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Songwriterin Maram El Dsoki

„Meine Musik ist genau wie ich ein Mischmasch“

Von Pelin Kaya Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal
 - 16:52

Maram El Dsoki ist Sängerin und Songwriterin. „Meine Mutter hat immer gesagt: Maram, du hast den Mund noch nie zugehabt, seitdem du auf der Welt bist, und nach deinem ersten Auftritt auf der Bühne bist du nie wieder runtergekommen.“ Geboren ist die 24-Jährige als einzige Tochter einer fünfköpfigen ägyptischen Familie in Schweinfurt. Mit zwei Jahren fing sie an zu singen, mit sechs ging sie in einen Chor und nahm Klavierunterricht. Während viele Mädchen davon träumen, Star zu werden, dachte Maram nie daran, ihre Leidenschaft als Beruf auszuüben. Sie wollte Tierärztin werden, was zu ihrer Familie passte, die großteils aus Ärzten und Ingenieuren besteht. Durch Projekte mit dem Produzenten Peter Hoffmann, der für Tokio Hotel, Falko und Annett Louisan produzierte, stieg ihr Interesse. Vor sieben Jahren wurde Maram El Dsoki beim Kika-Wettbewerb „Dein Song“ mit ihrem eigenen Lied „Identity“ Finalistin. Sie wird bis heute noch erkannt oder angeschrieben. Als ihr immer mehr bewusst wurde, wie sehr der Alltag als Tierärztin ihre Zeit für die Musik einschränken würde, beschloss sie, ihre Hingabe zu Tieren durch Haustiere wie Hunde zu stillen. Sie studierte sechs Semester Popmusikdesign mit dem Hauptfach Singer/Songwriter und dem Nebenfach Klavier an der Popakademie in Mannheim. Ihr Studium schloss die damals 21-jährige mit einer Bachelorprüfung ab. Was sagten ihre Eltern als Mediziner dazu? „Sie haben mich und meine Musik schon immer unterstützt. Sowohl finanziell als auch moralisch. Natürlich haben sich meine Eltern um das kleine ägyptische, arabische Mädchen gesorgt, das jetzt allein unter all den drogensüchtigen, bösen Musikern war“, erzählt sie lachend. „Als meine Eltern dann sahen, dass ich wie jeder andere Student regelmäßig Vorlesungen besuchen musste, Prüfungen schrieb und auch in diesem Studiengang ein geordnetes System existierte, waren sie beruhigt.“

60 Songs hat sie bisher geschrieben

Die Musikerin hat ihre eigene „Fusion“, also quasi eine neue, einzigartige Musikrichtung, namens Egyptian Pop & Soul kreiert. Diese ist zusammengestellt aus den Genres Soul, Hip-Hop und R’n’B, in die orientalische Einflüsse einfließen, durch Instrumente wie der Darbuka oder Tabla, eine einfellige Bechertrommel aus dem Nahen Osten, oder die Oud, ein arabisches Saiteninstrument, das als Sultan der Musikinstrumente bezeichnet wird. „Meine Musik ist eben genauso wie ich, ein Mischmasch“, lacht sie. Durch ihren Stil hat sie zahlreiche Fan-Herzen erobert. An die 60 Songs hat sie bisher geschrieben und vereinzelt veröffentlicht. Ungefähr die Hälfte der Songs hat sie für sich und die andere Hälfte mit anderen Künstlern oder für sie geschrieben. Jetzt produziert sie ihr erstes eigenes Album. Ihre meist englischen Songs handeln von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. „Die Texte kommen aus dem Tiefsten meiner Seele.“ Sie seien von ihrem Alltag, wie ihrer Depression, die sie durchlebt, geprägt. Was nicht bedeute, dass alle ihre Songs betrübt klängen. Ihr Einkommen schwankt. „Die ersten drei Monate des Jahres sind für jeden Künstler die schlimmsten, die Leute geben nach Weihnachten weniger aus und buchen seltener Künstler.“ Sie startet relativ sparsam in das neue Jahr oder greift auf Erspartes zurück und versucht, etwas zurückzulegen, so dass sie ihre persönlichen Standards, wie etwa nicht auf Volksfesten auftreten zu müssen. halten kann.

Routine gibt es nicht, das belastet

An ihren freien Tagen kann sie sich nicht zurücklehnen. Ganz im Gegenteil: Sie tritt zwar nicht öffentlich auf, schreibt aber Lieder, organisiert Proben und neue Gigs. „Du kannst als Sängerin manchmal monatelang Arbeit und Zeit in verschiedenste Projekte investieren und trotzdem keinen Cent verdienen. Dann gibt es wieder Wochen oder Monate, in denen du nur unterwegs bist.“ Sie berichtet von Phasen, in denen sie durch ganz Deutschland reist, um zu proben, Konzerte zu spielen und mit verschiedenen Studios zu arbeiten. Routine gibt es nicht. „Ich habe kein festes Monatsgehalt, sondern lebe ausschließlich von geschriebenen Rechnungen. Da muss man schon manchmal schauen, wie man über die Runden kommt.“ Bereut sie ihre Berufswahl? Die sonst so gesprächige Maram El Dsoki wird still. „Ich selbst hatte nie Bedenken oder habe meinen Beruf gar bereut. Gott weiß, dass ich als Sängerin geboren bin und dieses Talent besitze. Es waren die anderen Menschen, die mir die Zweifel an meiner Leidenschaft in den Kopf gesetzt haben.“

Als sie von den negativen Seiten spricht, kommen ihr die Tränen. Die Konfrontation mit rassistischen, religiösen und sexistischen Witzen sei keine Seltenheit. Zwar wehrt sie sich dagegen, dennoch stehe sie meist allein in einer Gruppe von Männern da und fühlt sich oft als einzige angegriffen. Die ständige Frage, „Wie wird etwas zum Hit?“, belastet sie. „Ich will einfach nur singen und muss davon leben können.“

Mit Vorgruppe im Rolling-Stones-Konzert

Zu den Höhepunkten gehört der Auftritt mit der Schweizer Rockband Gotthard als Vorgruppe beim Opening des Rolling-Stones-Konzerts im Juli 2018, bei dem sie vor 90 000 Menschen in Prag performte. Seitdem weiß sie, einer ihrer größten Träume ist es, auf einer großen Bühne vor ihren Fans, die ihre Texte mitsingen, aufzutreten. Da ein Teil ihrer Familie in Ägypten wohnt, fühlt sie sich mit dem Land eng verbunden. Dennoch fühlt sie sich weder arabisch noch deutsch. In Ägypten wird sie als die deutsche Cousine vorgestellt. In Deutschland bekommt sie immer häufiger Anmerkungen wie: „Sei doch nicht gleich so aggressiv!“, „Typisch Araber“ oder „Maram, komm mal runter, wir machen doch nur Spaß“, zu hören. Sie betont, dass das früher besser war. „Hier in Deutschland muss man erst mal beweisen, dass man als Ägypterin oder Muslimin nicht gleich eine Terroristin ist und gleichzeitig auch nicht das arme Mädchen ist, das zu Hause unterdrückt wird.“ Maram berichtet, dass sie oft darauf hingewiesen wird, ihre Songs besser auf Deutsch zu verfassen. „Das bin einfach nicht ich.“ Und wenn es schon ihr, die in Franken geboren und aufgewachsen ist und deren Oma Gisela Beier heißt, so geht, wie ergeht es dann anderen Musikern mit Migrationshintergrund? In ihrem neuen Song singt sie, „you seem to underestimate me“. Niemand soll sie kleinreden oder unterschätzen.

Quelle: F.A.Z.
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