FAZ plus ArtikelSchwindelanfälle

Und plötzlich dreht sich alles

Von Katharina Pfannkuch
16.09.2021
, 13:20
Als säße man auf einem Kettenkarussell: Ist der Gleichgewichtsnerv entzündet, sendet das Hirn Fehlsignale an die Augen.
Als säße man auf einem Kettenkarussell: Unvermittelt auftretender Schwindel kann Übelkeit und Angst auslösen – und ganz unterschiedliche Ursachen haben. Aber er ist zumeist therapierbar, so wie bei unserer Autorin.

Eines Morgens ist es einfach da, ohne Vorwarnung. Ein Gefühl wie ein außer Kon­trolle geratener Drehwurm. Das Fenster, die Wände, alles peitscht im Kreis vorbei, wie die Kulisse eines dieser knallbunt blinkenden Jahrmarktgeschäfte, die „Break Dancer XXL Extreme“ heißen. „Das ist bestimmt der Kreislauf; schnell etwas trinken“, schießt es durch den Kopf, da versagt auch schon die Koordination, und statt eines Glases Wasser nähert sich der Parkettboden. Der rettende Griff nach Halt geht ins Leere, das Gefühl für Entfernungen in der sonst so vertrauten Umgebung ist verschwunden, alles dreht sich. Rasend schnell.

Rund 30 Prozent aller Menschen in Deutschland erleben irgendwann in ihrem Leben Schwindel, ganz unabhängig von Alter und Geschlecht. Er kann als starkes Schwanken wie auf einem Schiff auftreten, als kurzer Anfall in bestimmten Positionen oder in einer Tage oder Wochen andauernden Drehschwindel-Episode.

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Schwindel-Arten

Schwindel ist ein Symptom, keine Krankheit – und tritt in vielen Formen auf. Unter anderem in diesen:

Neuritis vestibularis: Anhaltender, heftiger Drehschwindel, der durch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs im Innenohr ausgelöst werden kann und Tage bis Wochen anhält, unabhängig von der Position oder Bewegung des Patienten.

Morbus Menière: Minuten oder Stunden anhaltender Drehschwindel, der durch eine zu stark ausgeprägte Bildung der Lymphflüssigkeit im Innenohr ausgelöst werden kann. Es entsteht Überdruck, und feine Membranen reißen ein. Mit den Schwindelattacken können Hörprobleme einhergehen. Frauen sind öfter betroffen als Männer, am häufigsten tritt das Symptom zwischen 45 und 60 Jahren auf.

Gutartiger Lagerungsschwindel: Die häufigste Schwindelerscheinung. Sie beruht auf Ablagerungen, die sich in der Flüssigkeit der Bogengänge des Gleichgewichtsorgans befinden. Sie reizen die Sensorzellen; als Folge werden falsche Signale an das Gehirn gesendet. Der Schwindel dauert hier meist nur Sekunden an, taucht oft bei schnellen Kopfbewegungen auf und kann durch Übungen, sogenannte Befreiungsmanöver, behandelt werden.

Schwankschwindel: Auch als Psychogener Schwindel bekannt, ist er durch attackenhaft auftretende Unsicherheit beim Gehen und Stehen gekennzeichnet, weist aber keine Beteiligung der Augen auf. Oft geht er mit psychischen Belastungen oder Depressionen einher oder folgt auf eine organische Krankheit.

Quelle: F.A.S.
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