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Dart

Es geht um Millimeter

Von David Merz, Eckener-Gymnasium, Berlin
 - 15:30

Laute Musik erfüllt die Mercedes-Benz-Arena. Mehr als 12 000 Fans, viele in bunten Kostümen, singen, tanzen oder genießen einfach nur die Show in Berlin. Hüte fliegen durch die Luft, La-Ola-Wellen gehen durchs Publikum. Mittelpunkt des Geschehens ist eine kleine Bühne, die fast schon in der ausverkauften Halle untergeht. Alles dreht sich um zwei Personen, die mit Pfeilen auf eine runde Scheibe werfen. Im Februar vor einem Jahr fand die Premier League, die Liga der zehn besten Dart-Spieler der Welt, in Berlin statt. Henry Binder und Daniel Breetz waren an dem Abend in der Arena. Heute trainieren sie selbst. Die beiden Dart-Experten spielen im Verein „Dart-Palast“ in Berlin-Wittenau. „Das Schöne ist, dass man auch mal zu Hause für sich trainieren kann. Man braucht nur ein Dart-Board und die Pfeile“, sagt Binder, der neben seinem Kumpel und Mannschaftskollegen Breetz auf einer Bank in der Mitte des fensterlosen Vereinsraumes sitzt. Beide tragen ein Darthemd, schwarze Hosen und Anzugsschuhe, eine klassische Kleidung für das Spiel. An den Wänden sind aneinandergereiht Dart-Scheiben und -Automaten, die leise piepen. Die Zielscheiben werden durch kleine Lampen hell beleuchtet.

Was sogar die Profis verzweifeln lässt

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Zwei Spieler versuchen durch das Werfen von Pfeilen auf eine runde Zielscheibe möglichst viele Punkte zu ergattern. Diese Punkte werden von 501 abgezogen, wer zuerst genau null erreicht, gewinnt. Die Zielscheibe ist in 20 große Felder eingeteilt, die eins bis 20 Punkte bedeuten. Jedes dieser Felder wird jeweils durch ein Doppelfeld am äußeren Rand und ein Dreifachfeld unterteilt, die mehr Punkte geben, aber viel kleiner und schwerer zu treffen sind. Es geht also um Genauigkeit, ein paar Millimeter können zwischen einem und 60 Punkten entscheiden. Um ein Spiel zu gewinnen, muss man allerdings durch den Wurf auf ein Doppelfeld die Null erreichen, das bringt häufig sogar die Profis zur Verzweiflung.

„Beim Dart kommt es auf die Konzentration an. Wenn du einige Zeit spielst, wirfst du nicht mehr die Pfeile, die du werfen willst.“ Daniel Breetz spielt seit acht Monaten und hat mit dem Sport seine Leidenschaft gefunden. Konzentriert setzt der 29-jährige Soldat zum Wurf an und befördert den Pfeil in das kleine „Dreifach-Zwanzig-Feld“ – das gibt die höchstmöglichen Punkte. Die nächsten beiden Pfeile verfehlen knapp das Ziel und sorgen für kurzzeitige Enttäuschung. Er zieht mit einem schnellen Griff die Pfeile aus der Scheibe und wirft erneut. „Das ist viel Übung“, sagt Breetz. „Ein Profi ist drei bis sechs Stunden am Board täglich.“ Für die besten Darter der Welt lohnt sich das Training allemal. Die zehn Top-Spieler sind Millionäre, bei den Turnieren wird um große Preisgelder gespielt. Dazu kommen Werbeverträge und Sponsoren. Phil Taylor, der erfolgreichste Dart-Spieler in der Geschichte, besitzt ein geschätztes Vermögen von 10 Millionen Pfund. Mit Dart lässt sich mittlerweile als Profi durchaus Geld verdienen, reich werden nur die allerbesten.

„Wenn man es professionell macht, ist Dart ein richtiger Sport. Früher hatte es das Image Kneipensport, aber aus der Nische kommt es langsam raus.“ Der 56-jährige Henry Binder hat die Anfänge des Spiels in Deutschland miterlebt. Diese Erfahrung ist dem Sicherheitsingenieur beim Werfen der Pfeile anzusehen. Sein Körper steht ruhig, einzig der Wurfarm fährt aus und der Pfeil fliegt in Richtung Zielscheibe.

Durch das englische und amerikanische Militär

Ursprünglich kommt Dart aus England und wurde durch das englische und amerikanische Militär Ende der siebziger Jahre in Deutschland eingeführt. Die Soldaten spielten in Kneipen, Vereine entstanden. 1980 fanden die ersten deutschen Meisterschaften statt und ein Jahr später wurde dann der Deutsche Dart-Verband gegründet. Anfang der 2000er wurde das E-Dart populär. Bei dieser Art des Spiels zählen die Automaten die Punkte selbst, und es wird mit leichteren Pfeilen mit Kunststoffspitze geworfen.

Der große Erfolg kam durch das Fernsehen. Die Dart-Weltmeisterschaft schauten in Deutschland am 1. Januar 2018 fast zwei Millionen. Der Dart-Palast verzeichnet stetig wachsende Mitglieder- und Besucherzahlen. „Einmal im Monat wird bei uns ein Vereinsturnier gespielt. Früher waren da durchschnittlich so 30 Leute, seit der Dart-Weltmeisterschaft und der Promi-Dart-WM im TV gab es nie unter 60 Teilnehmer“, sagt Breetz. Dann wird weiter trainiert. Kurz werfen Breetz und Binder sich ein, dann geht die Partie mit einem freundschaftlichen Handschlag los. Was bei der Premier League im Großen zu erleben war, wiederholt sich hier im Kleinen: Ärger und Freude, Enttäuschung und Triumph liegen manchmal nur einen Millimeter auseinander.

Quelle: F.A.Z.
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