<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Ultramarathon

Rund um den Mont Blanc

Von Katharina van der Weg, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon
 - 15:41

Als ich das Dorf sah, begann ich am ganzen Körper zu zittern. Mir kamen die Tränen, es war unglaublich.“ Corine Kagerer strahlt. „Ich war einmal um den Mont Blanc gelaufen!“ Die 44-Jährige aus Wetzikon startete am 31. August am weltbekannten UTMB, kurz für Ultra Trail Mont Blanc. Der Lauf führt auf 170 Kilometern und 10 000 Höhenmetern rund um den höchsten Berg der Alpen. „Um teilzunehmen, muss man eine Bewerbung abschicken, es gibt so viele auf der ganzen Welt, die mitmachen wollen. Meistens wird man erst beim zweiten oder dritten Versuch angenommen.“ Anders bei ihr: Sie qualifizierte sich sofort. „Ich habe letztes Jahr viele Läufe gewonnen, hatte also ein gutes Ranking.“

Begonnen hat ihre Laufkarriere mit einer simplen Entscheidung. „Früher betrieb ich Bergsteigen. Eines Tages stand ich auf einem Viertausender, bei dem nur eine Gratwanderung runterführt. Ich musste die ganze Zeit nur an meine Familie zu Hause denken und was passieren würde, wenn ich abstürze. Damals fasste ich den Entschluss, dass es Zeit für etwas Neues wird.“ Ihr war klar, dass es eine Bergsportart sein müsste. „Ich würde niemals einen Straßenmarathon laufen.“ Sie schüttelt den Kopf, ihre dunklen Haare wippen hin und her. „Da fehlt mir einfach die Natur.“ Sie begann, ihre Ausdauer aufzubauen. Von 20-Kilometer-Läufen schraubte sie sich langsam hoch bis auf 120 Kilometer. Bei ihrem ersten 170-Kilometer-Lauf konnte sie unter den wenigen Elite-Frauen starten.

Fast 800 haben den Lauf abgebrochen

Der Lauf um den Mont Blanc ist ihr bislang härtester. „Ich habe etwa 36 Stunden gebraucht, bin zwei Nächte durchgelaufen. Das ist wirklich hart, zumal das Wetter katastrophal war. Die gefühlte Lufttemperatur betrug etwa minus zehn Grad. Von den 2300 Startenden haben fast 800 den Lauf abgebrochen.“ Das Schwierigste sei aber nicht die physische Belastung, erklärt sie. Die größte Hürde sei der Kopf, das Mentale. „Dann ist man bei Kilometer 80, und diese Zahl von 170 schwirrt einem im Kopf herum, genau wie die vier Aufstiege, die noch kommen. In solchen Momenten denke ich mir: Um Gottes willen, das geht noch ewig.“ Corine Kagerer hat ihre Tricks, um solche Herausforderungen zu meistern. „Nach der ersten Nacht war ich in der Hälfte. Dort konnte man sich neue Kleidung und Verpflegung hinschicken lassen. Ich habe mich umgezogen und mir vorgestellt, dass ein neuer Lauf beginnt und dass die erste Hälfte schon zwei Wochen her wäre.“ Zudem hat sie die richtige Technik. „Aufwärts gehe ich in einem zügigen Tempo, da überholen mich viele. Abwärts bin ich dann viel schneller. Wenn man richtig über Steine springen kann und nicht viel bremsen muss, erspart das einem auch viel Muskelschmerzen.“ Sie hat einen kleinen Rucksack mit Proviant, einer Stirnlampe und Getränken.

Fünfmal in der Woche 30 Kilometer

Die spektakuläre Naturkulisse löst bei ihr Glücksgefühle aus. Sie verbindet damit das Runner’s High. „Das ist jeweils sehr speziell. Es läuft einfach wie von selber. Man ist wahnsinnig glücklich und möchte nicht aufhören. Es ist gewissermaßen wie Fliegen.“ Dieses Gefühl dauere bis zu zwei Stunden an. „Es ist, als ob man für immer weiterrennen könnte.“ Der Sport zieht immer mehr Menschen an, auch junge. „Manche sind knapp zwanzig Jahre alt. Da frage ich mich wirklich, in welchem Alter die angefangen haben. Man muss schließlich trainieren.“ Sie trainiert fünfmal die Woche, macht jedes Mal etwa 30 Kilometer, montags jeweils mehr. „Wenn wir mit der Familie verreisen, schaue ich immer nach, ob es dort einen Lauf gibt. Das gibt immer schöne Erlebnisse.“

Sie hat eine Lehre als Medizinische Praxisassistentin absolviert, ist jedoch nicht berufstätig. Ihr Mann ist Orchestermusiker im Opernhaus Zürich. Die 14-jährige Tochter spielt intensiv Geige, auch die Söhne, zwölf- und sechsjährig, spielen ein Instrument. „Vielleicht liegt dieser Wille, sich so extrem auf etwas zu fokussieren und daran zu arbeiten, schon ein wenig in der Familie“, lächelt sie. Ihr größter Traum hat sich noch nicht erfüllt. „Ich möchte unbedingt einen Etappenlauf im Himalaja machen. Der ist etwa 250 Kilometer und beginnt auf 3000 Höhenmetern, doch man läuft maximal 50 Kilometer pro Tag.“ Das sei eine teure Sache und eine Zeitfrage. „Man muss sich zuerst akklimatisieren. Insgesamt verbringt man dann drei bis vier Wochen dort, und das Mitte November, wenn keine Schulferien sind.“ Die schönsten Momente seien, Hand in Hand mit anderen Läufern aus allen Nationen durchs Ziel zu kommen. „Durch die Läufe habe ich viele Menschen kennengelernt, denen ich noch mal begegne. Das sind die schönsten Momente.“

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAlpen