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Markt in Porto

Lieber Schatz, wollen Sie frischen Lachs?

Von Margarida Pedroso, Deutsche Schule zu Porto
 - 20:45

Bom dia minha querida, guten Morgen, mein lieber Schatz, wollen Sie Sardinen oder vielleicht einen frischen Lachs?“, ruft die portugiesische Fischverkäuferin des Bolhão-Markts. Das neoklassizistische Gebäude liegt seit 1914 im Herzen der Stadt Porto. Es ist kurz nach 7 Uhr, und die vier großen Tore aus dunkel-grünem Eisen sind vor wenigen Minuten geöffnet worden. Das Gebäude ist von vier Straßen umgeben und so groß wie ein Fußballfeld. Der Geruch von Fischen, Räucherwurst und Gemüse wird stärker, wenn man das Treppenhaus ins Erdgeschoss geht. Der Großteil der Stände, vom Fischmarkt bis zum Stand mit Portweinen, liegt in der Mitte des Gebäudes, das kein Dach hat. Es hat vier Teile: Der Fischkorridor liegt dem Fleischkorridor gegenüber. Dazwischen liegen die Verkaufsstände für Blumen und Gemüse sowie für Vorspeisen und Weine.

Souvernirläden an allen Ecken

Auf der ersten Etage ist das vorherrschende Geschäft der Gemüse- und Obsthandel. Souvenirläden sind an allen Ecken vorhanden. Überall stehen Dutzende von Touristen, die Kühlschrank-Magnete mit Motiven von Porto wie dem Clérigos-Turm oder der Douro-Silhouette mit der Eisenbrücke anschauen. „Je mehr Touristen, desto besser!“, erklärt Rosa Silva, eine Blumenhändlerin, die seit 40 Jahren das Geschäft ihrer Familie im Bolhão Markt führt. Jeden Tag außer sonntags, wenn der Markt geschlossen ist, kommen Touristen aus der ganzen Welt, einige mit dem Ziel, portugiesische Lebensmittel zu kaufen, andere schauen vorbei, um das Gebäude zu besichtigen oder den Alltag der Einwohner zu erleben. Kameras hängen von den Hälsen und halten die besten Momente fest. „Meine Frau und ich besuchen immer die traditionellen Märkte der Stadt, in der wir uns befinden“, sagt ein thailändischer Tourist, der Oliven probiert. „Frischem portugiesischem Essen können wir nicht widerstehen.“ Die grellen Farben, die penetranten Gerüche und das Stimmengewirr des Bolhão Markts locken die Sinne. Viele Leute bevorzugen diese Art des Einkaufens und verzichten auf Supermärkte. „Wenn man in den Supermarkt geht, findet man die Produkte, bezahlt und geht weg. Hier haben wir eine Beziehung zu den Kunden. Einige kommen regelmäßig, wir wissen also schon, was sie wollen, und es entsteht eine Freundschaft“, sagt die Blumenhändlerin. „In den Supermärkten gibt es viel Quantität, aber wenig Qualität. Wenn man frische und gute Nahrungsmittel will, kommt man hierher“, fügt Fischverkäuferin Graça Santos hinzu.

„Alles wird sich verschlechtern“

So ging es bis zum Sommer. Denn das Gebäude war in einem schlechten Zustand und benötigte dringend eine Renovierung. Gerüste stützten das Gebäude und die Decke eines Standes. Plastikbänder grenzten Orte mit Einsturzgefahr ab. Man musste vorsichtig sein, damit man über keine Steine stolperte, die herumlagen. 22 Millionen Euro sind für die Renovierung veranschlagt. „Nach den Renovierungen wird sich alles verschlechtern“, sagt Fischverkäuferin Graça Santos. „Wir werden mehr Standmiete zu zahlen haben, und was jetzt noch traditionell ist, wird Gourmet heißen.“ Nicht alle Marktteilnehmer teilen diese Ansicht, einige glauben an das Projekt des Stadtrats, der will, dass im Erdgeschoss die traditionellen Stände bleiben und die erste Etage der Gastronomie vorbehalten bleibt. Die Verkäufer sind inzwischen auf einen temporären Markt in das Einkaufszentrum „La Vie“ umgezogen. Zwei Jahre soll es dauern, bis sie ihr „zweites Zuhause“ wiederhaben, wie Rosa Silva in ihrer alten Schürze das lächelnd nennt.

Quelle: F.A.Z.
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