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Sportschützen

Anschießen, um genau zu justieren

Von Lasse Schöfisch, Gymnasium Oedeme, Lüneburg
 - 13:01

Zehn Minuten vor Trainingsbeginn biegt Heinz Hauschildt lächelnd mit seinem Fahrrad um die Kurve. Der in Trainingsanzug und Laufschuhe gekleidete 72-Jährige schließt sein Fahrrad an und die Gerätehalle des Schützenhauses auf. Das Tor öffnet sich. Das gedämpfte Licht geht an. Zum Vorschein kommen aufgerollte Matten, ein Kühlschrank mit Mineralwasser, Zielscheiben und viele verstaute Gegenstände. Noch bevor der erste Sportler ankommt, hat der mittelgroße Pensionär aus seinem Rucksack die Stoppuhren herausgeholt und die Matten bereitgelegt. 2004 gründete er aus eigener Initiative die Sommerbiathlon-Abteilung des Kleinkaliber-Schützenvereins in Wendisch Evern, einem Dorf bei Lüneburg. Aufgrund des seltenen Schneefalls in Norddeutschland wird nicht Ski gefahren wie beim Winterbiathlon, sondern gelaufen. Die zurückzulegende Distanz variiert je nach Altersklasse zwischen 1,2 und 6 Kilometern. „Durch eine Alternative zu herkömmlichen Sportarten erhoffte ich mir, Jugendliche aus der Umgebung Lüneburgs zu motivieren, sich zu bewegen“, sagt der ehemalige Oberstabsfeldwebel. „Vor 13 Jahren fing alles klein an, aber über die Jahre hat es sich zu einer Routine mit vier Trainingseinheiten in der Woche eingespielt, und das Team ist stetig gewachsen.“

Das Rädchen am Gewehr verstellen

„Hallo Haui“, begrüßt der erste Sportler seinen Trainer. Nach und nach kommen weitere Athleten. Gemeinsam holen sie die Sportgeräte und stellen sie in den Luftgewehrständer. Das Training beginnt. Bevor der erste Schuss abgegeben wird, laufen sich die Sportler nach einer festgelegten Abfolge von Übungen eigenständig auf einer zunächst asphaltierten, später durch den Wald führenden Runde ein und dehnen sich. Jeder stopft die Fünf-Schuss-Magazine mit „Diabolos“, der Luftgewehrmunition, und schießt aus zehn Metern Entfernung an. Beim Anschießen geht es darum, die Sportwaffe zu justieren, also dafür zu sorgen, dass sie auch tatsächlich auf den Punkt genau dahin schießt, wo der Sportler hinzielt. „Ab und zu kann sich da schon mal etwas verstellen“, erklärt Hauschildt. „Das ist ganz ähnlich wie bei einer Gitarre, die gestimmt werden muss.“ Hierbei geht es um Präzision. Um kleine Abweichungen zu erkennen, schießen die Sportler auf Ringscheiben aus Papier. Je nachdem, ob der Treffer zu hoch, tief, weit links oder rechts ist, kann der Sportler dies durch Rädchen am Gewehr verstellen. „Gewehre hoch!“, ertönt es. Nach und nach verstummt das dumpfe Treffergeräusch. Bevor jemand zum Ziel geht, um das Trefferbild auf der Papierscheibe zu betrachten, müssen alle Gewehre entladen und mit dem Lauf nach oben gehalten werden. „Schon bei den 6- bis 11-jährigen Lichtpunktschützen führen wir diese Routine ein, selbst wenn sie lediglich mit einem unschädlichen Laser auf einen Sensor zielen. Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen erlernen“, sagt Heinz Hauschildt, der in seiner Zeit bei der Bundeswehr gelernt hat, wie wichtig Sicherheitsbestimmungen sind.

Die Ehefrau und ein Lauftrainer helfen ihm

Im Anschluss laufen und schießen die Sommerbiathleten im Wechsel. Die besondere Herausforderung bei der Kombination der beiden Disziplinen bestehe darin, selbst bei einem vom Laufen erhöhten Puls die im Wettkampf verwendeten Klappscheiben-Ziele, die bei einem präzisen Schuss hochklappen, zu treffen, erläutert der mehrfache deutsche Meister Anton Plaschke. Diese Ziele sind beim Liegendschießen 15 Millimeter und beim Stehendschießen 35 Millimeter groß. Das entspricht der Größe einer Ein-Cent-Münze und eines Tischtennisballs. Wer diese Herausforderung im Wettkampf nicht fehlerfrei meistert und das Ziel nicht trifft, erhält eine Zeitstrafe oder muss eine Strafrunde laufen. Einige Eltern stoppen beim Training Zeiten und notieren die Trefferbilder, um Erfolge oder Rückschläge zu ermitteln. Das Training ist beendet. Hauschildt bleibt. Mit einigen Eltern bespricht er bei einem Feierabendbier die Wettkampf- und Reiseplanung. Für rund 40 Sportler gilt es viel zu koordinieren. Mit viel Leidenschaft und Spaß füllt er dieses Ehrenamt aus, es kostet aber auch Zeit und Kraft. Hilfe erhält er von seiner Ehefrau Heike und einem Lauftrainer. Sobald sich auch die Letzten verabschiedet haben, schließt „Haui“ die Garage wieder zu, sein Fahrrad los und macht sich auf den Weg nach Hause.

Quelle: F.A.Z.
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