Dark Knights Münnerstadt

„Der Sport ist nicht brutal“

Von Anna Guhling, Johann-Philip-von-Schönborn-Gymnasium, Münnerstadt
29.05.2022
, 20:53
Wer denkt, Footballspieler müssen nur den Ball weit werfen oder schnell fangen, der irrt. Im Spiel gelten enge Regeln, erklärt Joe Seitz. Er trainiert die Dark Knights aus Münnerstadt.
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Im Oktober steht ein Sportereignis in Frankfurt am Main an: Der German Bowl, das Finale der „German Football League“. Der kleine deutsche Bruder des nordamerikanischen Super Bowls wird bereits seit Ende der 70er-Jahre ausgetragen und musste lediglich 2020 aufgrund der Pandemie ausbleiben. Dass die Sportart American Football aus den Vereinigten Staaten endgültig in Deutschland angekommen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass sich im Amateursport ebenfalls Footballmannschaften gebildet haben. Dies trifft unter anderem auch auf die Mannschaft des Turn- und Sportvereins Münnerstadt zu, einer Kleinstadt in Unterfranken, zu. Gegründet wurden die Dark Knights, wie sich die Footballer nennen, im Mai 2019, als eine Abteilung im TSV Münnerstadt 1863 e. V. Früher, in den 1990er-Jahren, gab es bereits ein Football-Team im Bad Kissinger Ortsteil Poppenroth, da lautete der Name noch Poppenroth Knights. Die Ritter-Bezeichnung nimmt Bezug auf die nahe gelegene Burgruine Botenlauben.

Zehn von Hundert wurden übernommen

„Derzeit sind wir ohne Trainer 30 Personen, und dann kommen noch mal fünf Personen für Abteilungsleitung und Trainerstab hinzu“, erzählt Joe Seitz, der Headcoach der Mannschaft. Ihn begleitet der Sport sein ganzes Leben. Als sein Interesse für American Football geweckt wurde, wohnte er in München. Damals hörte er von einem Probetraining bei den Munich Cowboys, das er absolvierte. So wurde er mit neun anderen aus hundert Anwärtern in die Mannschaft übernommen: „Da habe ich ganz oben in der ersten Liga das Footballspielen von Amerikanern gelernt“, er­innert Seitz sich. Er und Eric Sanders, ein US-Amerikaner, sind die Trainer, die die Spieler der Dark Knights sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff schulen. Unterstützung bekommen die beiden von zwei sogenannten Assistant Coaches, die gleichzeitig auch Spieler sind. Außerdem kommt bei Bedarf ein amerikanischer Trainer aus Schweinfurt, der der Mannschaft bei Trainingslagern seinen Dienst erweist. Fünf Coaches sind für eine Staffel im American Football alles andere als viel, wie Seitz weiß: „In einem Profiteam gibt es auch mal ganz leicht 30 Trainer, weil jede Position so individuell ist, dass es dafür auch eigene Trainingsmethoden gibt.“

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Jeder hat seine Aufgabe, sonst hat keiner eine Chance

Vincent Michel übernimmt bei den Dark Knights den Posten des Wide Receivers. Er ist dem Team im Winter 2020 beigetreten, nachdem ihn ein Freund dazu angeregt hatte. „Das funktioniert bei uns eigentlich hauptsächlich so, dass jeder Spieler so viel Spaß am Sport hat, dass er auch ein paar andere Kollegen mitnimmt“, erklärt Vincent, der selbst auch einen Freund und seinen Bruder mit ins Team geholt hat. Seine Größe von 1,92 Meter sind in der Position des Wide Receivers von Vorteil, denn dieser ist dafür zuständig, die Pässe zu empfangen: „Ich fange den Ball und versuche dann, damit so weit wie möglich zu laufen und so viele Yards wie möglich zu holen.“

Yard ist eine in Großbritannien und den Vereinigten Staaten übliche Längeneinheit, von denen einer umgerechnet gut 90 Zentimeter ist. Ein American Football-Feld ist 100 Yards lang. Wenn sich zwei Mannschaften mit je elf Spielern bei einem Match gegenüberstehen, befindet sich je eine in der Defence, der Verteidigungsposition, und eine in der Offense, der Angriffsposition. Spieler, die sich im Angriff befinden, versuchen den Ball dann so schnell wie möglich in die gegnerische Endzone zu bringen. Sie haben je vier Versuche, zehn Yards mit ihm zu durchqueren, wobei sie natürlich durch ihre Gegner in der Defence behindert werden. Am Ende wartet ein Touchdown, was einem Tor entspricht und für den der Ball die kennzeichnende Linie überschreiten oder zumindest berühren muss. Dabei ist Teamarbeit gefragt: „Wenn jemand denkt, ein Footballspieler muss nur den Ball weit werfen können, er muss schnell sein, er muss fangen können, dann ist das falsch. Er muss zum richtigen Zeitpunkt genau an dem Ort sein, den ich ihm sage. Ich gebe ihm ganz enge Regeln vor, wo er bei welchem Spielzug sein muss, und alleine geht es sowieso nicht“, meint Seitz. „Dieses Rasenschach ist sehr faszinierend, dass jeder seine Aufgabe erfüllen muss, denn sonst hat keiner eine Chance“, sagt auch Vincent. Seinen ersten Touchdown erzielte er beim diesjährigen Benefizbowl in Bamberg, bei dem sich Mannschaften der Aufbauliga versammelt hatten.

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Ein weiteres Spiel, das in Erinnerung geblieben ist, fand bereits vor ein paar Jahren statt: „Wir waren in Bamberg bei einem Spiel, haben dort fast vier Stunden gespielt. Danach sind wir mit dem Bus zurückgefahren und dann kam ein Anruf vom Verband“, erzählt Seitz. Da wurde ihm dann mitgeteilt, dass einige jugend­liche Footballer aus Amerika eine Mannschaft brauchen, gegen die sie heute spielen können, da der geplante Gegner ausfiel. So standen dann wenige Zeit später die Poppenroth Knights dem Team gegenüber, das eine Deutschlandtour machte, um den deutschen American Football kennenzulernen. „Wir waren schon fix und fertig und haben vom Verband ge­hört, dass die Gegner Kinder seien. Ok, dann machen wir das halt. Dann kam der Bus mit den Amerikanern und von den 14- bis 15-jährigen Spielern war keiner kleiner als 1,90 Meter. Die haben alle ausgeschaut wie Erwachsene. Schon beim Ankick haben wir gemerkt: Wir haben ge­gen die keine Chance. Die haben das von Kindesbeinen gelernt, haben es quasi im Blut“, erinnert Seitz sich schmunzelnd. Deswegen brachen sie das Spiel nach kurzer Zeit ab und hielten stattdessen zusammen eine Trainingseinheit ab, bei der die deutschen Spieler auch einiges von ihren amerikanischen Sportkollegen, mit deren Trainern Seitz bis heute noch Kontakt hat, lernen konnten.

„Die fairste Sportart der Welt“

Auch außerhalb des Spielfelds sind die Partien, die samstags stattfinden, immer ein großes Ereignis: Viele Zuschauer, Freunde wie Unbekannte, sorgen für eine besondere Stimmung. Außerdem gibt es natürlich Essen und Trinken, und sogar ein kleiner Fanshop wird aufgebaut. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu verletzen sei entgegen der allgemeinen Vorstellung von der rauen Sportart recht gering. „Der Sport ist gar nicht so brutal, weil du so viel Schutzausrüstung anhast und auch weißt, wie du fallen musst, wenn du ge­tackelt wirst“, meint Vincent. „American Football ist die fairste Sportart der Welt“, pflichtet ihm sein Trainer bei, was er damit begründet, dass durchgehend und bei je­dem Spiel vier Schiedsrichter anwesend sind, die bei Fouls abpfeifen. Auch die Schutzkleidung wird vor jedem Spiel genau geprüft, um sicher zu gehen, dass jeder vor groben Verletzungen abgesichert ist. Diese Ausrüstung kostet mindestens 350 Euro.

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Auch eine Damenmannschaft zu bilden, ist für die „Dark Knights“ erstrebenswert. „Das ist schon ein Ziel. Das Problem ist nur, Damenfootball gibt es nur in der German Football League.“ Das würde Spiele in Großstädten mit langer, kostspieliger An­fahrt bedeuten, für die bisher noch nicht gesorgt werden kann. Momentan trainiert eine 19-Jährige mit den Jungs. Bei einem Spiel antreten kann sie jedoch nicht, da ab 16 Jahren keine gemischten Mannschaften mehr zugelassen sind.

Quelle: F.A.Z.
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