Historische Entscheidung

Katalonien verbietet Stierkämpfe

28.07.2010
, 12:31
Der Stierkampf in Katalonien gehört der Vergangenheit an
Spaniens Tierschützer jubilieren: Das katalanischen Parlament stimmt für die Abschaffung des Stierkampfs. Ab 1. Januar 2012 ist Katalonien die erste Region auf dem spanischen Festland, die das blutige Spektakel verbietet.

Das Regionalparlament in Katalonien hat am Mittwoch mit den Stimmen von 68 zu 55 Abgeordneten ab 2012 ein Verbot für Stierkämpfe beschlossen. Katalonien ist damit die erste Region auf dem spanischen Festland, die mit der jahrhundertealte Tradition bricht. Tierschützer fordern schon lange ein Verbot, viele Spanier halten das Votum aber auch für eine Machtdemonstration der auf ihre Identität pochenden Region.

Das Stierkampfverbot gilt ab dem 1. Januar 2012 in dem nordostspanischen Gebiet um Barcelona. Dafür soll das katalanische Tierschutzgesetz geändert werden, das die Tötung und Misshandlung von Tieren bei Veranstaltungen verbietet, bislang aber Stiere ausdrücklich von dem Verbot ausnahm. Corridas sind bisher nur auf den Kanarischen Inseln verboten.

Internationale Tierschutzgruppe forderte das Verbot

Der Abstimmung im Regionalparlament war eine Initiative einer internationalen Tierschutzgruppe vorausgegangen, die 180.000 Unterschriften für ein Verbot eingereicht hatte. Da der Stierkampf mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen aber auch ein wichtiger Wirtschaftssektor ist, gab es rings um die Abstimmung hitzige Debatten. Die Befürworter der Stierkämpfe betonten zudem die kulturelle Tradition der Kämpfe, die Gegner verwiesen auf die Brutalität der Veranstaltungen und die Missachtung der Tierrechte.

Francesc Pane von den katalanischen Grünen, die für das Verbot stimmten, bezeichnete die Stierkämpfe als „Foltershows“. Der Chef der katalanischen Regionalregierung, José Montilla, sagte hingegen, er habe das Verbot abgelehnt, weil er „an die Freiheit glaubt“. Er hätte es lieber gesehen, wenn die Tradition gewahrt geblieben wäre. Die Fraktionen der Sozialistischen Partei und der gemäßigten Nationalistenpartei CIU hatten für die Abstimmung den Fraktionszwang aufgehoben.
Vor dem Regionalparlament demonstrierten Befürworter und Gegner der Stierkämpfe in getrennten Gruppen. Die Anhänger der alten Tradition forderten „Stiere ja, Freiheit ja“, die Gegner verlangten ein Ende der „Folter“ in den Arenen.

Katalonien betont seine eigene Identität

Der Ausgang des Votums wurde vom restlichen Spanien mit Spannung erwartet. Viele Analysten sehen darin auch einen demonstrativen Schritt der Region, ihre eigene Identität zu betonen. Die konservative Zeitung „El Mundo“ hatte die Debatte am Dienstag als „Politikum“ bezeichnet und Katalonien vorgeworfen, „alles verbieten zu wollen, was spanisch ist“. Andere konservative Medien mutmaßten, die Region wolle sich mit dem Verbot für die Entscheidung des spanischen Verfassungsgerichts rächen, das Kataloniens Autonomiestatut Ende Juni zwar im Grundsatz gebilligt, Teile davon aber für verfassungswidrig erklärt hatte. Daraufhin demonstrierten mehr als eine Million Menschen in Barcelona für das Autonomiestatut der wohlhabenden Region.

Die französische Schauspielerin und erklärte Tierschützerin Brigitte Bardot begrüßte das Verbot als „Sieg der Würde über die Grausamkeit“. Von Stierkämpfen gingen ein „unglaublicher Sadismus“ und eine Gewalt aus, die „unsere Gesellschaft zerstören“, hieß es in einer Erklärung ihrer Stiftung. Frankreich müsse dem Beispiel Spaniens nun folgen, forderte Bardot - auch dort finden Stierkämpfe statt.

Quelle: FAZ.NET mit DPA
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