Hochwasser in Grimma

„Nachts um eins hat uns die Katze geweckt"

Von Helmut Uwer, Grimma
28.08.2002
, 07:00
Die Aufräumarbeiten in Grimma gehen weiter
Falk Rösler und seine Frau haben beim Mulde-Hochwasser fast ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Doch aufgeben wollen sie ihr Haus in Grimma nicht. Eine Reportage.
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150.000 Kubikmeter Schlamm und zerstörten Hausrat hat die Stadt Grimma in den vergangenen Tagen abfahren lassen. Die Straßen sind wieder sauber. Doch an und in den Häusern finden sich noch immer die Spuren des Hochwassers, das vor zwei Wochen die Kleinstadt und 3.000 ihrer 19.000 Einwohner heimgesucht hat. 500 Häuser sind schwer beschädigt, 50 droht der Abriss. Die Stadt schätzt den Gesamtschaden auf 25 Millionen Euro.

Mit dem Abriss muss der 26-jährige Falk Rösler nicht rechnen. Sein Haus steht unmittelbar an der Mulde. Im Erdgeschoss reichte das Wasser bis zur Decke. Jetzt sieht es aus wie in einer Ruine. Tapeten gibt es nicht mehr. Von den Wänden ist nur das nackte Mauerwerk übrig geblieben. Eine tragende Wand ist eingestürzt. Das Technische Hilfswerk hat Stützbalken eingezogen.

Immerhin das Auto gerettet

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„Nachts um eins hat uns die Katze geweckt“, erzählt Rösler. Dann musste alles ganz schnell gehen. Schnell hat er mit seiner Frau die Kleiderschränke geleert und eine Etage nach oben verfrachtet. Immerhin konnte er noch sein Auto retten. Morgens um sieben stand das Wasser so hoch, dass er sein Haus verlassen musste. Er konnte gerade noch über die alte Brücke vor seinem Haus zum gegenüberliegenden Steilufer gehen. Inzwischen ist auch die Brücke mit der Goldkrone unpassierbar. Das Hochwasser hat drei der sechs Brückenbögen einstürzen lassen.

Auf 100.000 Euro schätzt Rösler den Schaden. Wie er den bewältigen soll, weiß er nicht. Gegen Hochwasser ist er nicht versichert. Das Haus hat er mit seiner Frau erst vor wenigen Monaten gekauft. Nur das Erdgeschoss war erst ausgebaut. „Wir haben schon einen Kredit und sind bis zu einem Level verschuldet, wo nichts mehr geht“, erklärt der Zahntechniker. Seine Arbeit bei einem Zahnarzt hat er verloren, denn der sei auch „abgesoffen“. Jetzt ist er auf Kurzarbeit Null. Immerhin seine Frau hat noch ihren Job. Sie arbeitet beim Finanzamt.

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„Nie wieder eine Einbauküche“

Trotz allem Unglück denkt er nichts ans Wegziehen. Er glaubt nicht, „dass so ein Hochwasser so schnell noch einmal kommt.“ Also räumt er auf, tatkräftig unterstützt von seinem Schwiegervater. „Es muss ja weitergehen“, macht er sich Mut. Aber es wird ein anderes Leben sein. „Nie wieder eine Einbauküche“, hat er sich geschworen. „Nur noch Einzelstücke“. Zwei davon sind schon da. Unter den Spenden, die er erhalten hat, waren eine Waschmaschine und ein Kühlschrank. Die stehen im ersten Stock. „Sind aber noch nicht angeschlossen“, meint Rösler.

Mit der bisherigen Unterstützung ist Rösler zufrieden, wenn auch die 500 Euro pro Person bei weitem nicht weitreichen. Er rechnet auch damit, dass die 3.000 Euro, die die Stadt für das Gutachten des Statikers bezahlt, nicht ausreichen. Kritik übt er jedoch an der mangelnden Information. Man sei vom Hochwasser völlig überrascht worden. Es habe keine Warnung gegeben. „Die haben die Talsperren zu spät ablaufen lassen“, kritisiert er, „das könnte noch ein Nachspiel haben“.

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Kein Interesse am Wahlkampf

Doch auch für dieses Problem hat er im Augenblick eigentlich keine Zeit. Dass Wahlkampf ist, nimmt er nur am Rande wahr. Das Fernsehduell, das 15 Millionen gesehen haben, hat ihn nicht interessiert: „Ich hab da andere Probleme als Wahlkampf.“ Dann blickt er auf den Boden und sagt: „Ich hoffe, dass ich wenigstens die Dielen retten kann.“

Quelle: @uwer
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