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Küster

Ein Blitzeinschlag, Knochen und die ewig gleichen Fragen

Von Johannes Baumeister, Gymnasium Oedeme, Lüneburg
 - 11:23

Massive Säulen, die man mit drei Erwachsenen umfassen muss, dazu meterdicke Mauern. Das sind echte Herausforderungen für jedes WLAN. Hartmut Sost ist aber endlich zufrieden: „Wir haben nun ein W-lan-Signal hergestellt, das stark genug ist, um durch das 50 Meter lange Kirchenschiff zu reichen“, sagt der 60-jährige Elektromeister und Küster der St.-Johannis-Kirche in Lüneburg. Gerade hat er es geschafft, eine stehende Videoverbindung von der Empore, auf der der Chor singt, zur Hauptorgel herzustellen. „Das ist wichtig, damit der Organist auch den Einsatz des Chors mitbekommt“, erklärt der Mann mit der Brille und den grauen Haaren und zeigt wie so oft ein verschmitztes Lächeln. Meist läuft er geschäftig durch die Kirche. Als Küster hat er vielfältige Aufgaben. Sie reichen vom Reinigen der Toiletten bis zur Reparatur der Beleuchtung.

Hauptkirche aus dem 14. Jahrhundert

Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist mit Eingangshalle 65 Meter lang und 44 Meter breit. Diese Fläche teilt sich Sost mit seinem Kollegen Hans-Jürgen Stiller, der eigentlich schon im Ruhestand ist. „Ich kümmere mich um das Kircheninnere und er sich um draußen, da bleibt für uns beide genug zu tun“, sagt Sost. Seit 1999 ist er Küster an der evangelisch-lutherischen Hauptkirche der Stadt Lüneburg. Davor arbeitete er in einem Handwerksbetrieb, aber um die Jahrtausendwende gab es wenig Bedarf für Elektrotechniker. Heute sehe das anders aus. Doch sein Beruf macht ihm immer noch Spaß, zumal eine zentral gelegene Wohnung mit inbegriffen war. „Man muss natürlich selbständig sein, es guckt dir niemand über die Schulter und sagt dir, wie du deinen Job zu tun hast. Das bietet Freiraum für eigene Projekte.“

Wenn er plötzlich im Dunkeln steht

Anfang 2017 wurden Sosts elektrotechnische Kenntnisse auf eine harte Probe gestellt. Ein Blitzeinschlag zerstörte weite Teile der Elektronik, selbst Monate danach sind noch nicht alle Fehler gefunden. Da der 108 Meter hohe Kirchturm unzählige Stromleitungen hat, findet Sost teilweise erst dann eine defekte Leitung, wenn er plötzlich im Dunkeln steht. Das Besondere am Turm der größten Kirche Lüneburgs ist seine 2,20 Meter große Neigung nach Westen und 1,30 Meter nach Süden. Doch das sind nicht die einzigen Herausforderungen, die der Küster zu bewältigen hat. Wenn in der Nähe der Kirche gebaut wird, kann es schon einmal vorkommen, dass ein Arbeiter ihm menschliche Knochen überreicht. Der Vorplatz der Kirche war ehemals ein Friedhof. Sost bringt dann die menschlichen Überreste in die Gruft unter der Kirche. „Dort unten bin ich nur ungern. Es ist nicht schlimm, die Skelette liegen ja nicht offen herum, aber es ist dennoch bedrückend.“

Werden beide Orgeln bespielt?

Zu den hohen kirchlichen Feiertagen gibt es einen geregelten Ablaufplan. Sost weiß mit schlafwandlerischer Sicherheit, was wann zu tun ist. Sonderveranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen sind dagegen individuell zu planen und bergen nicht vorhersehbare Fallstricke, so dass er mit ihnen wesentlich mehr Arbeit hat. Urlaub kann er nur nehmen, wenn nichts Besonderes ansteht. „Dafür sind meine sonstigen Arbeitszeiten variabel. Sonntagsarbeit gehört für einen Küster natürlich dazu. Dafür kann ich aber an anderen Wochentagen freinehmen.“ Eine Frau geht auf Sost zu. Er ahnt schon, was jetzt kommt. „Werden denn noch beide Orgeln bespielt?“, fragt sie. In der Kirche gibt es eine prächtige Barockorgel, die 1553 von Hendrik Niehoff gebaut wurde, und eine symphonische Chororgel. Solche Fragen kommen oft. Mit Überzeugung sagt er dann: „Natürlich werden beide noch bespielt. Es wäre doch eine Verschwendung, nur eine Orgel zu nutzen, wenn man zwei so schöne hat.“

Quelle: F.A.Z.
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