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Bundesbank-Bunker

Milliarden DM gebunkert

Von Sophie Hentschel, Megina-Gymnasium, Mayen
 - 17:26

Es sind 26 Milliarden DM, zunächst sorgfältig gelagert, um später geschreddert zu werden – beinahe unglaublich. „Unser Hauptanliegen ist es, unseren Gästen aus nah und fern einen Teil der deutschen Geschichte und Geldgeschichte im Bewusstsein zu halten“, formuliert Antonia Mentel ihr Anliegen. Schon seit der Öffnung des Bundesbank-Bunkers für die Öffentlichkeit im Jahre 2016 verfolgte sie interessiert die Geschichte des Bunkers, der sich in Cochem an der Mosel befindet, bis sie schließlich 2018 auch hauptberuflich dort tätig wurde und unter anderem mit Hilfe der sozialen Medien den Bekanntheitsgrad des Bunkers in der Öffentlichkeit zu erhöhen versucht. Die Bauarbeiten zur Bunkeranlage begannen im Jahr 1962. Im April 1966 war die Anlage fertiggestellt. Der Bunker wurde ausschließlich für die Lagerung eines Teils der knapp 26 Milliarden DM der Ersatzwährung BBk II verwendet, weshalb seine Existenz auch streng geheim gehalten werden sollte. „Je weniger Mitwisser, desto besser“, nennt Antonia Mentel als Grund dieser Geheimhaltung. Nur wenige, darunter vereinzelte Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank, wurden eingeweiht. „Über diverse Entscheidungen, die die Ersatzserie betrafen, wurden sie allerdings nicht informiert.“

Drei Angestellte machten Kontrollgänge

Über eine Treppe nach unten wird die kleine Besuchergruppe von Peter Peifer, einem der Führer durch die Bunkeranlage, in einen kleinen, kalten Zwischentresorraum geführt. Peifer war zuvor als Hausmeister in der Bunkeranlage tätig und hilft nun als Rentner aushilfsweise aus. Dort beginnt er mit einer ersten Darlegung geschichtlicher Hintergründe. Drei Angestellte vor Ort waren für die Kontrollgänge über das Außengeländes zuständig. Von diesen hatte jedoch keiner die Möglichkeit, selbst in den Tresor zu kommen. Diese Tresorkontrolle lag bei den Schlüsselführern aus Frankfurt, die in unregelmäßigen Abständen den Bestand kontrollierten. Nach dem „Sechs-Augen-Prinzip“ und der Dokumentierung dreier Unterschriften der Stammpersonen war ein möglicher Diebstahl innerhalb des Bunkers, wenn überhaupt, nur schwer möglich. „Zusätzlich waren die Tresorräume durch Schallsensoren gesichert, die die kleinsten Erschütterungen an der Mauer wahrnahmen und den Alarm auslösten“, erläutert Antonia Mentel. „Kameras gab es jedoch nicht“, ergänzt Peifer. Der Weg führt weiter durch kilometerlange, oval geformte Gänge. Deren aus Beton bestehende Wände weisen eine unterschiedliche Wandstärke von 20 Zentimeter bis zwei Meter auf. An deren Wänden verlaufen diverse Versorgungsleitungen zur Be- und Entlüftung, Abgaslüftung und Wasserversorgung. Entlang des Weges befinden sich mehrere Metalltüren, hinter denen sich die Schlaf- und Arbeitsräume der Mitarbeiter verbergen.

„In Bauplänen ist die Rede von etwa 35 Arbeitsplätzen, die im Obergeschoss des Hauptstollens eingerichtet werden sollten“, berichtet Antonia Mentel. In einem der Büros konnte durch den einzigen Anschluss Kontakt zur Hauptwarnstelle aufgenommen werden. Darunter befindet sich auch die Sprechanlage. Telefone, so wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Stattdessen stehen dort Drehtelefone. „Telefone mit Drehscheiben ist Neuland für die heutige Generation“, witzelt Peter Peifer und sorgt damit bei den Besuchern für ein Schmunzeln. Der Weg endet in einem Raum, in dem sich eine aus 111 Stufen bestehende Wendeltreppe befindet, die nach oben in den Kühlturm und somit auch in Richtung Oberfläche führt. Die unzureichende Abdichtung gegen eindringendes Wasser und die damalige mangelnde Pflege der Bunkeranlage führte über die Jahre zu Beschädigungen an der Elektronik.

Der Sandreiniger sorgte für Frischluft

Anschließend werden die Besucher in einen Raum geführt, der sich als Standort der zentralen Stromversorgung entpuppt. Beim Betreten des Raumes steigt ein leichter, aber wahrnehmbarer Dieselgeruch in die Nase. Zwei heute nicht mehr vorhandene Notstromaggregate sollten die Stromversorgung bei Netzausfall sicherstellen. Dabei war die gesamte Versorgung innerhalb des Bunkers für 14 Tage bemessen. Außerdem verfügte man über einen „Sandreiniger“, der die Frischluft garantierte. Automatische Brandmelder, wie sie heute verwendet werden, um auf einen überraschenden Brandfall zu reagieren, gab es damals nicht. „Im Inneren war lediglich der technische Bereich rund um die Generatoren vor einem Brand geschützt. Dies geschah durch eine Halonlöschanlage“, erklärt Mentel. „Die tiefste Stelle des Bunkers ist gleichzeitig die sicherste im ganzen Bunker“, verrät Peifer und deutet auf den meistgesicherten Raum der Anlage, den Haupttresorraum hin, der 30 Meter unter der Erde liegt. Geschützt durch eine acht Tonnen schwere, mit Beton gefüllte Stahltür, verbargen sich hier die fünfzehn Milliarden D-Mark. „Die restlichen 11 Milliarden DM, die nicht in Cochem gelagert werden konnten, wurden in Frankfurt im Tresor der Hauptkasse verwahrt“, erklärt Mentel.

Notfallwährung im Fall eines Atomkrieges

In diesem Zentrum der genannten Bunkeranlage befindet sich ein Gang, der links und rechts von hohen Gitterwänden begrenzt ist, die damals die 1000 übereinander gestapelten Kisten und Säcke voller Geld schützen sollten. Jedoch werden die damaligen D-Mark Scheine heute dort nicht mehr aufbewahrt. „Die Ersatzserie BBk II wurde Dezember 1988 bis Januar 1989 abtransportiert und komplett vernichtet“, klärt Antonia Mentel über den Verbleib des Geldes auf. Dieser Vernichtungsprozess wurde demnach in der Zeit des Mauerfalls durchgeführt. Gemäß den verschiedenen Quellen vermuten manche Experten, dass die zunehmenden Anforderungen an die Fälschungssicherheit einen Hauptgrund für die Vernichtung der Ersatzwährung darstellten. Diese Schredderung musste zudem so ausgeführt werden, dass es nicht mehr möglich war, die Teilchen wieder zu Scheinen zusammenzusetzen.

Die Ersatzwährung hätte im Falle eines Atomkrieges, Diebstahls oder von Naturkatastrophen zum Einsatz kommen sollen, um die vorhandene Währung DM als Notfallwährung ersetzen zu können. Dass dieser Fall nie eintrat, dafür kann man heute noch dankbar sein. So verlässt man die Anlage mit einem zwiespältigen Gefühl; erschreckt über das, was hätte eintreten können, und erleichtert darüber, dass es nie so weit gekommen ist.

Quelle: F.A.Z.
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