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Weihnachten im Schuhkarton

Ihre erste Zahnbürste

Von Elena Rohde, Hana Scharwächter, Berlin, Droste-Hülshoff-Gymnasium
04.01.2022
, 16:59
Die Aktion Weihnachten im Schuhkarton verändert das Leben aller Beteiligten, der Beschenkten, aber auch der ehrenamtlichen Helfer. Und jedes Kind zählt.
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Ein einzelner Schuhkarton kann das Leben eines Kindes durch und durch verändern.“ Das hat Hanna Bohn durch ihre Arbeit bei dem Hilfswerk Samaritan’s Purse erfahren. Die Organisation hilft Menschen in Not und initiiert Entwicklungsprojekte in 16 Ländern. Unabhängig vom Staat helfen sie auf Basis von Spenden. Als barmherzige Samariter handeln sie konfessionsübergreifend aus Nächstenliebe und im Namen von Jesus. Sie leisten humanitäre sowie medizinische Hilfe und sind etwa in der Flutkatastrophe im Ahrtal vor Ort aktiv. Die vor 25 Jahren gegründete Geschenkkampagne Weihnachten im Schuhkarton ist eines ihrer bekanntesten Projekte. „Die Idee ist, dass ein weihnachtlich dekorierter Schuhkarton mit neuen Gegenständen für bedürftige Kinder in verschiedenen Altersgruppen gepackt wird“, erklärt Bohn, die als eine der 40 Angestellten des Vereins hinter den Kulissen mitwirkt. Sie befasst sich mit der Logistik  und der Koordination der Mitarbeiter.

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Beim Packen kann jeder mitmachen

Am eindrücklichsten finde sie, dass hinter jedem Geschenk ein Kind mit einer Geschichte stehe. Vor Kurzem hat sie eine ehemalige Empfängerin kennengelernt, die in Rumänien mit ihren Geschwistern Schuhkartons erhalten hatte. „Für sie war dieses Geschenk lebensverändernd. Ihre Geschichte aus ihrer Perspektive zu hören war für mich sehr ergreifend. Zum ersten Mal in ihrem Leben besaß das Mädchen eine unbenutzte Federmappe und eine eigene Zahnbürste, die sie nicht mit ihren Schwestern teilen musste.“ Als ihre Eltern aufgrund ihrer Arbeit das Land verlassen mussten, kümmerte sich die Gemeinde um sie, in der die Geschenke verteilt wurden. Das Glück, solch einen Schuhkarton zu erhalten, haben weltweit jedes Jahr rund zehn Millionen bedürftige Kinder. Wer ein Geschenk bekommt, wird von Ehrenamtlichen und ihren Kontakten in den lokalen Gemeinden und Verteilungsstellen beschlossen. Jährlich werden bis zu 500 000 Kartons gepackt, gesammelt und in die östlichen Länder Europas verschickt. Weitere Schwesterorganisationen aus anderen Ländern beteiligen sich ebenfalls an der Aktion, sie sind unter anderem für die Kontinente Afrika und Südamerika zuständig. „Jedes Kind zählt, somit zählt auch jeder Packer und jeder Schuhkarton“, sagt Hanna Bohn nachdrücklich. „Bei dem Packen der Kartons kann jeder mitmachen – egal, ob groß oder klein.“ Rebekka Krallmann geht in Berlin in die zwölfte Klasse. Als sie vor neun Jahren in der Grundschule mit ihrer Klasse gemeinsam Kartons packte, war sie von der Aktion begeistert. Zusammen mit ihrer Familie befüllt sie nun jedes Jahr mehrere Boxen. Das sei bei ihnen zu einer Tradition geworden und fester Bestandteil ihrer Vorweihnachtszeit. „Als ich mir ein Video über den Weg eines Päckchens angeschaut habe und die strahlenden Gesichter der Kinder gesehen habe, die zum ersten Mal in ihrem Leben ein Geschenk überreicht bekamen, hat mich das sehr bewegt und fast zu Tränen gerührt.“

Studentin Anita über den großen Moment

Neben den Päckchenpackern gibt es ein großes Netzwerk aus Menschen, die zur Befüllung der Kartons beitragen. „Wir haben Gruppen von Strick­omis, die das ganze Jahr über für die Kinder hochwertige Sachen stricken. Dann haben wir Menschen, die nähen, und wir bekommen Sachspenden von Unternehmen“, zählt Bohn  auf. Sie bewundert das Engagement der vielen älteren Menschen, für die diese Aktion ein Herzensprojekt ist, in das sie viel Kraft und Liebe investieren. Auch viele Unternehmen veranstalten Packpartys, was eine schöne Aktion unter Kollegen sei. 

Die Kartons werden an Sammelstellen abgegeben und in die „Weihnachtswerkstatt“ weitergeleitet. Von den rund 10 000 Ehrenamtlern in Deutschland, mit denen die Abholung organisiert wird, arbeiten dort etwa 3000. Sie durchsuchen die Kartons nach bestimmten Kriterien, ersetzen beschädigte Inhalte, überprüfen auf Vollständigkeit und machen sie versandfertig. Die Studentin Anita Sanetra hat dort mitgearbeitet. „Zu sehen, dass so viele freiwillige Helfer im letzten Jahr auch trotz der Corona-Pandemie in die Weihnachtswerkstatt gekommen sind, hat mich sehr berührt“, sagt sie strahlend. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, zu wissen, dass der Lkw, den man als Team mit Tausenden Kartons bepackt hat, direkt nach Bulgarien, Rumänien oder Weißrussland fährt. „Man hat das Gefühl, etwas Gutes zu tun und Nächstenliebe weiterzugeben. Das gibt einem auch selbst etwas.“

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Quelle: F.A.Z.
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