<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Kölner Dombauhütte

Bis zu den Zähnen der Wasserspeier hoch auf den Baldachinen

Von Clemens Engelhardt, Megina-Gymnasium, Mayen
 - 16:59

Bis 2030, 2040, höchstens 2050 – so weit reichen derzeitige Prognosen, etwa was den Klimawandel anbetrifft. Wer aber kann schon bis ins Jahr 2078 planen? Dies macht die Dombauhütte in Köln mit ihren künftigen Baustellen. Das Strebewerk an der Südseite des Doms wird bis dahin Stück für Stück erneuert, da es eine wichtige statische Funktion hat. Wenigstens so lange bleibt der Untergang der Welt aus, wie ein Kölner Sprichwort zu berichten weiß: „Wenn der Kölner Dom fertig wird, geht die Welt unter.“ Auch nach 2078 besteht kein Grund zur Sorge, denn der Dom wird immer eine Baustelle bleiben, da der Zahn der Zeit dem Gebäude durch Luftverschmutzung und Regenwasser stetig zusetzt. Gegen diesen permanenten Verfall kämpft die Dombauhütte an, die aus zwölf verschiedenen Handwerkergruppen besteht, darunter Schreiner, Steinmetze, Gerüstbauer, Glaser, aber auch Elektriker. Dabei wird an mindestens zehn verschiedenen Baustellen gleichzeitig gearbeitet.

Die Flex mischt sich ins Orgelspiel

Trotzdem müssen die Planungen immer wieder abgeändert und an aktuelle Entwicklungen angepasst werden, wenn beispielsweise plötzlich gefährliche Risse oder lose Steine entdeckt werden. Auch jetzt noch gibt es viele kleine Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, die erst in vielen Jahren, wenn an den entsprechenden Stellen größere Arbeiten anstehen, behoben werden können. Die Dombauhütte befindet sich direkt neben dem Dom. Die meisten der Werkstätten liegen unterhalb des Straßenniveaus, um einen Innenhof zentriert. Dort glüht der Schmiedeofen, Gipsabdrücke von Figuren werden angefertigt, ein Fenster wird mit Fingerspitzengefühl wieder zusammengesetzt, Steine werden bearbeitet, wobei sich das Geräusch einer Flex mit dem Orgelspiel, das aus dem Dom herüberdringt, vermischt. Neben den Werkstätten befindet sich das Büro von Uwe Schäfer, dem Hüttenmeister. Seine Aufgabe ist es, die Baustellen zu planen und sicherzustellen, dass die Handwerkergruppen richtig zusammenarbeiten: „Das ist, wie einen mittelständischen Betrieb zu managen.“ Neben den Handwerkern gibt es Archäologen, Wissenschaftler, eine Pressestelle und eine Verwaltung. Die Leitung der Dombauhütte obliegt dem Dombaumeister, Schäfers Vorgesetztem.

Als der Flügel der Engelsfigur abfiel

Gegründet wurde die Dombauhütte bereits 1248, als der Bau des gotischen Doms begann. Während der Baupausen am Dom wurde die Anzahl der Mitarbeiter teilweise stark reduziert. Unter französischer Besetzung wurde die Dombauhütte 1774 sogar komplett aufgelöst und erst 30 Jahre später wiederbegründet. Auch nach der Domvollendung 1880 wurde die Dombauhütte personell stark reduziert, doch ein Zwischenfall im Jahr 1906, als der Flügel einer Engelsfigur abfiel und nur ein aufgespannter Regenschirm verhinderte, dass jemand verletzt wurde, zeigte auf, wie wichtig die Dombauhütte ist. Heute beschäftigt sie rund 100 Mitarbeiter und hat ein Jahresbudget zwischen sechs und sieben Millionen Euro. Der Denkmalschutz spielt eine große Rolle. Schäden und Restaurierungsarbeiten werden digital dokumentiert. So soll es in Zukunft leichter sein zu entscheiden, ob wieder Restaurierungen nötig sind und welche Techniken angewendet werden können. Beispielsweise ist es für die Glaser wichtig zu wissen, welche Farbe für ein Fenster verwendet wurde oder ob sich Beschädigungen verschlimmert haben.

Bimsvorkommen seiner Heimat, der Vulkaneifel

Falls möglich werden Hilfsmittel wie etwa ein Presslufthammer bei den Steinmetzen oder Laser zur Reinigung der Steine verwendet, aber abgesehen davon, hat das Handwerk sich seit der Erbauung des Doms kaum verändert, und die meisten Restaurierungen werden in aufwendiger Handarbeit durchgeführt. „Wir haben unsere Arbeiten, wie alle anderen auch, aber wir arbeiten nur für ein Objekt, und der Dom fasziniert mich heute noch genauso wie früher“, schwärmt Schäfer. Der 50-Jährige ist in Ettringen aufgewachsen, einem Dorf in der Vulkaneifel in der Nähe der Kreisstadt Mayen, in dem er mit seiner Familie lebt. In dieser Region gab es wegen der Basalt-, Tuff- und Bimsvorkommen schon immer viele Steinmetze, die es oft an den Dom zog. Obwohl auch sein Onkel und sein Vater Steinmetze waren, war für Schäfer nicht immer klar, dass er diesen Beruf ausüben will. Heute ist er glücklich: „Ich bin froh, dass ich nicht die große Auswahl hatte, ich bin froh, dass ich Steinmetz bin.“ Nach seiner Technikerausbildung und dem Steinmetz- und Bildhauermeister arbeitete Schäfer zunächst in mittelständischen Unternehmen. Als 2002 am Dom die Stelle des Hüttenmeisters zu vergeben war, bewarb er sich sofort.

Was er 15 Jahre vorher nicht gesehen hat

„Da geht jedem Steinmetz das Herz auf.“ Seine Arbeit führt ihn immer wieder in Teile des Doms, die Besuchern nicht zugänglich sind, wodurch er Dinge zu sehen bekommt, die einem normalerweise verborgen bleiben, zum Beispiel Details in der Fassade, die von unten nicht zu erkennen sind. Neben der Faszination für das Bauwerk sind es aber auch Aufgaben, wie das Sicherheitskonzept für den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2005 zum Weltjugendtag mit zu entwickeln, die den Beruf besonders machen. Während des Besuchs hatte er als einer von wenigen die Berechtigung, sich frei im Dom zu bewegen, und die Möglichkeit, den Papst aus nächster Nähe zu erleben. Schäfer beeindruckt nicht nur die schiere Größe des Doms, sondern vor allem die vielen Details: „Ich kenne den Dom schon ganz gut, aber es gibt trotzdem Momente, wo ich etwas sehe, was ich die 15 Jahre vorher nicht gesehen habe, wie die Augen und Zähne der kleinen Wasserspeier an den Baldachinen über den lebensgroßen Figuren an der Fassade, die sich erst aus nächster Nähe erkennen lassen. Das wird so auch bis zu meinem letzten Tag bleiben.“

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenKölnKölner DomZweiter Weltkrieg