Golfclub Bad Kissingen

Mit Technik und Tempo platzreif

Von Linus Zerzer, Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium, Münnerstadt
17.01.2022
, 10:14
Golf ist mittlerweile ein Breitensport. Eine Karte fürs Fitnessstudio kostet mehr, sagt der Clubmanager von Bad Kissingen. Nur die jungen Leute fehlen. Ein Platzbesuch.
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Ein in Deutschland immer noch mit Klischees behafteter Sport ist das Golfen. So stellt man sich doch Golfer als reiche, Zigarre rauchende Männer mit teurer Kleidung und schicken Autos vor. Christian Keul, Clubmanager des Golfclubs Bad Kissingen, will diese Klischees aus der Welt räumen, indem er einen kleinen Einblick in die große Welt des Golfens gibt. Keul erscheint sportlich mit Baseball-Cap zum Gespräch, ab und zu klingelt zwischendurch das Handy und entlarvt ihn als „Star Wars“-Fan. Der 54-Jährige, der vor dem Golfen dreißig Jahre lang erfolgreich Eishockey in Bad Kissingen gespielt hat, ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann.

Weiterbildung zum Golfsbetriebswirt

Er war lange Zeit Geschäftsführer seines eigenen Textilhandelsunternehmens, das Heimtextilien importiert und deutschlandweit vertrieb. 2008 wurde er Key Account Manager im Bereich von Konsumgütern. „2016 gab es dann für mich eine berufliche Umorientierung“, sagt Christian Keul. In dieser Zeit war er auf Jobsuche. „Ich habe vermehrt gegolft in der Zeit, kannst ja nicht immer nur zu Hause Bewerbungen schreiben“, lacht er. Der Golfclub in Bad Kissingen suchte zur gleichen Zeit einen Clubmanager. Diese Arbeit hatte für Keul einen ganz besonderen Reiz. Er konnte sein Hobby teils zum Beruf machen und musste von nun an nicht mehr durch ganz Deutschland reisen. So konnte er mehr Zeit mit seinen zwei Kindern und der Familie verbringen. Nach der Weiterbildung zum Golfbetriebswirt beim Deutschen Golf-Verband ist er für den organisatorischen Ablauf auf der Golfanlage zuständig.

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Der Club Bad Kissingen besitzt die älteste Golfanlage Bayerns. Sie wurde 1910 erbaut und ist seit dem Jahr 2000 im Eigentum des Vereins. Vorher war die rund 50 Hektar große Fläche Eigentum des Freistaates Bayern. Sie zählt neuerdings außerdem zum Welterbe Bad Kissingen. Zusätzlich dazu existiert auch ein 111 Jahre altes Clubhaus, das nach Aussagen Keuls vor elf Jahren mit einer Investition von etwa 1,2 Millionen Euro in einen zeitgemäßen Zustand gebracht worden ist. Der Gesamthaushalt des Vereins liegt bei rund 900 000 Euro im Jahr.

Überlebensfähig mit rund 600 Mitgliedern

Der Golfclub ist mit rund 600 Mitgliedern überlebensfähig. „Wenn Vereine deutlich weniger Mitglieder zählen, haben sie oft Schwierigkeiten, kostendeckend zu arbeiten. Die Kosten für den Unterhalt der Spielbahnen und Freiflächen sind enorm, da das Gras dauerhaft kurz gehalten, die Bäume intakt und das Gesamterscheinungsbild stets ansprechend gehalten werden müssen. Diese Gelder können nur durch Mitgliedsbeiträge, Spielgebühren für Gäste oder Spenden erwirtschaftet werden. Acht Mitarbeiter sind derzeit im Verein beschäftigt, darunter fünf Greenkeeper inklusive des Head-Greenkeepers. Ihre Aufgabe ist nicht nur das Rasenmähen, sondern die gesamte Pflege des Platzes, etwa um Pilz- und Rasenkrankheiten vorzubeugen: „Es gibt zum Beispiel den Schneeschimmel als Pilz-Krankheit. Da wird das Gras dann braun.“ Ein Clubsekretär in Teilzeit und ein Golfprofessional zählen auch zur Liste der Mitarbeiter. Der „Golfpro“ ist Golflehrer in Teilzeit. Das Mannschafts- und Jugendtraining wird so vom Verein finanziert. Er arbeitet aber zudem hauptsächlich als privater Golflehrer.

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Um mit erfahrenen Spielen mitzuhalten

2020, im ersten Corona-Jahr, hat der Golfplatz mit über 18 000 gespielten Spielrunden einen regelrechten Schub erlebt. Keul erklärt sich das auch durch die erschwerten Reisebedingungen, wodurch die Vereinsmitglieder zu Hause geblieben sind. Die im ersten Teil des Jahres 2020 durch den Lockdown verlorenen Runden wurden bis zum Jahresende mehr als ausgeglichen. Der zweite Lockdown hat im Dezember die Golfer in Bad Kissingen nicht so sehr getroffen, da im Winter ohnehin kaum Golf gespielt wird. Die Golfanlage ist ein Par-70-Kurs. „Par“ ist die angegebene Anzahl an Schlägen, die ein professioneller Golfer für den Kurs brauchen sollte, und steht für „Professional Average Result“, wie Keul erklärt. Das Handicap beschreibt die Anzahl der Schläge, die ein Spieler bei Wettbewerben als Vorgabe bekommt, um mit erfahreneren Spielern mitzuhalten. Christian Keuls Handicap liegt zurzeit bei 19,3. „Der Kissinger Golfkurs ist nicht besonders lang, hat also bei Herren nur eine Länge von 5699 Metern, ist aber durchaus schwierig, weil es viele Bäume gibt. Du hast viel natürliches Wasser, weil die Saale von Nord nach Süd einmal durch den Platz durchfließt.“ Der fränkische Fluss ist dreimal auf dem Parcours zu überwinden.

Kürzere 9-Loch-Turniere sind beliebt

Zu seinen Tätigkeiten gehören Vertrieb, Verkauf, Marketing, Clubmitgliedschaften bewerben, den Gästen ein gutes Gefühl geben – es ist ein bisschen wie im Hotel. Außerdem ist er bei Turnieren ein Mitglied der Spielleitung, einen Schiedsrichter gibt es beim Golf nicht. In Bad Kissingen werden im Jahr rund 130 Turniere gespielt. Mittlerweile gibt es auch noch 9-Loch-Turniere. Diese sind durch die verkürzte Spielzeit mit nur zwei Stunden Dauer beliebt. Der Golfclub stellt auch einige Mannschaften für den Liga-Spielbetrieb des Bayerischen Golfverbands. So bestehen eine Herrenmannschaft für über 65-Jährige, eine Herrenmannschaft für über 50-Jährige, eine AK-50-Herrenmannschaft für Erwachsene bis 49 und eine Damenmannschaft AK 50. „Leider haben wir derzeit keine Jugendmannschaften am Start“, bedauert Keul. Doch der Golfclub Bad Kissingen ist im Moment nicht der einzige Verein, der mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat. Um auf dem Golfplatz spielen zu dürfen, braucht man Platzreife. „Das ist wie der Führerschein beim Auto“, findet Keul. Zur Platzreife gehören Spieltechnik, Etikette, Regelkunde, Sicherheit und eine praktische Prüfung. Auch ein gewisses Spieltempo, sodass man nicht den ganzen Betrieb aufhält. Der Aspekt der Sicherheit wird beim Golfen großgeschrieben, da die Bälle hier bis zu 200 Stundenkilometer schnell fliegen können.

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Der 91-Jährige nimmt für die acht Kilometer ein Golfcart

Die Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 1273 Euro. „Jedes bessere Fitnessstudio kostet da mehr“, findet Keul. Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre wird mit 53 Euro Jahresbeitrag ein deutlich geringerer Mitgliedsbeitrag erhoben. Für Erwachsene gibt es interessante Golf-Einsteigermodelle, die sich innerhalb von drei Jahren dann zum vollen Vereinsbeitrag entwickeln. Golfen ist laut Keul mittlerweile ein Breitensport, für Leute aus allen Altersklassen. In Bad Kissingen sind ein Drittel der Mitglieder weiblich. Der älteste Spieler ist 91 Jahre alt. „Er spielt bei schönem Wetter mindestens einmal pro Woche und mietet sich ein Golfcart“, verrät Keul, „was aber bei diesem Alter und der zurückzulegenden Strecke von acht bis neun Kilometern nicht verwunderlich ist.“ Ein besonderer Pluspunkt sei die Tatsache, dass Golfen gesund ist: Denn Golfer lebten im Schnitt länger als ihre nicht golfenden Zeitgenossen, behauptet er.

Quelle: F.A.Z.
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