Malaria-Impfstoff

Vier Dosen gegen einen Parasiten

Von Peter-Philipp Schmitt
29.04.2021
, 13:16
Eines der ersten Babys wird in Ghana gegen Malaria geimpft.
Die Weltgesundheitsorganisation sieht Erfolge mit dem Malaria-Impfstoff RTS,S. In den vergangenen zwei Jahren wurden 1,7 Millionen Dosen verimpft. Umstritten bleibt allerdings unter anderem die geringe Wirksamkeit.
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Noch bis vor fünf Jahren wurden große Erfolge bei der Bekämpfung der Malaria erzielt – vor allem in Afrika. Das hatte einen einfachen Grund: Fast die Hälfte aller Afrikaner in einem Malariagebiet schlief 2016 unter einem mit einem Insektizid imprägnierten Moskitonetz – nur 15 Jahre zuvor konnten sich nicht einmal zwei Prozent von ihnen so schützen. Vor allem dank dieser Präventionsmaßnahme gelang es, die Zahl der Malaria-Toten um die Hälfte zu reduzieren. Dennoch blieb die von Mücken übertragene Infektionskrankheit eine der Haupttodesursachen in Afrika.

Dann aber stockte das Programm, es gab sogar Rückschritte, auch weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) viel mehr Menschen mit zusätzlichen Netzen nicht erreichen konnte.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung muss mit dem Risiko leben, sich mit Malaria zu infizieren. 2019 gab es nach WHO-Angaben geschätzt 229 Millionen Malariafälle, 409.000 Menschen starben an einer Infektion. Afrika ist dabei besonders von der Krankheit betroffen: Etwa 94 Prozent aller Infektionen und Todesfälle werden auf dem Kontinent registriert. Fast immer sind es Kinder unter fünf Jahren, die an Malaria erkranken. Alle zwei Minuten stirbt ein Kleinkind an Malaria.

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Besonders die Kinder will die WHO mit dem ersten Impfstoff erreichen, der seit 2015 zugelassen ist und seit 2019 zunächst in einer Pilotphase in ausgesuchten Regionen in drei afrikanischen Ländern – Ghana, Kenia und Malawi – eingesetzt wird: in Malawi großflächig, fast 93 Prozent der Kinder werden erreicht; in Kenia hingegen wird vor allem rund um den Victoriasee geimpft.

Impfstoffe als Baustein der Prävention

„Impfstoffe haben großes Potential“, sagt Mary Hamel, die das Malaria-Impfprogramm der WHO und dessen Umsetzung leitet. „Besonders wenn sie als ein Baustein der Prävention eingesetzt werden.“ Der Impfstoff RTS,S/AS01, kurz RTS,S, der vom Hersteller Glaxo-Smith-Kline in Kooperation mit der Malaria-Vakzin-Initiative (MVI) von Path entwickelt wurde, richtet sich gegen einen von mehreren bekannten Parasiten: „Plasmodium falciparum“ ist besonders tödlich und wütet vor allem in Afrika. Die Wirksamkeit von RTS,S liegt allerdings bei nur etwa 39 Prozent. Das ergab eine Phase-III-Studie in den Jahren 2009 bis 2014, an der 15.000 Kinder in sieben afrikanischen Ländern beteiligt waren. Sie bekamen im Alter von fünf bis 17 Monaten vier Impfdosen. Danach kam es in vier von zehn Fällen zu keiner Malariainfektion in den jeweils folgenden vier Jahren, bei drei von vier Kindern (29 Prozent) gab es zudem keine schweren lebensbedrohlichen Symptome. Damit, sagt die Ärztin und Epidemiologin Mary Hamel, sei die Impfung in etwa so wirksam wie ein Moskitonetz (45 Prozent), das die geimpften Kinder natürlich auch weiterhin verwenden.

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„Was uns zunächst Sorgen bereitete, waren die vier notwendigen Dosen“, sagt Hamel. „Würden die Eltern bereit sein, innerhalb von wenigen Monaten viermal zum Impfen zu kommen? Sie sind es.“ Für sie ist es ein gutes Zeichen, dass Impfen inzwischen von mehr als 80 Prozent aller Eltern auf der Welt als „lebensrettende Maßnahme“ angesehen werde – auch in Afrika. In den vergangenen zwei Jahren wurden 1,7 Millionen Dosen von RTS,S in den drei Ländern verimpft. Damit wurden mehr als 650.000 Kinder mit einem zusätzlichen Baustein in der Malaria-Prävention versorgt. Finanziert wurde das Impfprogramm vor allem von drei Organisationen: der Impfallianz Gavi mit Sitz in Genf, dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie der Internationalen Fazilität zum Kauf von Medikamenten, kurz Unitaid.

Tests erst an 450 Kindern

Auch wenn die Bilanz nach zwei Jahren durchaus positiv ist, so will die WHO erst 2023 entscheiden, ob der Impfstoff RTS,S auch für andere Länder empfohlen werden kann. Umstritten ist unter anderem die geringe Wirksamkeit. Vielversprechender scheint ein Impfstoff zu sein, der von Forschern in Oxford entwickelt wurde und in einer klinischen Studie allerdings der Phase II gerade erst die von der WHO als notwendig erachtete Marke von 75 Prozent Wirksamkeit erreichte.

Der Impfstoff R21/Matrix-M wurde aber erst an 450 Kindern im Alter von fünf bis 17 Monaten in Burkina Faso getestet. Zudem wurde strategisch geimpft, wie Mary Hamel sagt. Die Immunisierung erfolgte jeweils vor der Malaria-Saison dreimal in Abständen von vier Wochen; ein Jahr später dann die vierte Impfung. Das führte zu einer Schutzwirkung von 77 Prozent. Auch der Impfstoff RTS,S sei direkt nach der Impfung besonders wirksam, sagt Hamel. „Daraus sollten wir lernen, wie und wann wir die Impfstoffe einsetzen.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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