Irland stimmt über Homo-Ehe ab

„Ich bin voller Vorfreude“

19.05.2015
, 07:50
Am Freitag könnte Irland als erstes Land der Welt die Homo-Ehe per Volksentscheid einführen.
Die Iren entscheiden am Freitag in einem Referendum, ob sie die Homo-Ehe einführen wollen. Alle Umfragen sprechen dafür, dass sie das tun. Es gibt aber auch Kritik - nicht nur von der katholischen Kirche.
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Über die Iren gibt es viele Klischees: Sie trinken gern, sie feiern gern, sie singen gern. Und sie sind erzkatholisch. In dem kleinen Land im Nordwesten Europas waren Abtreibungen bis zum Jahr 2013 verboten, Homosexualität war bis 1993 noch eine Straftat. Doch inzwischen sind ausgerechnet die Iren liberaler als viele anderer Länder Europas, wenn es um die Rechte für Lesben und Schwule geht.

An diesem Freitag stimmen die Iren ab in einem Volksentscheid, ob sie die Homo-Ehe einführen wollen, also die volle rechtliche Gleichberechtigung homosexueller Paare. Irland würde so mit dem großen Nachbarn Großbritannien gleichziehen. Und es wäre das erste Land auf der ganze Welt, das die Homo-Ehe per Referendum einführte.

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Wahrscheinlich kommt es so. Denn alle Umfragen sagen voraus, dass die Iren mehrheitlich dafür stimmen werden. „Ich bin voller Vorfreude“, sagt etwa Moninne Griffith, Chefin der Organisation Marriage Equality, die sich für ein Ja in dem Referendum einsetzt. Seit Wochen geht sie von Tür zu Tür und versucht, ihre Landsleute zu überzeugen. „Ich bin sehr herzlich behandelt worden“, betont sie. „Ich habe großen Respekt vor denen, die mit Nein stimmen, aber viele, mit denen ich gesprochen habe, haben ihre Meinung geändert.“

Nicht alle Homosexuellen sind dafür

Die gesellschaftliche Unterstützung für die Rechte Homosexueller in Irland hat in den vergangenen 20 Jahren enorm zugenommen. Bereits seit dem Jahr 2011 ist eine eingetragene Lebenspartnerschaft für Schwule und Lesben möglich. Sie garantiert schon jetzt praktisch die rechtliche Gleichbehandlung, etwa beim Erbrecht oder beim Thema Steuern. Die Homo-Ehe hat somit vor allem eine symbolische Bedeutung.

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Für Schwule und Lesben ist Irland einen deutlichen Schritt weiter als etwa Deutschland gegangen. Justizminister Heiko Maas (SPD) räumte erst kürzlich ein, dass in der Koalition mit der Union ein Homo-Ehe „schwer realisierbar“ sei.

Zu dem Sinneswandel unter den knapp fünf Millionen Iren mag auch beigetragen haben, dass die katholische Kirche ihre dominierende Rolle und viel Vertrauen verloren hat. Zahlreiche Berichte zeugten davon, wie katholische Geistliche, Nonnen und Angestellte mit brutaler Gewalt in Jugend- und Kinderheimen gehaust hatten. In vielen Fällen wurden auch kleine Jungen vergewaltigt.

Die Kirche selbst ändert aber ihre Haltung noch nicht. „Werden wir wirklich die erste Generation in der Menschheitsgeschichte sein, die sagt, dass Mütter und Väter bei der Erziehung von Kindern keine Rolle spielen“, fragt Erzbischof Michael Neary, einer der einflussreichsten Geistlichen in Irland.

Übrigens ist die schwule Gemeinde in Irland in sich nicht ganz geschlossen hinsichtlich der Vorzüge einer Homo-Ehe. Paddy Manning etwa, langjähriger Aktivist für Schwulen-Rechte, hält die Ehe für ein Sakrileg. „Jedes gleichgeschlechtliche Paar mit Kindern bedeutet, dass mindestens ein Elternteil außerhalb der Familie lebt“, sagt er. „Das bedeutet, dass eine Gleichbehandlung entweder unmöglich ist, oder Kinder ihrer Rechte beraubt werden.“

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Manning dürfte in der Minderheit bleiben. Die Regierung des konservativen Premierministers Enda Kenny steht praktisch einhellig hinter der Homo-Ehe. Gesundheitsminister Leo Varadkar hatte sein Schwulsein im Januar sogar öffentlich gemacht. „Ich bin schwul. Es ist kein Geheimnis, aber vermutlich weiß es nicht jeder“, hatte Varadkar erklärt.

Um Homosexuellen die Ehe zu ermöglichen, wollen die Iren die Verfassung ändern. Premier Kenny ruft ausdrücklich dazu auf, wählen zu gehen. „Noch ist nichts in trockenen Tüchern“ warnt der Regierungschef. Am Samstag steht das Ergebnis der Abstimmung fest und wird verkündet.

Quelle: ala./dpa
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