Hochwasser

Flutschlamm mit Schadstoffen belastet

05.09.2002
, 19:21
Kampf dem Schlamm: In der Hinterlassenschaft der Flut lauern Gefahren
Welche Hinterlassenschaft befindet sich im Schlamm der Hochwasserfluten? Mikrobiologen versuchen die Antwort zu finden, Greenpeace hat konkrete Befürchtungen.
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Die Unsicherheit in den Überschwemmungsgebieten wächst. Welche Hinterlassenschaften befinden sich in den Flutschlämmen, die die Elbe und ihre ebenfalls über die Ufer getretenen Nebenflüsse in den Städten zurückgelassen haben? So lautet die bange Frage. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat bereits wiederholt vor Krankheitserregern und Schadstoffen gewarnt. In Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg haben sich Forscher auf die Suche nach Keimen in den zum Teil getrockneten braunen Krusten gemacht. Nach Erkenntnissen des Umweltforschungszentrums Halle (ufz) ist die Sorge der Menschen durchaus berechtigt.

Salmonellen und Kolibakterien haben die Mikrobiologen der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Hitzacker im Visir. Die Braunschweiger Wissenschaftler nehmen zurzeit Schlamm- und Wasserproben, um sie eingehend auf eine Verseuchung hin zu untersuchen. Allerdings werden erste Ergebnisse nach Angaben der GBF erst Mitte nächster Woche zu erwarten sein.

Spielplätze nicht einfach umgraben

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Dagegen kann Greenpeace bereits erste Mess-Ergebnisse aus der Region Dresden vorlegen. Danach, so der Chemie-Experte der Umweltschutzorganisation, Manfred Krautter am Donnerstag, können die Schlammrückstände in Gebäuden erheblich mit Schwermetallen wie oder Blei und Ölen belastet sein. Vor allem Keller und Tiefgaragen müssten deshalb unbedingt gründlich gereinigt und saniert werden. Parks und Spielplätze sind nach Angaben Krautters weniger belastet. Doch auch hier müsste die braune Hinterlassenschaft der Elbe dringend abtransportiert werden. Um die Gesundheitsgefahren zu beseitigen reiche es nicht, die Rückstände unterzugraben.

Bestätigt werden die Greenpeace-Werte durch das ufz Leipzig-Halle, das sowohl in Sachsen als auch in Sachsen-Anhalt erhebliche Schadstoffbelastungen festgestellt hat. „Wie sich aus analytischen Untersuchungen ergab, überschreiten die Arsen-, Nickel- und Bleikonzentrationen in einigen untersuchten Bereichen den Prüfwert der Bodenschutzverordnung für Kinderspielplätze und Wohngebiete“, sagte Gewässerforscher Wolf von Tümpling am Donnerstag in Leipzig. Einige der gefundenen Substanzen seien auch auf längere Zeit nicht abbaubar. Im früheren Tagebaurestloch Goitzsche bei Bitterfeld habe die Flut die Güte des Grundwassers verschlechtert. Ein Phosphorschub habe ein Algenwachstum ausgelöst.

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Knapp am Fischsterben vorbei

Nach wie vor sind Greenpeace und andere Umwelt-Organisationen überzeugt, dass die Elbe durch die Überflutung des tschechischen Chemiewerks Spolana erheblich mit Chemikalien belastet ist. Die Betreiber hätten mittlerweile eingeräumt, dass rund 3.500 Tonnen Chemikalien durch das Hochwasser in den Fluss gespült worden seien. Nach den Worten Krautters ist die Elbe nur „knapp am Fischsterben vorbeigekommen“. Greenpeace rechnet damit, dass der Sauerstoffgehalt im Elbe-Wasser erst in zwei bis drei Jahren wieder ein normales Maß erreicht haben wird. Die sächsische Landesregierung in Dresden geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Hochwasser keine „auffallend hohe Schadstoffbelastung“ für die Elbe ergeben habe.

Quelle: @dho
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