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Eiskunstlauf

Hinfallen, aufstehen, weiterfahren

Von Bianca Brönnimann, Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon
 - 17:31

Ich habe meine Routine, die mich an Wettkämpfen beruhigt, dafür brauche ich kein Stofftier. Die Trinkflasche immer am richtigen Ort zu haben entspannt mich genug“, sagt Julia von Büren im Bus. Es ist kurz nach 19 Uhr, als die Stimme die Haltestelle „Eishalle“ ansagt. Die rot-weißen Buchstaben auf der hölzernen Fassade der Eishalle von Winterthur leuchten im Abendlicht. Die Eingangstüre öffnet sich automatisch. Es ist kalt. Man hört die Kufen über das Eis gleiten. Seit zwei Jahren ist Julia beim Winterthurer Schlittschuhclub. Schon als Fünfjährige hat sie sich entschieden eiszulaufen. Seitdem steht die 17-Jährige fast täglich auf dem Eisfeld. Das kommt nicht von ungefähr. Ihre Mutter und ihre Tante standen früher selbst auf dem Eis, ihre Patentante ist ehemalige Choreographin der Schweizer Spitzen-Eiskunstläufer Stéphane Lambiel und Sarah Meier. Ob auch Julia dieses Ziel verfolgen wird, wisse sie noch nicht, meint sie, während sie ihre Schuhe bindet. Gekleidet ist sie wie die meisten, ganz in Schwarz: enganliegende Hosen, Fleecejacke und Handschuhe.

„No excuses“ lautet ihr Motto

Es ist 19.22 Uhr, als Ursula von Büren, Julias Mutter, das rote Bandentürchen öffnet und vom Eis gleitet. Hinter ihr vier Mädchen, die sie soeben trainiert hat. Alle Trainer verlassen das Feld mit ihren Grüppchen, als die Eismaschine knirschend beginnt, das Eis zu putzen. Während Julia ihre braunen Haare zu einem strengen Dutt bindet, erzählt sie vom harten Alltag einer Spitzensportlerin. Man müsse viel Zeit investieren und trotz Verletzungen immer weiter trainieren. Ihr Motto sei „No excuses“, was sich im Erfolg der Zürcherin widerspiegelt. „Letztes Jahr schaffte ich es ins Junioren-Nationalkader A, worauf ich schon lange hingearbeitet habe.“ Dann dreht sie ihre Runden – vorwärtslaufen, rückwärtslaufen und einige Wellen. Auch die sechs Trainer gleiten aufs Feld und besprechen mit ihren zwölf Läufern das Abendtraining. Früher wurde Julia von ihrer Mutter trainiert. Heute hat sie einen Trainer. „Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist halt nicht immer einfach“, meint sie verschmitzt. Neben den wöchentlichen 16 Stunden Training sowie 10 Stunden, die mit Athletik, Krafttraining und Ballett besetzt sind, besucht Julia das Privatgymnasium Akad in Zürich Oerlikon. Die Schule ist flexibel. „Klar muss ich meine Leistungen erbringen, aber ich kann mir durch das Selbststudium immer einteilen, wann ich was machen will.“ Von Dienstag bis Freitag hat sie nur morgens Schule. Meist lernt sie in den Trainingspausen in der Eishalle.

Von der Schule verspürt sie keinen Druck

Nun bekommt jeder Läufer individuelle Anweisungen. Die Atmosphäre ist konzentriert. Jeder weiß, was er zu tun hat. Im Hintergrund spielt klassische Musik, von der Tribüne tönen die Stimmen zweier Mütter, die sich auf Chinesisch unterhalten. Von ihrer Schule verspürt Julia keinen Druck. Früher, an der öffentlichen Kunst- und Sport-Sekundarschule musste sie ihre Wettkampfresultate regelmäßig mitteilen, was Druck erzeugte. Grundvoraussetzung für öffentliche Sportschulen sind Talentcards, die man bekommt, wenn man die Tests erfolgreich meistert. „Alle öffentlichen Sportschulen bewerten neben der schulischen auch die sportliche Leistung. Nur wer in beidem Spitzenergebnisse bringt, riskiert keinen Rausschmiss.“ Ihrem Trainer sei aber in erster Linie wichtig, dass sie sich und ihrem Fahrstil treu bleibt, sich aber stetig verbessert. Weder von den Eltern noch vom Trainer verspüre sie Druck. „Mir geht es eher um meine persönliche Verbesserung“, sagt sie gelassen. So positiv ist das jüngste von drei Kindern auch privat. Julia backt und kocht gerne und geht mit ihrer Hündin spazieren.

Erschöpfung und Schmerzen sieht man ihnen nicht an

Auf dem Eisfeld versucht sie gerade, den Sprung erneut zu stehen, fällt aber hin. Sich ans Knie fassend, fährt sie zur Bande und bespricht sich mit ihrem Trainer. Es ist 20.31 Uhr, die letzten Pirouetten werden gedreht und Sprünge gesprungen, die Musik wird ausgeschaltet. Julia ist als Einzige noch auf dem Eis und will den dreifachen Lutz unbedingt nochmals versuchen – sie steht ihn. Als die Eismaschine knarrend herbeifährt, holt sie ihr Notizbuch und fährt vom Eis. „Eigentlich wollte ich heute gar nicht trainieren, da ich Rückenschmerzen habe. Doch wie gesagt: No excuses!“ Ihr Motto scheint auch für die anderen zu gelten – sie fallen hin, stehen auf und machen weiter. Erschöpfung, Müdigkeit, geschweige denn Schmerzen sind ihnen nicht anzumerken. Obwohl Julia an einer Knochenhautentzündung am linken Fuß litt, hat sie viel trainiert. „Früher hatte ich Mühe, wenn Bekannte an meine Wettkämpfe kamen. Ich wollte sie nicht enttäuschen.“ Heute fährt sie für sich selbst. Wenn sie hinfällt, steht sie wieder auf, so sei doch das ganze Leben.

Quelle: F.A.Z.
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