Weltgesundheitsorganisation

Die Kinderlähmung ist nicht besiegt

Von Christina Hucklenbroich
24.05.2012
, 17:11
Technisch kein Problem, sondern Frage des politischen Willens: Polio-Impfung für Kleinkinder.
Schnell könnten aus 55 Fällen wieder 200 000 werden, schätzen Experten. Besonders in drei Ländern greifen die Impfkampagnen nicht.
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Nigeria, Pakistan und Afghanistan - das sind die drei Länder, in denen Kinderlähmung nach wie vor gehäuft auftritt, trotz all der weltumspannenden Bemühungen, die Viruserkrankung endlich zu eliminieren. „Das Risiko, dass sich die Krankheit wieder ausbreitet, ist real“, sagte deshalb Bruce Aylward, Koordinator des Polio-Eradikations-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), am Donnerstag bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Für die Delegierten der WHO geht es in Genf darum zu entscheiden, ob man die Bekämpfung der Kinderlähmung offiziell als Notfall für die öffentliche Gesundheit deklarieren sollte - damit würde der politische Druck steigen.

Zwar wurden im Jahr 2012 bisher nur 55 Fälle bekannt, davon drei Fälle im Tschad, die anderen verteilen sich auf Afghanistan, Pakistan und Nigeria. Schätzungen haben jedoch ergeben, dass diese Zahl innerhalb von zehn Jahren wieder auf 200 000 hochschnellen könnte, wenn sich in einigen Gegenden die Impfung von Kindern auf Dauer nicht durchsetzen lässt. Umfassende Impfungen seien nur mit Kampagnen zu erreichen, sagte Aylward. Das Budget, das man dazu benötigt, ist jedoch erst zur Hälfte gesichert. Das Virus, das Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio) auslöst, befällt das Rückenmark, was zu Lähmungen führt. Die Erreger werden fäkal-oral und durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Deutschland hatte seine letzte große Epidemie 1961. Etwa 4500 Menschen erkrankten, 305 starben. 1962 wurde die Impfung eingeführt.

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Es sei technisch kein Problem, die Kinderlähmung einzudämmen, sagte Aylward. „Es ist eine Sache des politischen Willens.“ Das hätten die Erfahrungen mit Indien gezeigt. Das Land konnte im Februar von der Liste der Länder gestrichen werden, in denen Polio noch vorkommt. Den Erfolg brachte konsequentes Impfen. In Afghanistan und Pakistan hingegen sind einige Regionen so unsicher, dass Impfmannschaften sich nicht frei bewegen können. In Nigeria fehlen oft Daten über Einwohner, so dass die Impftrupps ganze Nachbarschaften auslassen oder nicht genug Impfstoff mitbringen. Europa gilt als poliofrei; im Jahr 1998 wurde der letzte europäische Fall gemeldet. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung gegen Polio für alle Kinder vom Säuglingsalter an. Auch manche Erwachsene, etwa Reisende in Gebiete, in denen noch Fälle auftreten, sollten ihren Immunschutz unter Umständen auffrischen lassen.

Quelle: F.A.Z.
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