Vogelgrippe

EU verbietet Import von Geflügel aus Thailand

24.01.2004
, 15:22
Die Vogelgrippe breitet sich in Asien rasant aus
In Asien verbreitet sich die Geflügelpest rasend schnell. Auch Menschen infizierten sich, fünf starben bereits. Die Weltgesundheitorganisation erläßt dennoch keine Reisewarnung, da die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
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Die Geflügelpest-Epidemie in Asien greift immer weiter um sich. Nach Vietnam gaben am Freitag auch Behörden in Thailand die Erkrankung zwei Kindern an der Geflügelpest, der besonders schweren Form der Vogelgrippe, bekannt. Sie lebten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Nähe einer Geflügelfarm und sollen mit Kadavern von Hühnern in Berührung gekommen sein. Das Risiko scheint bei Kindern am höchsten zu sein. Von den fünf in Vietnam an der auch als Vogelgrippe bekannten Krankheit gestorbenen Menschen waren vier Kinder.

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Mit Kambodscha bestätigte das sechste asiatische Land den Ausbruch der Seuche bei Vögeln. „Die gegenwärtige Situation ist Anlaß zu ernster Sorge“, betonte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sah allerdings keinen Grund für eine Reisewarnung, da die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die EU stoppte alle Importe von Geflügelfleisch aus Thailand.

Keine Reisewarnung notwendig

Gefahr für die Verbraucher bestehe nicht, betonte die EU-Kommission in Brüssel. Der Importstopp diene vor allem dem Schutz der europäischen Geflügelzucht. Die EU ist für Thailand mit mehr als 100.000 Tonnen Geflügelfleisch pro Jahr ein wichtiger Exportmarkt. Thailand führt jedes Jahr Hühnerfleisch im Wert von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro aus. Das Bundesverbraucherministerium betonte in Berlin, ein Importverbot gelte auch für Produkte aus Vietnam, Korea und Japan, wo ebenfalls die Geflügelpest aufgetreten ist. Reisende in die von der Vogelgrippe betroffenen Länder forderte das Ministerium auf, den Kontakt zu Geflügelmärkten und -betrieben zu meiden.

Ein Bild aus Vietnam, das an Sars erinnert. Kinder sind durch die Geflügelpest besonders bedroht. Von fünf Todesopfern in Vietnam waren vier Kinder
Ein Bild aus Vietnam, das an Sars erinnert. Kinder sind durch die Geflügelpest besonders bedroht. Von fünf Todesopfern in Vietnam waren vier Kinder Bild: REUTERS

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nach gegenwärtigem Wissen nicht möglich. Die WHO fürchtet jedoch die Entstehung einer aggressiven Kreuzung aus Vogelgrippe- und menschlichen Influenza- Viren, die zu einer weltweiten tödlichen Epidemie bei Menschen führen könnte. Eine solche Kreuzung könne entstehen, wenn ein Patient gleichzeitig mit Vogel- und menschlicher Grippe infiziert ist. Bislang hat die WHO nach eigenen Angaben jedoch keine Hinweise auf eine derartige Kreuzung.

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WHO arbeitet an Impfstoff

Stohr zufolge arbeitet die WHO intensiv an der Entwicklung eines Modellvirus für einen Impfstoff. Die Herstellung des Impfstoffs in der Industrie dauere danach mindestens sechs Monate. Die WHO betonte zugleich, daß eine normale Grippeimpfung nicht gegen die Vogelgrippe schützt. Das britische Medizinjournal „The Lancet“ befürchtet, daß ein Impfstoff zur Bekämpfung eines weltweiten Ausbruchs nicht schnell genug hergestellt werden kann. Das aggressive H5N1-Virus töte Hühnerembryonen zu schnell, um den Impfstoff auf herkömmliche Weise in Hühnereiern produzieren zu können. Ein alternativ auf gentechnischem Wege hergestellter Impfstoff sei jedoch noch nie klinisch erprobt worden.

Das Agrarministerium in Bangkok hatte am Donnerstag die Notschlachtung von einer Million Hühnern angeordnet. Die Epidemie bedroht in Thailand die viertgrößte Geflügel-Industrie der Welt, wo mehrere hunderttausend Menschen beschäftigt sind. Wegen der in Asien grassierenden Vogelgrippe hat die Europäische Union einen Importstopp über thailändisches Geflügel verhängt. Die EU ist mit rund 166.000 Tonnen pro Jahr weltweit der zweitgrößte Markt für thailändisches Geflügel. Japan als größter Abnehmer hatte bereits am Donnerstag einen Importstopp verhängt. Die Übertragung der Hühnergrippe auf die Menschen könnte nicht nur die thailändische Geflügelwirtschaft gefährden, sondern auch den Tourismus. Mehr als zehn Millionen Ausländer besuchen jährlich Thailand. Die Zahl der Touristen war im vergangenen Jahr nach dem Ausbruch der tödlichen Lungenkrankheit Sars deutlich gesunken.

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Quelle: @mg
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