Kommission will den Import von lebenden Vögeln aus der Türkei von sofort an verbieten. Auch die Einfuhr von Federn aus der Türkei in die Europäische Union (EU) solle von Montag an unterbunden werden, teilte die Kommission in Brüssel mit. Die Vogelgrippe war in den vergangenen Tagen erstmals in der Türkei und auch in Rumänien festgestellt worden. Nicht klar war aber, ob es sich bei den dort gefunden Erregern auch um den für Menschen gefährlichen Virusstamm H5N1 handelt. Die Kommission rechne bis zum 12. Oktober mit ersten Testergebnissen und werde umgehend darauf reagieren, hieß es weiter. Griechenland, Bulgarien und die Ukraine kündigten an, Importe von lebenden Vögeln und Geflügelprodukten aus Rumänien und der Türkei zu verbieten. Bulgarien liegt zwischen Rumänien und der Türkei, so daß Experten einen Ausbruch der Seuche dort für möglich halten. Griechenland grenzt an die Türkei, die Ukraine an Rumänien.

Schon Tausende Vögel getötet

In Rumänien und der Türkei sind schon Tausende Vögel getötet worden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Unterdessen wurden aus Rumänien weitere Verdachtsfälle gemeldet. Der Fernsehsender Realitatea TV berichtete, Dutzende Vögel, darunter Schwäne und Geflügel, seien am Montag in einem Dorf im Donau-Delta verendet aufgefunden worden. An der zuerst 2003 aufgetretenen Vogelgrippe sind in Asien inzwischen mehr als 60 Personen gestorben. Fälle der Krankheit wurden in Rußland und Kasachstan gemeldet. Das Virus wird bislang vom Tier auf den Menschen übertragen. Sollte er so mutieren, daß es direkt von Mensch zu Mensch verbreitet werden kann, könnte dies zu einer weltumspannende Epidemie führen.

Vogelgrippe
EU-Importstopp für Geflügel aus der Türkei
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Die von der Vogelgrippe in Rumänien und der Türkei ausgehende Gefahr kann nach Meinung der Fachleute zur Zeit noch nicht abgeschätzt werden. "Wir haben weder eine Bestätigung der Vogelgrippe in Rumänien noch können wir derzeit ausschließen, daß die Tiere dort an der Vogelgrippe verendet sind", sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Institutes auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern), Thomas Mettenleiter, am Montag. In der Türkei sei zwar ein H5-Virus nachgewiesen worden. Nicht klar sei aber bislang auch, ob es sich um die für Geflügel sehr gefährliche Variante H5N1 handelt.

Nach Angaben Mettenleiters ist der Krankheitsverlauf in Rumänien untypisch für die Vogelgrippe. Es sei nicht auszuschließen, daß die Enten an einer anderen Krankheit verendet seien. Hühner, die im gleichen Geflügelbestand wie die verendeten Enten gehalten wurden, seien nicht erkrankt, obwohl Hühner im Allgemeinfall bedeutend empfindlicher auf das Influenza-Virus reagierten als Enten, sagte Mettenleiter. Nach Meinung Mettenleiters könnten sich die Enten in Rumänien zudem schon vor längerer Zeit mit einer schwach pathogenen Variante infiziert und dagegen Antikörper ausgebildet haben. Als Todesursache könne beispielsweise auch eine Vergiftung in Betracht kommen. In Rumänien waren bei drei verendeten Hausenten am Freitag Antikörper gegen die gefährliche Vogelseuche festgestellt worden.

Quelle: FAZ vom 11. Oktober 2005
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