Hintergrund

Stichwort: HIV-Infektion

30.11.2000
, 19:55
Gedenkfeier für Aids-Opfer
Auch wenn man mit dem HI-Virus heute länger leben kann - Aids verläuft immer noch tödlich. Ein Überblick über Infektionsrisiken und Verlauf der Infektionskrankheit.
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Das HI-Virus (Human Immune Deficiency Virus) löst Aids aus. Von dem Retrovirus existieren zwei Typen, HIV-1 und HIV-2, und mehrere Subtypen. Die verschiedenen Sorten unterscheiden sich durch ihre Merkmale und das unterschiedlich häufige Auftreten auf den verschiedenen Kontinenten.

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Gegen alle Virentypen kann man sich aber auf die gleiche Weise schützen: Es darf kein Blut oder Sperma eines Infizierten auf die Schleimhäute oder in die Blutbahn eines Gesunden kommen.

HI-Viren überleben nur in Blut und Sperma

Das HI-Virus gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Es ist sehr empfindlich und kann außerhalb des menschlichen Körpers nicht überleben. Ein Händedruck, eine Umarmung, ein Kuss und auch das Leben in derselben Wohnung kann die Krankheit nicht übertragen.

Das HI-Virus kann sich nur in lebenden Zellen vermehren. Dort baut es wie jedes Virus sein eigenes Erbgut in das der Wirtszellen ein und zwingt sie, neue Viren zu produzieren. Das schädigt oder zerstört die Wirtszellen.

Nur schlecht bekämpfen

Das Besondere an dem HI-Virus ist, dass es vor allem die Helferzellen, die „Leitzentralen des Immunsystems“, befällt. Helferzellen schwimmen im Blut und bekämpfen dort Antigene. Wenn das Virus in die Blutbahn gelangt, wehrt das Immunsystem die Erreger ab.

Die hierbei gebildeten Antikörper können aber nicht in infizierte Wirtszellen eindringen wie das HI-Virus. Deshalb können sie die dort vorhandenen Viren nicht unschädlich machen. Auch in der Blutbahn können Antikörper das HI-Virus nur schlecht bekämpfen, weil seine Oberfläche verändert und die Antikörper nicht an das Virus andocken können.

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Sehr unterschiedlicher Krankheitsverlauf

Wie die Krankheit verläuft ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Kurz nach der Ansteckung fühlen sich Infizierte wie bei einer Grippe - das Virus vermehrt sich vorübergehend stark. Diese Symptome verschwinden nach ein bis zwei Wochen, die meisten Kranken unterschätzen den Infekt. Nach zwölf Wochen könne die Antikörper meistens nachgewiesen werden.

Manchmal sind sie aber auch erst nach einem halben Jahr zum finden. Eine Blutuntersuchung ergibt ab dann: HIV positiv. In der Zeit nach der Infektion treten meist keine Symptome auf. Diese Latenzzeit kann einige Monate aber auch einige Jahre dauern. Später treten sogenannten allgemeinen Symptome auf.

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Angriffsziel: Virenenzyme

Die Lymphknoten können über längere Zeit anschwellen, der Kranke schwitzt nachts stark und bekommt Durchfall. Gelegentlich haben die Patienten auch fieberhafte Infekte. Erst wenn im Endstadium die zelluläre Immunabwehr außer Gefecht gesetzt ist, heißt die Krankheit Aids. Die Kranken sterben an Lungenentzündung oder Tumoren.

Therapiert wird HIV mit einer kombinierten Gabe verschiedener Medikamente, unter ihnen AZT. Je früher solche Medikamente gegeben werden, desto länger lässt sich der Ausbruch von Aids hinauszögern. Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist Aids jedoch nicht heilbar. Zurzeit werden erste Impfstoffe klinisch getestet - bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Angriffsziel der Medikamente sind Virenenzyme, mit denen der Erreger in die Zelle eindringt und sich vermehrt.

Quelle: FAZ.NET
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