Eishockey-Profis

Hart, aber fair, risikoreich und rasant

Von Esra Thalia Fuchs Gymnasium am Römerkastell, Alzey
Aktualisiert am 09.12.2019
 - 12:29
Wenn der Adler-Schrei ertönt: Gespräch mit zwei jungen Eishockey-Profis. Nicht nur in Mannheim geht es heiß her und hart zur Sache.

Die ausverkaufte SAP-Arena bebt, wenn der Adler-Schrei ertönt und die Spieler der Adler Mannheim auf die Eisfläche stürmen. Nach kurzem Warmlaufen stellt sich die Starting Six auf, darunter Moritz Seider, ein vielversprechendes Talent, auf der Position des Verteidigers. Das Spiel beginnt. Die Zuschauer folgen gespannt dem Puck, der von Spieler zu Spieler flitzt. Der Spieler mit der Rückennummer 44, Dennis Endras, hält den Puck und verhindert das gegnerische Tor. Die Menge jubelt, und als das erste Tor für die Adler fällt, stimmt die Fankurve zum ersten Fangesang ein. Eishockey ist ein rasantes und risikoreiches Spiel. Die Profis verteilen harte Bodychecks und schießen den Puck mit bis zu 175 Kilometern in der Stunde über das Eis. Die meisten Spieler der Adler Mannheim sind erwachsen, deshalb sticht Moritz Seider noch mehr aus dem Team heraus. Er ist im April 18 Jahre alt geworden und einer der jüngsten Profispieler in der Deutschen Eishockey-Liga. Geboren wurde Seider 2001 in Zell, zog jedoch im frühen Alter nach Erfurt um. Dort ging er bereits mit der Kindergartengruppe auf die Eisbahn, um das Schlittschuhlaufen zu erlernen. Ihn ergriff das Eishockey-Fieber.

Umzug in eine fremde Stadt

Jahrelang übte Moritz Seider seine Hockeykünste in Erfurt, bis er dann vor vier Jahren die Anfrage der Jungadler Mannheim annahm. Eine schwere Entscheidung, da ein Wechsel einen Umzug in eine fremde Stadt bedeutete. Nach langem Überlegen zog er mit seiner Familie nach Mannheim, was für ihn der Durchbruch war. Moritz Seider spielt seit seinem 16. Lebensjahr für die Adler Mannheim, damals noch die Jungadler, seit 2017 in der Profiliga. Den Aufstieg hat er sich hart erarbeitet, obwohl ein wenig Glück natürlich auch dazugehört. Die Profiliga war eine Umstellung für ihn, da sie viel intensiver und härter trainiert. „Es sind auch manche Spieler dabei, die 110, 115 Kilo wiegen, und die dann weg zu drücken ist natürlich auch schon mal eine andere Hausnummer, als gegen Gleichaltrige zu spielen“, sagt Moritz Seider und betont: „Der Respekt zwischen den Teams ist jedoch immer da. Man will selbstverständlich keinen verletzen, aber auch so hart wie es geht spielen, um es den Gegnern einfach schwerzumachen. Da muss man aber immer fair bleiben.“ Neben dem Training besucht Moritz Seider zurzeit ein Gymnasium in Mannheim. Wie vereint er Schule und Sport? Die Adler trainieren jeden Vormittag, da bleibt keine Zeit für Schule. Moritz Seider musste in Koblenz beim Kultusministerium vorsprechen, das ihm eine Sonderregelung erlaubte. Neben Einzelunterricht mit den Lehrern besucht er nachmittags die Schule. Für Klausuren versucht Moritz Seider natürlich anwesend zu sein, lässt sein Zeitplan dies jedoch nicht zu, so werden außerschulische Termine mit den Lehrern vereinbart. Ihm ist es wichtig, sich mit dem Abitur alle Möglichkeiten für die Zukunft offenzuhalten, weswegen ihm die Unterstützung durch die Schule auch viel bedeutet. Man könne ja nicht für immer Sportler bleiben.

Das Partyleben lockt, aber der Sport ist ihm wichtiger

Das Team verbringt seine Freizeit meist zusammen. Wie andere auch gehen die Spieler zusammen ins Kino, ins Café oder grillen mit Familie und Teammitgliedern. Für Moritz Seider ist das schon ganz normal. Das übliche Partyleben lockt ihn natürlich schon, aber der Sport ist ihm wichtiger. Er verbringt viel Zeit mit seinen Kameraden. Der Sportler denkt jedoch auch an seine Freunde in der Heimat Erfurt. Es bedeutet ihm viel, weiterhin in Kontakt mit ihnen zu bleiben. „Man sollte nie vergessen, wo man herkommt, und die Kontakte weiterhin pflegen.“ Moritz Seider gilt als großes Talent; neben seinem Vertrag bei den Adlern Mannheim spielt er auch für die Nationalmannschaft. Es ist jedes Mal eine große Ehre für ihn, wenn er das Nationaltrikot anziehen und für Deutschland im Nordbereich auflaufen darf. Es gibt noch ein paar Baustellen, an denen er arbeiten muss oder wo er sein Spiel noch verbessern muss. Sein großer Wunsch hat sich inzwischen erfüllt. Er wollte einmal in Nordamerika spielen, am liebsten in der National Hockey League, der NHL. Das ist Seider gelungen, seit Juli trainiert er in den Vereinigten Staaten.

Auch für Dennis Endras, gebürtiger Immenstädter, ist dieser Traum bereits in Erfüllung gegangen. Er hatte einen Zwei-Wege-Vertrag bei den Minnesota Wilds, ein Team der NHL. Gespielt hat er jedoch bei den Houston Aeros, das Farmteam der Wilds. Somit hat er in Nordamerika in der American Hockey League gespielt. Diese Liga besteht im Gegensatz zu der NHL aus weniger und hauptsächlich US-amerikanischen Teams. Als Torwart hat er die anspruchsvollste Rolle. Im Gegensatz zu den anderen Spielern, die regelmäßig ausgewechselt werden und alle im Laufe des Spiels drankommen, wird er nur ausgewechselt, wenn er sich verletzt. Dennis Endras ist immer voll fokussiert auf das Spiel und auf den Puck. Zum Eishockey kam er durch seine Familie, die selbst auch aus vielen Hockeyspielern besteht.

Knochenbrüche und ausgeschlagene Zähne trotz Schutzmaßnahmen

Es ist ein gefährlicher Sport, der die nötige Schutzausrüstung vorschreibt. Besonders die „großen Kissen“, die Pads an den Beinen des Torwarts, sowie der Helm, den ihn an eine Superheldenmaske erinnerte, faszinierten der jungen Dennis Endras und er fasste den Entschluss, Goalie zu werden. Trotz der Schutzmaßnahmen können Knochenbrüche oder ausgeschlagene Zähne nicht komplett vermieden werden. Auch Dennis Endras hatte sich wenige Wochen vor den Playoffs eine recht schwere Verletzung zugezogen und fiel für sechs Wochen aus. „Nach so einer Verletzung ist es immer extrem schwer, sich wieder ranzuarbeiten. Es ist ein sehr langer Prozess, wenn man sieht, dass seine Mannschaft dabei ist und Spaß hat und wir, die Verletzten, machen dann oftmals Aquajogging oder andere Sachen, die eigentlich keinen Spaß machen. Es ist auch wirklich schwer, mental dranzubleiben und jeden Tag weiterzuarbeiten. Es sind ja ganz kleine Schritte, die dazu führen, dass wir wieder auf das Eis gehen dürfen, und wenn man dann wieder dabei ist, braucht man natürlich auch wieder so eins, zwei Spiele, bis man wieder ein wenig reingekommen ist.“

Bereits in der Saison 2014/2015 gewann Dennis Endras zusammen mit den Adlern Mannheim den DEL-Titel. Diese Saison haben Moritz Seider und Dennis Endras wieder die Chance auf den Sieg. Trotz des enormen Drucks, den beide gespürt haben, haben sie als Team eine Glanzleistung abgeliefert. Vergangenes Jahr schieden die Adler im Halbfinale der Playoffs gegen den EHC München aus, was das Verlangen nach Erfolg in diesem Jahr nur größer machte. „Wir als Adler Mannheim haben natürlich den Anspruch, unser Spiel dem Gegner aufzuzwingen, weil wir einfach eine sehr gute Mannschaft haben, und der Gegner muss sich dementsprechend mehr auf uns einstellen, als wir auf ihn. Aber es ist selbstverständlich immer hilfreich, wenn man ein paar Details und Kleinigkeiten vom Gegner weiß“, sagt Endras. Für Moritz Seider waren es die ersten Playoffs. Trotz des enormen Drucks haben die Adler das Finale gegen Red Bull München gemeistert. Mit 4:1 setzten sich die Adler in der Best-of-Seven-Serie durch und holten den achten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Quelle: F.A.Z.
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