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Berichte über Coronavirus

WHO besorgt über „Infodemie“

Von Madeleine Brühl
 - 18:11
Ein Junge liest ein Informationsblatt über das Coronavirus in Jakarta, Indonesien.

Angesichts der wachsenden Zahl von Falschnachrichten und Verschwörungstheorien spricht die WHO in einem Bericht über das Coronavirus von einer „Infodemie“. Die Vielzahl der Meldungen erschwere es den Menschen, zwischen Fakten und Fehlinformationen zu unterscheiden. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat am Montag in Genf vor der Verbreitung von „Gerüchten“ über das Coronavirus gewarnt.

Fehlerhafte Empfehlungen zu Medikamenten oder Vorsorgemaßnahmen gegen das Virus könnten gesundheitsgefährdend sein, sagte der Generaldirektor zum Auftakt der Tagung des WHO-Exekutivrats. Mitarbeiter der Organisation arbeiteten 24 Stunden, um die am meisten verbreiteten Gerüchte im Internet ausfindig zu machen und dagegen vorzugehen. „Es ist schwierig, Fake News zu erkennen“, sagt Markus Mingers von der Kanzlei Mingers & Kreuzer. Der Rechtsanwalt, der unter anderem im Bereich Gesellschafts- und Allgemeines Zivilrecht tätig ist, hat sich auch mit juristischen Fragen zu Fake News beschäftigt.

Angesichts der Informationsflut hat die WHO eine groß angelegte Aufklärungskampagne in den sozialen Netzwerken gestartet. Damit sollen alle offenen Fragen zuverlässig geklärt werden wie zum Beispiel, ob die Annahme von Paketen aus China gefährlich sei. Die Organisation empfiehlt außerdem den Staaten, sich auf eine schnelle, zuverlässige und transparente Kommunikation mit der Bevölkerung vorzubereiten. Aktuell arbeitet die WHO mit Google und Anbietern wie Twitter, Facebook, Tencent und Tiktok zusammen, um gegen die Verbreitung von Fake News vorzugehen.

Neben Fehlinformationen auf Grund fehlerhafter Übersetzungen gibt es zahlreiche Fälle, in denen bewusst Verschwörungstheorien verbreitet werden. Twitter hat bereits damit begonnen, einzelne Konten wegen der Verbreitung von Falschinformationen zu sperren, darunter die Finanznachrichtenseite Zero Hedge. Dort wurde das Gerücht verbreitet, das Coronavirus sei als Biowaffe entwickelt worden. Auf Youtube ist vergangene Woche ein Video aufgetaucht, in dem größtenteils unwahre Behauptungen aufgestellt werden. Beispielsweise heißt es: „Bereits am 12. Januar haben Ärzte empfohlen, die Stadt abzuriegeln, weil die Situation völlig außer Kontrolle geraten ist.“ Das Fake News-Video gilt als äußerst gefährlich, da es sich mit hoher Geschwindigkeit über die sozialen Medien verbreitet.

„Die Rückwärtssuche von Google kann erste Anhaltspunkte zum Wahrheitsgehalt einer Nachricht liefern, zum Beispiel ob ein Bild aus dem Kontext gerissen wurde. Ansonsten zeichnen sich Falschnachrichten dadurch aus, dass sie erst einmal schlüssig erscheinen, aber in den Details völlig falsch sind“, erklärt Rechtsanwalt Mingers. Die Gründe für das Erstellen von Falschnachrichten seien häufig ideologische oder wirtschaftliche. Mit reißerischen Überschriften versuchten die Verfasser, eine möglichst große virale Reichweite zu erzeugen.

Trotz der Verunsicherung und möglichen gesundheitlichen Gefahr, die von der Verbreitung von Fake News im Internet ausgeht, hat das Teilen solcher Meldungen keine rechtlichen Konsequenzen: „Es gibt kein Verbot, falsche Nachrichten zu verbreiten“, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Professor Niko Härting. Er betont, generell müsse zwischen Wertungen und Tatsachen unterschieden werden. Nur Aussagen, die gezielt Menschen verleumden oder beleidigen, seien tatsächlich strafbar. „Wenn jemand verbreitet, das Virus sei in amerikanischen Laboren zu Kampfzwecken entwickelt worden, dann ist das konkret eine falsche Tatsachenbehauptung und deswegen nicht gestattet“, erklärt der Jurist.

Um sich vor Falschnachrichten zu schützen, reicht häufig schon ein kritischer Umgang mit Nachrichten aus sozialen Medien. Viele Menschen seien sehr unbekümmert bei der Nutzung solcher Netzwerke, stellt Markus Mingers fest. „Wenn man ein wenig bedachter handelt und nicht sofort alles teilt, kann man sich und andere schon recht gut vor Fake News schützen“, sagt der Rechtsanwalt weiter. Eine weitere Möglichkeit sieht er bei den Informationskampagnen großer Organisationen wie der WHO.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brühl, Madeleine
Madeleine Brühl
Volontärin.
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