Olympische Spiele in Rio

Bitte bleiben Sie gesund!

Von Peter-Philipp Schmitt
03.08.2016
, 10:59
Mit den richtigen Vorkehrungen wird die Reise nach Rio nicht zum Höllentrip.
Heute beginnt Olympia in Rio. Im größten südamerikanischen Land lauern viele gefährliche Krankheiten. Doch wer vorsorgt und sich schützt, kann risikolos reisen. Ein kleines A-Z.

Aids – Vorbild für andere

Vor gut 20 Jahren drohte Aids in Brasilien und Südafrika gleichermaßen zur gesundheitlichen Katastrophe zu werden. Die beiden Schwellenländer aber - Brasilien ist siebenmal so groß wie Südafrika und hat fast viermal so viele Einwohner - hatten die Wahl: Die Regierung in Pretoria leugnete bis 2009, dass es einen Zusammenhang zwischen HIV und Aids gibt, deshalb wurden HIV-Infizierte nicht mit den 1996 eingeführten antiretroviralen Medikamenten behandelt. Heute ist fast jeder siebte Südafrikaner mit HIV infiziert. Brasilien hingegen ist ein Vorbild im Kampf gegen Aids. Seit 1988 ist Gesundheit als Bürgerrecht in der Verfassung verankert. Jeder der 200 Millionen Brasilianer hat Anspruch auf eine Behandlung, die vom Staat finanziert wird. Die Hauptrisikogruppen einer HIV-Infektion werden nicht kriminalisiert: Prostitution ist nicht verboten, es gibt staatlich geförderte Spritzentauschprogramme für Drogenabhängige, seit 2013 ist die Ehe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen der Ehe von Mann und Frau gleichgestellt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „stabilen und konzentrierten“ Aids-Epidemie. Etwa 830.000 Brasilianer sind mit dem HI-Virus infiziert, das sind knapp 0,5 Prozent der Bevölkerung. Die Infektionsraten sind niedrig, auf 100.000 Einwohner kommen 20 Fälle im Jahr. Besonders gehäuft treten Infektionen im Süden des Landes (Rio Grande do Sul) und im Amazonasgebiet auf, wo es offenbar an Aufklärung mangelt. In Großstädten wie Rio de Janeiro leben viele der Hauptrisikogruppen - Schwule, Prostituierte, Transgender. Die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, ist trotzdem auch dort nur unwesentlich größer als in Frankfurt oder Berlin.

Dengue – Nie ohne Mückenschutz

Auch wenn alle derzeit von Zika reden: Es gibt weitaus schlimmere, tödliche Infektionskrankheiten in Brasilien. Dazu zählt vor allem Dengue. 1,65 Millionen Fälle gab es im vergangenen Jahr, das war neuer Rekord, und es waren dreimal so viele Erkrankungen wie 2014. Es gibt Regionen im Land, da werden die Krankenhäuser der Patienten mit plötzlich auftretendem Fieber und starken Kopf- und Gliederschmerzen kaum Herr. Das Denguevirus wird von der Denguemücke übertragen. Das Insekt ist auch bekannt als Gelbfieber- und neuerdings als Zikamücke, eigentlich heißt es Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti). Neben Artgenossen wie der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die auch in Deutschland vorkommt, ist es eines der gefährlichsten Krankheitsüberträger der Welt. Im Repertoire hat die Mücke auch das Chikungunyavirus. Chikungunya bedeutet so viel wie „gekrümmt Gehender“.

Das Chikungunyafieber führt zu Muskel- und Gelenkschmerzen und klingt nach zwei Wochen meist ohne bleibende Schäden ab. Gelbfieber wiederum kommt nur sporadisch in Brasilien vor. Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 gab es sieben Fälle, vier der Erkrankten überlebten nicht. Die Olympiastadt Rio gehört nicht zu den Gelbfiebergebieten, aber der Amazonas, Bahia, São Paulo und die Iguaçu-Wasserfälle schon. Wer dorthin will, sollte über eine Impfung nachdenken. Das Denguefieber, an dem 2015 nach WHO-Angaben 863 Menschen starben, kommt in fast ganz Brasilien vor. Gegen Dengue gibt es seit 2015 eine wirksame Impfung, Mückenschutzmittel sollte man aber trotzdem stets dabeihaben. Die Weibchen stechen tagsüber, besonders zwei Stunden vor und nach Sonnenauf- und -untergang.

Magen-Darm-Infekt – Austern am Strand

Die Azteken waren nicht in Brasilien, insofern muss man im Land von Caipirinha auch nicht Montezumas Rache fürchten, der Herrscher über das Reich der Azteken war. Der Brasilianer an sich legt großen Wert auf Hygiene - was man angesichts der verdreckten Buchten, in die sich die Kloaken von Rio de Janeiro ergießen, kaum glauben mag. Am Strand jedoch kann man tatsächlich unbedenklich einen Cocktail bestellen, die Fruchtsäfte an der Copacabana sind selbst mit Eiswürfeln keine Gefahr. Sogar Austern werden am Strand angeboten. Wer die Muschelweichtiere mag, sollte zugreifen: Preiswerter bekommt man sie nirgendwo. In seltenen Fällen können allerdings auch in Brasilien Lebensmittel und Wasser verunreinigt sein, was zu Magen-Darm-Erkrankungen durch Viren, Bakterien, Toxine und Parasiten führen kann. Vorsicht ist angezeigt in ländlichen Gebieten und im Norden des Landes. Wer Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfall vermeiden will, sollte aber auch das Leitungswasser in Rio nicht trinken. Zähneputzen damit ist unbedenklich.

Malaria – Vorsicht am Amazonas

Für Brasilien gibt es keine Impfvorschriften bei einer Einreise aus Europa. Dringend empfohlen vom Auswärtigen Amt wird eine Impfung gegen Hepatitis A. „Bei einem geplant längeren Aufenthalt auch in anderen Landesteilen vor oder nach den Spielen oder bei besonderer Exposition kann auch ein zusätzlicher Impfschutz gegen Hepatitis B, Tollwut und Typhus sinnvoll sein“, heißt es bei den Reise- und Sicherheitshinweisen weiter. Malaria hingegen ist zumindest entlang der gesamten Ostküste von Fortaleza im Bundesstaat Ceará hoch im Norden bis nach Porto Alegre in Rio Grande do Sul ganz im Süden kein Thema. Auch die meisten Stadtzentren sowie die berühmten Iguaçu-Wasserfälle sind malariafrei. Sonst aber gilt es, sich vor dem Sumpffieber zu schützen - in Gebieten unterhalb 900 Meter und im Amazonas sowieso.

Masern – Offiziell wieder besiegt

Brasilien ist masernfrei. Und das ganz offiziell seit dieser Woche. Damit hat die Weltgesundheitsorganisation das südamerikanische Land von einer Last befreit, die die Verantwortlichen im fünftgrößten Staat der Erde seit gut drei Jahren beunruhigte. Brasilien galt nämlich schon seit 2000 als von der tödlichen Infektionskrankheit befreit. Viel hatte die Regierung in Brasília in den Gesundheitsschutz zuvor investiert, um die alle zwei bis drei Jahre wieder ausbrechenden Masern endlich zu besiegen. Es gelang mit großangelegten Impfprogrammen seit den frühen Siebzigern und einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder im Vorschulalter. Dann aber kam die Fußball-Weltmeisterschaft, und es wurde befürchtet, dass Masern bei so einem Großereignis wieder ins Land eingeschleppt werden könnten.

Vorsicht vor Malaria: Abstand zu Sumpfgebieten wird empfohlen.
Vorsicht vor Malaria: Abstand zu Sumpfgebieten wird empfohlen. Bild: dpa

Immerhin ist das Virus in 28 der 32 Nationen, die an der WM teilgenommen hatten, endemisch - es kommt also vor. Tatsächlich kam es zu einem größeren Ausbruch in den Bundesstaaten Pernambuco und Ceará im Norden Brasiliens - allerdings schon Monate vor der WM. Das Virus stammte, wie sich herausstellte, aus Europa. Bis Ende 2014 wurden 903 Fälle gezählt. Brasilien begann sofort ein großes Impfprogramm, denn die geforderte Impfrate bei Kindern unter zwölf Monaten lag nicht überall bei mehr als 95 Prozent. Nun hofft Brasília, dass die Besucher des nächsten sportlichen Großereignisses das Masernvirus nicht abermals einschleppen.

Zika – Kein Grund zur Panik

Die gute Nachricht zuerst: Wer sich einmal mit Zika infiziert hat, ist lebenslang immun gegen das Virus. Davon gehen die Wissenschaftler zumindest aus, genau wissen sie es aber nicht. Bislang dachten sie auch, eine Zikainfektion verlaufe bei Erwachsenen meist harmlos. Das scheint auch weiterhin so zu sein. Trotzdem stellen die mehr als 200.000 Infektionen allein in diesem Jahr ein Gesundheitsrisiko für Brasilien dar. Seit dem 22. Oktober 2015 gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums 8451 Verdachtsfälle von Mikrozephalie, 1687 wurden bis Anfang Juli bestätigt. Schwangere, die am Zikafieber erkranken, können Kinder mit kleineren Köpfen zur Welt bringen. Die Neugeborenen sind häufig geistig behindert. Bis 2015 war dieser Krankheitsverlauf unbekannt. Seither sind in Brasilien die Abtreibungszahlen drastisch gestiegen. Ein Grund zur Panik indes besteht nicht, auch wenn man seit einigen Monaten weiß, dass das Virus beim Sex übertragen werden kann. Darum wird Brasilien-Reisenden nach ihrer Rückkehr zwei Monate lang der Gebrauch von Kondomen empfohlen. Drei Wochen lang sollte man sich auch in Deutschland noch vor Mücken schützen, denn auch hier wurde schon die Asiatische Tigermücke gesichtet. Schwangere sollten erst gar nicht nach Südamerika reisen. Dass auf der Südhalbkugel derzeit Winter herrscht, ist nur bedingt eine gute Nachricht. Die fliegenden Blutsauger gibt es trotzdem. Rio liegt auf Höhe des südlichen Wendekreises und somit geographisch in den Tropen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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