Schönheitsoperationen

Hoffen auf das Skalpell

Von Theresa Kraft und Anna-Laura Crößmann Friedrich-Ebert-Schule, Pfungstadt
18.01.2010
, 13:22
Paris Hilton und Nicole Richie haben offenbar keine Berührungsängste mit möglichen Brustimplantaten
Der Chirurg soll das Selbstwertgefühl sanieren: Jugendliche, die sich an Vorbildern wie „Germany’s next Topmodel“ orientieren, interessieren sich verstärkt für Schönheitsoperationen.
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Wenn ich die Mädchen in der Sendung Germany’s next Topmodel sehe, könnte ich vor Neid platzen“, sagt Lisa Kramer. Die Schülerin aus Pfungstadt könne sich durchaus vorstellen, eine Schönheitsoperation an sich durchführen zu lassen, um ihrem Ideal näher zu kommen: „Ich würde mir gerne an meinen Oberschenkeln Fett absaugen lassen.“ Auch ihre Freundin Dominique Bur hätte nichts gegen eine Operation einzuwenden und würde sich gerne ihre Brüste operieren lassen: „Wenn sie so bleiben wie jetzt, sind sie mir eindeutig zu klein“, erklärt die 17-Jährige. Sieben von zehn Jugendlichen geben an, bereits mit dem Gedanken an einen ästhetischen Eingriff gespielt zu haben. Überwiegend Mädchen würden sich solch einer Operation unterziehen: „Ich lege nicht so viel Wert auf mein Äußeres. Für mich zählen mehr die inneren Werte“, betont Stefan Wesp aus Pfungstadt und beißt bedenkenlos in seinen Döner.

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Blutungen und Narben

Gerhard Sattler, der für das Fachgebiet Dermatologie in der Rosenparkklinik Darmstadt zuständig ist, lehnt Schönheitsoperationen an Jugendlichen grundsätzlich ab: „Unter 18 Jahren kommt mir keiner unters Messer“, betont der 52-Jährige. Allerdings gebe es für ihn Ausnahmen, sobald eine tiefe psychische Belastung festzustellen sei. Lebenserfahrung und Reife seien bei einem Patienten Voraussetzung für die Entscheidung zu einer OP. Bei Schönheitsoperationen bestehen gewisse Risiken und Gefahren, wie Infektionen, Blutungen und Narben, die laut Ansicht des Darmstädter Chirurgen jedoch vorhersehbare Nebenwirkungen sind.

Für eine Brustoperation liegen die Kosten laut Gerhard Sattler bei ungefähr 4000 bis 6000 Euro, für eine Nasenoperation etwa bei 5000 Euro, wobei man die Narkosekosten hinzurechnen müsse. Die Krankenkassen zahlen nur dann, wenn der Körper stark von der Norm abweicht. Die minderjährigen Jugendlichen hoffen daher auf Unterstützung der Eltern. Damit hat auch Jasmin Kraft aus Pfungstadt ihre Erfahrungen gesammelt, als sie sich vor einem Jahr einer Nasen-OP unterzogen hatte, um ihren Höcker zu entfernen. „Ich konnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen. Ich fühlte mich richtig hässlich, daher musste der Höcker so schnell wie möglich weg. Meinem Gefühl nach hat meine Nase alle Blicke auf sich gezogen.“

Der Druck wächst beständig

Die 18-Jährige erinnert sich nur ungern an die Zeit vor der OP. „Es war schon sehr belastend. Meine Gedanken kreisten nur um diesen Höcker. Ich bekam richtige psychische Probleme, die immer größer wurden, bis ich mich kaum noch vor die Tür traute. Die OP war der letzte Ausweg.“ Mit strahlenden Augen fügt sie hinzu: „Ich bin super zufrieden und bereue den Eingriff keineswegs.“ Obwohl Jasmin während der OP sogar die Nase gebrochen werden musste, hatte sie aufgrund der starken Schmerzmittel kaum Schmerzen. Allerdings gehörten Blutergüsse unter den Augen, Schwellungen und der juckende Gips zu der unangenehmen Seite: „Also immer schön mit dem Kopf nach oben schlafen, damit das Blut gut absacken kann“, betont sie.

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Hätte sie sich auch für den Eingriff entschieden, wenn die Ästhetik in der Gesellschaft keine so große Rolle spielen würde? Jasmin antwortet mit einem klaren Ja. Aber: Der Druck, schön zu sein, wächst beständig. Dass so mancher schöne Starkörper seine vollendete Form auf dem Operationstisch und nicht von Mutter Natur erhielt, wird da oft allzu leicht vergessen. Wenn aber das Geld fehlt, die Eltern nicht einverstanden sind und man noch nicht volljährig ist, läuft im OP-Saal nichts. Trösten bis zur ersehnten Volljährigkeit kann da eventuell der Arzt Sattler: „Der eigene Körper hält noch so manche Überraschung bereit.“

Quelle: F.A.Z.
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