Justiz

Berliner Jugendrichterin wählte offenbar Freitod

04.07.2010
, 13:07
Kirsten Heisig
Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die am Samstag in einem Wald gefunden wurde, hat offensichtlich einen Suizid verübt. Das teilte die Polizei nach der Obduktion der Leiche mit. Es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden, heißt es.
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Die bundesweit bekannte Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot. Die Leiche der als vermisst gemeldeten Frau wurde am Samstag in einem Berliner Wald gefunden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Sonntag sagte. Es gibt seinen Angaben zufolge „keinen Hinweis auf Fremdverschulden“. Heisig war seit Mittwoch als vermisst gemeldet, zuletzt gesehen wurde sie am Montag.

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Bereits am Mittwoch entdeckte die Polizei das Auto der Vermissten im Berliner Stadtteil Heiligensee. Die Leiche der Frau fanden Polizisten schließlich nach drei Tagen intensiver Suche am Samstag im Tegeler Forst. Noch am Abend wurde die Leiche, die zunächst nicht eindeutig hatte identifziert werden können, obduziert. Dabei zeigte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass „definitiv nicht Fremdverschulden“ vorliegt. Heisig habe „offensichtlich Suizid“ begangen.

Bekannt durch das „Neuköllner Modell“

Kirsten Heisig war als Jugendrichterin für den Berliner Problembezirk Neukölln zuständig. Einen Namen machte sie sich mit dem sogenannten Neuköllner Modell: Verfahren gegen Jugendliche wurden beschleunigt und der Austausch zwischen Justiz und Schulen verbessert. Heisig ist auch bekannt durch zahlreiche Interviews, in denen sie vor einer Zunahme der Jugendgewalt warnte.

Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) zeigte sich „tief erschüttert“ über den Tod Heisigs. Die Richterin sei „überaus engagiert“ gewesen. Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Cornelia Pieper erklärte, ihre Partei trauere um eine „mutige und couragierte Frau, die sich weit über ihren Beruf hinaus dem Kampf gegen Jugendgewalt verschrieben“ habe. Heisig habe sich um die Integration insbesondere von ausländischen Jugendlichen verdient gemacht. Damit sei sie bundesweit ein Vorbild gewesen. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg erklärte, Heisig habe Probleme in sozialen Brennpunkten klar benannt. Frühzeitig habe die Richterin zu bedenken gegeben, dass vorurteilsmotivierte Gewalt vor allem Homosexuelle hart treffe. Auch habe sich Heisig dafür eingesetzt, „dass die gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht preisgegeben werden“.

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dpa

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