Hochwasser

Sorge vor Umweltschäden nach der Flut wächst

22.08.2002
, 16:19
was bringt die Flut alles mit?
Giftstoffe aus überfluteten Chemieanlagen, Deponien und Kläranlagen könnte die Elbe vergiften. Erste Messungen sind noch ohne Ergebnis.
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Nach dem Zurückweichen des Elbe-Hochwassers im Osten Deutschlands wächst die Sorge vor Umweltschäden durch Giftstoffe. Umweltschützer befürchten, dass aus dem überfluteten Chemiewerk „Spolana“ im tschechischen Neratovice gefährliche Dioxine in die Elbe gelangt sein könnten. Zudem liegen auf deutscher Seite große Chemiepark-Areale in Bitterfeld, Wolfen und Magdeburg an der Elbe. Auch Stoffe aus Klärwerken oder Deponien könnten in den Fluss gelangt sein. Um den Gehalt von Schwermetallen, Dioxinen und anderen Giften zu prüfen, entnahm das Bundesumweltministerium am Donnerstag zusätzliche Proben. Ergebnisse lagen zunächst nicht vor.

Nach Messungen der Wassergütestelle der Arbeitsgemeinschaft zur Reinhaltung der Elbe (Arge Elbe), haben die Fluten zu einer fünf- bis zehnfach höheren Belastung mit Schwermetallen geführt. Bei solchen Werten bestehe „noch kein Grund zur Panik“, sagte der Arge-Leiter Heinrich Reinke in Hamburg. Allein die Menge an Quecksilber, die mit dem Hochwasser zusätzlich in die Nordsee gelangt, entspreche in etwa einer sonstigen Jahresmenge. Letztlich müsse die Nordsee die höhere Schadstoffmenge verkraften.

Hohe Verdünnung aber keine Entwarnung

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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte davor, die Verschmutzung des Elbwassers zu unterschätzen. „Wegen der ungeheuren Wassermengen haben wir zwar einen hohen Verdünnungsfaktor, das sollte aber nicht überschätzt werden“, sagte Andreas Bernstorff von Greenpeace.

Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Umweltministers Klaus Müller (Grüne) könnte „theoretisch“ durch das Hochwasser und die mitgeschwemmte Flut „ein Cocktail aus Dioxinen, organischen Chlorverbindungen, Haloäther, Schwermetallen und anderen Schadstoffen“ entstehen. Zugleich müsse mit einem erheblichen Nährstoffeintrag gerechnet werden, der das Ökosystem der Flüsse aus dem Gleichgewicht bringe. „Wir haben zur Zeit keine gesicherten Erkenntnisse“, sagte Müller.

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Am Stauwehr Geesthacht bei Hamburg werden seit Montag täglich Wasserproben entnommen und auf Schadstoffe untersucht. Bei Messungen in der Elbe und an Sandsäcken in Brandenburg wurde nach Angaben der Behörden keine Überschreitung von Grenzwerten für Giftstoffe festgestellt.

„Elbe hat enormes Selbstreinigungspotential“

Nach Ansicht des Berliner Umweltbiologen Rudolf Achazi wird das Ökosystem Elbe durch das Hochwasser langfristig keinen Schaden nehmen. „Auch wenn Gifte in den Fluss gelangt sind, ist die Wassermenge so hoch, dass sich das nicht negativ auswirken wird“, sagte der Biologieprofessor.

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Der Umweltverband Bund schätzt, dass sich die Elbe innerhalb eines Jahres von den Schäden erholt haben wird. Die Flut habe zwar Giftstoffe in den Fluss und die Auen gespült, die Umweltschäden seien aber vergleichsweise begrenzt, sagte der Bund-Elbeexperte Ernst-Paul Dörfler. Die Elbe habe ein „enormes Selbstreinigungspotenzial“.

Sauerstoffgehalt gesunken

Mehr Sorge macht den Experten der sinkende Sauerstoffgehalt. Nach ersten Schnellanalysen des Bundesumweltministeriums ist der Gehalt nach dem Ausfall zahlreicher Kläranlagen massiv gesunken. Nach Angaben der Wassergütestelle der Arge Elbe sank der Sauerstoffgehalt bei Schnackenburg (Niedersachsen) auf drei Milligramm pro Liter, das ist weniger als die Hälfte des normalen Wertes.

Im Brandenburger Elbegebiet droht nach Einschätzung des Landesumweltamtes ein Fischsterben, weil der Sauerstoffgehalt auf einen kritischen Wert gesunken sei. Dadurch seien vor allem Lachsarten gefährdet, erklärte der Biologe Rainer Bock vom Landesumweltamt. Die Fische flüchteten elbabwärts und könnten bis in den Hamburger Hafen gelangen.

Quelle: dpa
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