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Synchroneiskunstlauf

Sofort schießen 21 gestreckte Beine hoch

Von Shenja Li,, Romain-Rolland-Gymnasium, Dresden
 - 12:41

Die rote Steinfassade des Sportforums Berlin-Hohenschönhausen gibt auf den ersten Blick nicht preis, welcher leidenschaftliche Sport im Inneren praktiziert wird. Dramatische Musik ertönt, während das Team Berlin 1 in einer Formation über das spiegelglatte Eis gleitet. Ein breitschultriger Mann steht an der Bande und beobachtet mit einem fokussierten Blick seine Sportler. Währenddessen rennt das Team Berlin Juniors über den schwarzen Gummiboden aus der einen in die andere Ecke der Halle. Die aus 21 Sportlern bestehende Gruppe bereitet sich gerade auf die anstehende Doppelstunde auf dem Eis vor. „5, 6,7,8 und rechtes Bein hoch!“, ruft ein großes Mädchen, das die typische schwarze Uniform trägt. Sofort schießen 21 gestreckte Beine in die Höhe, während der Spiegel die konzentrierten Gesichter reflektiert. Anschließend werden die Schlittschuhe geschnürt, die Haare gerichtet und um Punkt 12 stehen bereits alle auf dem Eis. Nach einem selbständigen Einlaufprogramm mit vielfältigen Übungen wie kleinen Tippelschritten und eleganten Schrittfolgen, versammelt sich das Team vor dem Trainer.

Zwei Reihen schweben über das Eis

Eine schwarze Kappe und ein selbstbewusster Blick zeichnen Marco Derpa aus, der seit 30 Jahren auf dem Eis steht. „Angefangen habe ich meine Karriere im Eiskunstlauf als Einzelläufer und wechselte im Alter von 11 Jahren zu der Disziplin Eistanz. Mit 18 Jahren begann meine Laufbahn im Synchroneiskunstlauf im Team Berlin 1.“ Nun ist Derpa hauptberuflich Trainer beim Berliner Turn- und Sportclub e. V., wobei sein Fokus auf dem Team Berlin Juniors liegt. Heute soll besonders die Kür im Vordergrund stehen, anschließend wird das Kurzprogramm geübt. Die Läufer stellen sich in der Mitte der Eisfläche auf ihre Position. Kurz darauf ertönt die Titelmusik des Oscar-gekrönten Filmes „La La Land“ aus den Lautsprechern. Zwei Reihen mit je acht Mädchen schweben über das Eis, während weitere fünf nebenhergleiten. Im Synchroneiskunstlauf setzt sich der Hauptbestand einer Mannschaft aus 16 Läufern zusammen, während die weiteren Sportler im Fall einer Verletzung einspringen.

Risiko von Verletzungen

Wenige Sekunden später bricht die Musik ab, und das Team versammelt sich erneut in einem Halbkreis. Derpa kritisiert die falschen Zählzeiten. Dies ist wohl die größte Herausforderung in dieser Disziplin. „Man muss sehr viele Individuen aneinander anpassen, damit diese eine Einheit ergeben“, erklärt der 34-Jährige. Bei dem anschließenden Versuch geht es zwar besser, aber bei dem darauffolgenden Element kommt es beinahe zu einem Zusammenstoß. Tatsächlich verletzten sich hin und wieder einige Läufer. „Auf dem Eis kann immer mal etwas passieren. Wenn man es schafft, die Regeneration richtig einzuhalten, ist es möglich, Langzeit-Verletzungen zu reduzieren. Dennoch ist jeder Leistungssport immer mit dem Risiko auf Verletzungen verbunden“, erklärt Derpa. Die restliche Eiszeit verläuft stets nach einer gewissen Ordnung. Ein Teil des Programms wird geübt, anschließend werden Verbesserungsvorschläge von Teammitgliedern und Trainer geäußert, und das Element wird mehrmals wiederholt.

Treffen mit Freunden rücken in den Hintergrund

Wenn einzelne Sportler technikbedingte Probleme aufweisen, dann befasst sich der Trainer intensiver mit ihnen und versucht durch verschiedene Hilfestellungen das ideale Ergebnis zu erreichen. So haben hier vier Läuferinnen zunächst ein Problem bei der Hebefigur. Hierbei wird eine Athletin von drei anderen gehoben und nimmt eine elegante Position in der Luft ein. Der Laufweg ist zu eng, und es könnte dadurch zu einem Unfall kommen. Derpa führt nun die Reihe an, um das Gefühl für den richtigen Anlauf zu vermitteln. Nach einigen Versuchen gelingt es den Sportlern schließlich. Die starke zeitliche Belastung von fünf Trainingstagen in der Woche ist für die 15- bis 18-jährigen Schüler herausfordernd. „Man muss sich in seiner Freizeit einschränken. Treffen mit Freunden rücken dabei in den Hintergrund, aber mit der richtigen Motivation und Disziplin ist auch dies zu schaffen“, erklärt die 15-Jährige Anisa. „Man hat jedoch auch Verständnis dafür, dass Schule an manchen Tagen vorgeht“, fügt die ehrgeizige und aufgeschlossene Luisa hinzu. Erfolg ist nur durch solch eine strenge Disziplin möglich. Das zeigt sich vor allem in den Wettkämpfen: von der Deutschen Meisterschaft über internationale Wettbewerbe bis hin zur Weltmeisterschaft.

Ruhe und Routine

Diese Saison strebt das Team Berlin Juniors seinen 18. Deutschen Meistertitel und einen Platz unter den zehn Weltbesten an. Für einen gelungenen Auftritt müssen nicht nur die Programme sitzen, sondern auch die mentale Einstellung. Bei solch einer Drucksituation können schnell Fehler passieren. Der Umgang mit Nervosität ist ein wichtiger Faktor, der zum Erfolg beiträgt. „In der Regel kennt man als Trainer seine Sportler. Im Zweifelsfall kann man mit einem Läufer ein privates Gespräch führen, um ihn zu beruhigen. Einige brauchen wiederum ihre eigene Ruhe, die sollte man lieber nicht stören. Generell ist die bestimmte Routine wichtig. Jeder Wettkampf sollte von der Grundart gleich aufgebaut sein.“ Teamkapitänin Mia meint: „Mir hilft es sehr, wenn ich die Programme noch einmal im Kopf durchgehe. Manchmal schreibe ich mir bestimmte Sachen auf, woran ich denken muss, und lese mir das anschließend in der Kabine durch.“

Umgang mit Niederlagen

Die Begeisterung für diesen Sport wird vor allem bei den internationalen Wettkämpfen sichtbar. „Dieser Sport vermittelt Disziplin, Pünktlichkeit, die Zusammenarbeit mit anderen, Durchsetzungsvermögen und auch den Umgang mit Niederlagen.“ Eine Läuferin meint: „Wenn man auf dem Eis fällt, dann verspürt man Schmerzen und man wird körperlich geschwächt. Dennoch kann man nicht einfach liegen bleiben, sondern muss sich zusammenreißen, aufstehen und so lange weitermachen, bis man sein Ziel erreicht hat.“ Diese Situation lässt sich auf das gesamte Leben übertragen.

Quelle: F.A.Z.
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