Weltgesundheitsorganisation

Täglich sterben 4400 Menschen an Tuberkulose

22.03.2007
, 14:19
Im vergangenen Jahrzehnt erhielten 26 Millionen Patienten eine effektive Behandlung
Die Weltgesundheitsorganisation bemängelt in ihrem Weltbericht, dass Europa im Kampf gegen Tuberkulose die internationalen Ziele nicht erreicht hat. Sorge bereite die Ausbreitung extrem resistenter Bakterienstämme in den baltischen Staaten und in Osteuropa.
ANZEIGE

Die Ausbreitung extrem resistenter Bakterienstämme schwächt den weltweiten Kampf gegen Tuberkulose. Es habe im Jahr 2005 weltweit Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit gegeben, einige Regionen, darunter Europa, hätten die internationalen Ziele jedoch nicht erreicht, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Welttuberkulosebericht.

Demnach sind 1,6 Millionen Menschen im Jahr 2005 an der Bakterieninfektion gestorben, 195.000 davon waren zusätzlich mit dem Aidserreger HIV infiziert. Die Europäische WHO-Region habe im Rahmen der internationalen Strategie „Stopp der TB“ die niedrigste Entdeckungsrate bei infektiösen TB-Fällen und die höchste Rate an Behandlungsmisserfolgen, berichtete das WHO-Regionalbüro für Europa.

Multiresistente Tuberkulose-Erreger

ANZEIGE

Auf Grund der unzureichenden Therapie seien in den baltischen Staaten, in Osteuropa und in Zentralasien inzwischen etwa 15 Prozent aller neuen TB-Fälle durch multiresistente Tuberkulose-Erreger (MDR- TB) ausgelöst. Diese Rate sei drei Mal so hoch wie in irgendeiner anderen Region der Welt. Die höchste Rate extrem resistenter TB- Erreger (XDR-TB) habe Lettland, berichtete die WHO.

Die Direktorin der WHO, die Chinesin Chan, präsentiert den Welttuberkulosebericht
Die Direktorin der WHO, die Chinesin Chan, präsentiert den Welttuberkulosebericht Bild: dpa

Dennoch ist die Organisation auch optimistisch: Die Zahl der neuen TB-Fälle sei im Jahr 2005 nur ganz leicht gestiegen, sogar langsamer als die Weltbevölkerung. Im Jahr 2005 habe es 8.787.000 neue Fälle gegeben, 2004 seien es 8.718.000 gewesen. Regionen wie Amerika und Südost-Asien seien auf einem gutem Weg, Europa und Afrika allerdings nicht. „Wir sehen derzeit beides: Die Früchte der weltweiten Anstrengung, TB zu kontrollieren, und die tödliche Natur des anhaltenden Krankheitsverlaufs“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. „Fast 60 Prozent der Tuberkulosefälle weltweit sind entdeckt, und die große Mehrzahl von diesen ist geheilt.“

ANZEIGE

Im vergangenen Jahrzehnt erhielten laut WHO 26 Millionen Patienten eine effektive Behandlung. „Aber die Krankheit tötet weiterhin jeden Tag 4400 Menschen.“ Die Organisation Ärzte ohne Grenze verwies auf jährlich 420.000 TB-Fälle mit multiresistenten Erregern. In einem Behandlungsversuch mit 570 Patienten hätten nur 55 Prozent eine aufwendige Therapie erfolgreich abgeschlossen. Die anderen seien gestorben, hätten auf die Medikamente nicht angesprochen oder die Therapie auf Grund starker Nebenwirkungen abgebrochen.

Keine Entwarnung

In Deutschland erkrankten 2006 bundesweit rund 5500 Menschen an dem Erreger. Positiv ist, dass die Zahl der Tuberkulose-Fälle hierzulande im vergangenen Jahrzehnt um mehr als die Hälfte zurückging, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Vor zehn Jahren erfassten die Ärzte bundesweit noch fast 12.200 Erkrankungen. „Diese Entwicklung darf aber nicht als Entwarnung verstanden werden“, sagte RKI-Expertin Bonita Brodhun.

ANZEIGE

Nur bei rund der Hälfte der registrierten Erkrankten handele es sich um Deutsche, während die andere Hälfte aus dem Ausland stamme. Vor allem bei aus Osteuropa kommenden Einwanderern sei angesichts des erhöhten Erkrankungsrisikos Wachsamkeit angesagt. Knapp elf Prozent der deutschlandweit gemeldeten Tuberkulose-Fälle entfielen mittlerweile auf diesen Personenkreis. „Deshalb wollen wir darauf aufmerksam machen, dass innerhalb der EU, in den Baltischen Staaten und in Rumänien ein höheres Erkrankungsrisiko vorliegt“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose, Robert Loddenkemper. „Wir beobachten eine hohe Rate von Medikamentenresistenz vor allem bei den Patienten aus der früheren Sowjetunion“, sagte er.

Tuberkulose bis zum Jahr 2050 ausgerottet?

Kritisch sieht er den Umstand, dass eine Tuberkulose-Diagnose von Ärzten in Deutschland häufig erst verzögert gestellt wird. Zu den Gründen zählte er, dass die Erkrankung seltener geworden ist und es keine charakteristischen Symptome gebe. Der Lungenfacharzt rät: „Wer mindestens drei Wochen unter nicht erklärbarem Husten leidet, sollte ein Röntgenbild anfertigen lassen.“

„Die vorrangige Herausforderung in der Bekämpfung dieser ansteckenden Krankheit liegt derzeit in Osteuropa“, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Mittag auf einem internationalen Symposium in Berlin. „Vor allem die Entwicklung der Medikamentenresistenzen ist besorgniserregend“, sagte sie. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pneumologen, Andreas Hellmann, appellierte an die Bundesregierung, „ihren Teil zu dem ehrgeizigen Plan der WHO beizutragen, die Tuberkulose bis zum Jahr 2050 auszurotten“.

Quelle: FAZ.NET mit dpa und ddp
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Automarkt
Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen
50Plus
Serviceportal für Best Ager, Senioren & Angehörige
ANZEIGE