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Surfschule

Vier Stunden auf Atlantikwellen gleiten

Von Friedemann Humme,l Deutsche Schule zu Porto
 - 11:04

Holst du die morgen 6 Uhr? Also Patricia, Dome und Katarina, die kommen ja jetzt zum dritten Mal“, sagt Mark Hummel, Gründer und Chef von ElementFish. Vor wenigen Monaten hat er das Haus in dem sonst so verschlafenen nordportugiesischen Küstenort Ofir entdeckt. Die Räume waren altmodisch, voller Kreuze an der Wand, die Zimmer vollgepackt mit alten Möbeln und Betten, obwohl darin jahrelang keiner mehr geschlafen hatte, alles in dunklem Braun gehalten. „Bald sprach ganz Ofir von den neuen deutschen Surfern, manche schlecht, manche gut, aber generell waren wir wie Außerirdische“, sagt der 40-jährige gebürtige Berliner.

50 Kilometer nördlich von Porto

In Ofir mit dem Nebenort Apulia wird sonst überwiegend mit Fisch und in den Sommermonaten mit Tourismus Geld verdient. Die Landzunge Pinhal de Ofir liegt 50 Kilometer nördlich von Porto. Auf der einen Seite der Atlantik, auf der anderen mündet der Rio Cavado bei der Kleinstadt Esposende. In der Mitte liegt das ElementFish Camp. Zum Haus führt eine von Pinien gesäumte Holperstraße, dann kommt der Strand. Und der nächste Stop wären dann erst die Vereinigten Staaten. Vorbei an drei markanten Hochhäusern, die in den 60er Jahren in das Naturschutzgebiet gebaut wurden mit Restaurants, einem Hotel und einer Tankstelle mit einem netten älteren Mann, der mit seinen Deutschkenntnissen prahlt und sich immer freut, „Wie geht’s?“ zu sagen. Ein paar große Grundstücke mit alten, charmanten Häusern verteilen sich auf der Landzunge. Ein Holzweg führt über die Dünen zur Flussmündung des Cavado.

Kiten nach vier Kursstunden

Auf der Lagunenseite kommt man zu den in der Saison von Kiteschulen begehrten zweihundert Metern Strand und auf der Meerseite „zu meinem geheimen Lieblingssurfspot, da läuft eine gute Welle, und da ist ja fast nie einer“, verrät Mark Hummel. „Im Sommer denkt man, man ist in Saint-Tropez, es ist voll und französisch, die nach Frankreich ausgewanderten Portugiesen machen hier am liebsten Urlaub. Im Winter bist du plötzlich an einem der schönsten und verlassensten Strände in ganz Nordportugal.“ Zum Kitesurfen braucht man einen Kite, einen sogenannten Drachen und ein Brett. Der Kite ist mit meterlangen Leinen an einem Bauchgurt festgemacht. Das Kitebrett hat unten an jedem Ende zwei parallel stehende Finnen. Bereits nach den ersten vier Kursstunden kann man über das glatte oder wellige Wasser gleiten, oft hat man relativ schnell Erfolgserlebnisse.

Ein Lehrer ist immer dabei

Mit dabei ist immer ein Kitelehrer für vier Schüler und ein Schlauchboot, falls jemand mal den Fluss hinab treibt, kann der Lehrer ihn sofort wieder einsammeln. Beim Surfen dagegen, auch Wellenreiten genannt, geht es anders zu. Der Surfer braucht ein längeres Brett und einen Neoprenanzug. Die Brettgröße variiert je nach Surflevel, Anfänger beginnen mit einer Größe von 8 Fuß. Entweder geht es direkt an den Campstrand vor der eigenen Haustür oder mit Kleinbussen samt Surfbrettern auf dem Dach und wellenhungrigen Schülern an den drei Hochhäusern vorbei zu den südlicheren Spots, immer auf der Suche nach den besten Wellen. Bevor es ins Wasser geht, rennen und hampeln alle Kursteilnehmer am Strand entlang, um sich aufzuwärmen und Trockenübungen machen.

Schüler in die Wellen schieben

Zwei bis drei Surflehrer für bis zu 15 Surfer stehen im knietiefen Wasser, schieben die Schüler in die Wellen. Alle liegen wartend nebeneinander auf ihrem Brett, bis die perfekte Welle am Horizont erscheint, und fangen mit ihren Armen an zu paddeln, bis sie dann die Welle mitnimmt. Letztendlich hat jeder das Ziel, stehend vorbei an den jubelnden Surflehrern mit der Welle bis zum Strand zu surfen. Nach vier Stunden Kurs und einer Mittagspause wird zusammengepackt, die Surfbretter werden aufgeladen und alle, samt Tonnen von Sand, zurück ins Camp gefahren. Hier ist entspannen und in den Pool springen angesagt. Zehn Minuten später kehren acht vom Kitekurs schlappe Schüler zum Camp zurück, Freude und Hunger sind ihnen ins Gesicht geschrieben.

Abchillen am Pool

„Meistens wird der Wind sowieso erst gegen Nachmittag stärker. So bleibt immer ein bisschen Zeit, um vormittags in der Sonne mit einem Super-Bock in der Hand liegend am Pool abzuchillen“, sagt Simon, der Schwede, der nach zwei Jahren Kiteschulung und langsamer Eindeutschung endlich mal ein Wort sagt und sein Bier genießt. Mark Hummel sitzt vor dem warmen Kamin, während draußen der Nordwind die Oberhand gewinnt. Um die dreißig Surfbretter in allen Größen liegen im Innenhof, gestapelt in selbstgebauten Regalen. Es riecht nach gegrilltem Robalo, dem portugiesischen Wolfsbarsch, den der Koch, ebenfalls ein „Berliner Atze“, für zwanzig Kite- und Surfschüler und das Team zubereitet. Alle sprechen von den angesagten Superbedingungen. „Und wenn es dann doch nicht so kommt, wie wir es erwartet haben, kommt es halt erst morgen“, erklärt Hummel und lacht. „Wir sind schließlich keine Wettergötter, sondern auch nur Surfer und Kiter.“

Kreischend mit dem Holzschwert

Bevor Hummel vor elf Jahren nach Portugal gekommen ist, arbeitete er in Brasilien und auf Fuerteventura im Kite Business, bis er dann auf dem Darß am Saaler Bodden zusammen mit einem Freund das Kiten-lernen-Camp eröffnete. So ein Camp wollte er auch in Portugal aufmachen. Die ersten vier Gäste empfing er in einer kleinen Wohnung in Esposende. Als das gut lief, hat er sich seinen Bruder Kay dazu geholt, aus dem Zwei-Leute-Team wurden in acht Jahren in der Hauptsaison zwölf. Dazu gehören Kays Freundin, die unter anderem Massage macht, und ihr fünf Jahre alter Sohn, der mit seinem Holzschwert kreischend durch die Gegend rennt, Leute aus ganz Deutschland, der Schweiz und Schweden.

Mit dem Willen, sein Ding durchzuziehen

Mark ist in den Jahren von Camphaus zu Camphaus gezogen. Heute ist das Haus im 50er-Jahre-Stil mit seinen großen Glasscheiben gemütlich eingerichtet. Es gibt viele Einzel-und Mehrbettschlafzimmer, im großen Aufenthaltsraum kann man fernsehen oder Tischtennisturniere veranstalten. „Bis nachts um vier hab ich damals Kites repariert und tagsüber selber Kurse gegeben, immer mit dem Willen, später mein eigenes großes Ding durchzuziehen“, erinnert sich Mark Hummel. Im Winter sitzt er am Telefon an seinem Buchungsprogramm und erklärt „hunderte Male“ seine Tarife. „Außer drei Wochen Bali und eine Woche in der Bretagne kann ich mir nicht mehr Urlaub gönnen.“

Quelle: F.A.Z.
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