Pfarrer und Football-Fan

Pfarrer und Football-Fan

Von Joshua Mihailov, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon
29.05.2022
, 20:53
Raffinierte Taktik und am Rand gute Gespräche über Gott und die Welt und den christlichen Glauben. Warum ein Schweizer Pfarrer Football liebt.
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Ich möchte meine Lebenszeit dort investieren, wo ich glaube, dass es Hoffnung gibt.“ Deshalb entschloss sich Pascal Götz, Pastor zu werden. Für ihn eine Berufung, mit der er den Menschen zeigen möchte, dass das Leben auch nach dem Tod weitergeht. Der Schweizer sitzt an seinem Schreibtisch in der Chrischona-Gemeinde in Pfäffikon bei Zürich auf seinem Gymnastikball. „Ich brauche die Bewegung, die ganze Zeit still sitzen kann ich nicht.“ Deswegen ist er auch ein American-Football-Fan. „Football hat so viele Facetten, man entdeckt immer etwas Neues.“ Als Teenager sah er den Film „Remember the Titans“ über die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten, in dem es um ein gemischtes Footballteam geht. Schon als Jugendlicher war er fasziniert von Komplexitäten, so weckte auch American Football sein Interesse. Ein Sport, bei dem eine Mannschaft 30 bis 50 Spieler hat, aber nur elf zusammen auf dem Feld stehen. Begierig, mehr über Football zu lernen, begann Götz „Madden“ zu spielen. Durch dieses Videospiel, benannt nach dem Footballkommentator John Madden, lernte er viel über den Sport. „Das Highlight war, als die deutschen Sender anfingen, den Superbowl zu übertragen.“

Spitzenmannschaft aus Dallas

Sein Lieblingsteam sind die Dallas Cowboys. „Das Team liebt man oder hasst man.“ Sie gehörten zu den Spitzenmannschaften der Neunzigerjahre, Götz war fasziniert von den Spielern und Taktiken. Mittlerweile sind jedoch nur noch die hohen Ambitionen geblieben. Doch obwohl sich Pascal Götz oft die Frage stellen muss: „Wieso, wieso, wenn ihr die guten Mannschaften schlagt, warum schlagt ihr nicht auch die schlechten?“, hält er zu ihnen. „Es ist eine Frage der Loyalität, sobald du dich für ein Team entschieden hast, bleibst du diesem treu.“

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Aber nicht nur Football weckte in dem neugierigen Teenager Begeisterung, sondern auch ein Gespräch in einem Ferienlager. Dort schlug ihm ein Leiter vor, Pastor zu werden. Er dachte eine Zeit lang darüber nach: „Es ergab Sinn, eigentlich war der Beruf offensichtlich für mich, ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen.“ Seinen Studienplatz fand der damals Achtzehnjährige, als er in Basel an einem Schnupperwochenende eines Theologischen Seminars teilnahm. „Ich stieg aus dem Bus aus, lief hoch, und in diesem Moment wusste ich, das ist der richtige Ort für mich.“ In seinem letzten Studienjahr erhielt der sportbegeisterte Student die Chance, dort dem Footballclub, den Gladiators, beizutreten. Da dieser in der Topliga der drei Schweizer Footballligen spielte, erkannte er schnell: „Als Quereinsteiger auf diesem Niveau bist du hauptsächlich auf der Ersatzbank, außer du bist ein Ausnahmetalent.“ Der stämmig gebaute Mann mit dem Vollbart sagt schmunzelnd, dass er selbst mit fünf- bis sechsmal Training in der Woche nicht mit der Spielerfahrung der anderen mithalten konnte, auch wenn er damals in Topform war. So wurde ihm bewusst: „Um einfach nur ein bisschen mitzuspielen, bin ich zu ehrgeizig.“ Er beschloss einen klaren Schlussstrich zu ziehen und mit dem Footballspielen aufzuhören.

Zwei Leidenschaften, die gut zusammenpassen

„Mein Job und mein Hobby haben nicht viel gemein, es sind lediglich zwei Leidenschaften, die man zwar selten zusammen sieht, die aber gut zusammenpassen.“ An Football mag der 31-Jährige die Bewegung und die vielen Taktiken, die durch die unzähligen Spielzüge möglich werden. „Es gibt vermutlich kein Spiel, bei dem der Trainer so viel Einfluss hat. Sei es durch die Entscheidungen, die er trifft, wie man sich aufstellt oder welche Spielzüge gespielt werden. Es ist aber auch kein Schach, körperlich intensiver geht es kaum.“ Für seinen Beruf ist er dankbar: „Es gibt keine Vergebung auf dem Spielfeld, wenn du einen Fehler machst, leidet das ganze Team. Deshalb bin ich froh, dass das Leben nicht nur aus Football besteht, sondern dass es auch einen Gott gibt, der nicht nur unsere Fehler sieht.“

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Wichtig ist ihm, anderen den christlichen Glauben näherzubringen. Sport hilft ihm, viele zu erreichen. Er wurde sogar gefragt, ob er nicht vor dem Spiel für das Team beten könnte. Da wurde ihm klar: „Das ist es, wofür mein Herz schlägt.“ Nach seinem Abschluss zog er nach Pfäffikon und stieß in seinem alten Wohnort auf den neu gegründeten Football Club, die Zürich State Spartans. „Ich war sofort Stammspieler.“ Im Herbst 2020 gewann das Team den Cup der Liga C. Der ehemalige Defensive-Tackle-Spieler hat im Herbst den Club in Dübendorf verlassen, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. „Ich muss nicht Football spielen, um Menschen von Gott zu erzählen; es reicht, mit meiner Tochter auf den Spielplatz zu gehen und mit den anderen Eltern zu reden.“

Quelle: F.A.Z.
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