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Naive Kunst in Kroatien

Sonnenblumen, größer als Kirchtürme

Von Lorena Međimurec, Lea Petrošanec, Domagoj Džanko, Gym. Fran Galovic, Koprivnica
 - 21:07

Wissen Sie eigentlich, warum so viele gerupfte Hühner auf diesen Bildern zu sehen sind?“, fragt Sanja Vrgoč, eine von zwei hauptberuflichen Mitarbeiterinnen der Galerie der Naiven Kunst im kroatischen Hlebine lachend. „Ivan Generalić, der Begründer der Schule der Naiven Kunst, wurde als kleiner Bauernjunge frühmorgens immer von seinem Vater zur Arbeit geweckt. Und zwar kam der Vater mit einem Hahn ins Schlafzimmer und zog den so am Kropf, dass er laut krähte. Generalić hat sich später dafür gerächt, indem er ständig gerupfte Hähne in seinen Bildern plazierte.“ Es war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein hartes Bauernleben in Hlebine. „Eines Tages“, erzählt die 47-jährige, sogenannte technische Museumsexpertin, „musste Ivan Generalić im Laden seines Onkels aushelfen. Er hatte wenig zu tun und kritzelte gelangweilt auf Papiertüten und Packpapier herum. Zufällig kam der Maler Krsto Hegedušić vorbei und erkannte das Talent des Jungen. Er förderte ihn, und da es kein Geld für den Kauf von Leinwand gab, leitete er ihn in der alten Technik der Glasmalerei an.“ Seine Naive Malerei machte das 1000-Seelen-Dorf in der Podravina, von der man sagt, dass hier die Sonnenblumen größer als die Kirchtürme sind, weltweit bekannt. Die flache, grüne Landschaft liegt ungefähr 80 Kilometer nordöstlich von Zagreb in den Auen der Drau, die hier die Grenze zwischen Kroatien und Ungarn bildet.

Billige Glas-Souvenirs und Rockefeller

Im Umkreis von 50 Kilometern rund um Hlebine leben heute etwa 100 Menschen, die sich ausschließlich mit Naiver Kunst beschäftigen. Vieles, wie bunte Ostereier, wirkt dabei eher wie ein regional typisches Souvenir und nicht wie Kunst. Das meint auch Goran Generalić, der Erbe der wertvollen Sammlungen seines Großvaters Ivan und seines Vaters Josip: „Abgesehen von Ausnahmen, verwandelte sich die Naive Kunst in die Produktion von billigen, quadratischen Glas-Souvenirs.“ Nicht nur die Enkelgeneration der Günder möchte das Erbe wahren und schützen. Seit 1968 gibt es die zentrale Galerie in Hlebine. Sie wurde auf Wunsch von Ivan Generalić errichtet und zeigt etwa 1000 Stücke aus seinem Besitz. Die mit Unterstützung eines regionalen Lebensmittelproduzenten gebaute Galerie ist ein schlichter Bau aus roten Ziegeln. Besitzer ist die Gemeinde. Doch profitiert sie kaum davon. „1968 kamen in den ersten drei Tagen nach der Eröffnung mehr als 5000 Besucher“, sagt Sanja Vrgoč. „Danach hatten wir bis zu 20 000 Besucher jährlich. Dabei waren auch zahlreiche Prominente, so zum Beispiel aus der Rockefeller-Dynastie in den USA. Oder auch der Hollywood-Star Yul Brynner während der Drehpause zu einem Film in unserer Region.“ Heute kommen nur noch etwa 3000 bis 4000 Besucher im Jahr, so dass die Galerie kaum über Einnahmen für die laufenden Kosten verfügt.

Ein wichtiges Bild wurde gestohlen

Selbstverständlich haben diese Kunstwerke nicht nur eine ästhetische, kulturhistorische Bedeutung, sie haben auch einen hohen finanziellen Wert. Und trotzdem ist die Galerie kaum gesichert. Es gibt nur einige Bewegungsmelder, die einen Alarm auslösen können. „1994 erfolgte bereits einmal ein Einbruch durch die ganz normale Hintertür, wie man sie in jedem Einfamilienhaus findet. Ein wichtiges Bild wurde gestohlen. Dadurch ist ein Schaden in Höhe von ein paar tausend Euro entstanden“, sagt Sanja Vrgoč. Nicht nur die Bewohner der Region, sondern Kunstinteressierte aus aller Welt sollen wieder für Naive Malerei aus Hlebine interessiert werden. So gibt es von der Galerie eine virtuelle Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Google entstanden ist. Auch dadurch erhalten Sanja Vrgoč und ihre Kollegin Anfragen aus der ganzen Welt von Menschen, die Objekte Naiver Malerei besitzen und dann nach dem Wert eines Bildes fragen oder danach, ob ihr Stück ein Original ist oder nicht. Sanja Vrgoč bekräftigt lachend: „Besuchen Sie die Podravina, besuchen Sie Hlebine und die Galerie der Naiven Malerei. Nehmen Sie aber bitte nicht einfach unsere Bilder von der Wand, sondern einen unvergesslichen Eindruck aus einer Region mit, in der die Sonnenblumen größer als die Kirchtürme sind.“

Quelle: F.A.Z.
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