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Gefährliche Hitzewelle

Amerikas Sommer der Extreme

Von Frauke Steffens, New York
 - 06:57
Sommer in New Yorkzur Bildergalerie

Als das Gewitter am Montagabend endlich nach Süd-Williamsburg in Brooklyn kam, da tanzten ein paar Jugendliche auf der Straße, so wie sie zuvor unter offenen Hydranten getanzt hatten. Hier stellen die Menschen gern Stühle auf die Straße, manchmal einen Grill, Lautsprecher. Und auch die kleinsten Kinder dürfen bis spät nachts unter den Fontänen der Hydranten spielen. Die Wasserspender zu öffnen ist unter bestimmten Umständen erlaubt. An heißen Tagen schickt die Stadt Freiwillige als „Hydrant Education Action“-Gruppe los, um den Menschen zu zeigen, wie sie die Hydranten richtig öffnen und schließen können. So will die Stadt übermäßige Verschwendung und Schäden an den Löschwasseranlagen vermeiden.

Aber das Schließen fiel meist aus am vergangenen Wochenende. Die Hydranten spritzten bis zum frühen Morgen Wasser auf diejenigen, die es draußen überhaupt aushalten mochten. Die Behörden hatten eigentlich empfohlen, gleich drinnen zu bleiben, als die Temperaturen drei Tage lang um die 40 Grad Celsius erreichten. „Achtung, New York City“, twitterte die Polizeibehörde, nachdem die Stadt deswegen den Notstand ausgerufen hatte. „Der Sonntag ist abgesagt. Bleibt drinnen, es gibt hier draußen nichts zu sehen. Wirklich, wir haben alles unter Kontrolle.“ Den diensthabenden Kollegen solle man doch mit einem netten Lächeln danken, aber bitte nicht mit Umarmungen.

Hitze als Todesursache

Mancherorts wurden in den vergangenen Tagen Temperaturrekorde gebrochen. So erlebte Boston die heißesten Tage, die dort je aufgezeichnet wurden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die immer extremeren Sommer eine Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels sind. Laut der „Union of Concerned Scientists“, einem Zusammenschluss von Forschern aus den Bereichen Umwelt und Energie, könnten hunderte Städte bald jedes Jahr solche Sommer erleben. Der „stille Killer“ Hitze sei eine der häufigsten mit dem Wetter zusammenhängenden Todesursachen, sagte der Klimaforscher Adam Kalkstein von der Militärakademie West Point der Zeitung „USA Today“: „Wenn unsere Berechnungen stimmen, dann wird die Zahl der gefährlichen Tage im ganzen Land bald dramatisch ansteigen.“

Mindestens sechs Menschen sollen landesweit an den Folgen dieser Hitzewelle gestorben sein. Wenn die Menschen es nicht schaffen, die Treibhausgas-Emissionen in den kommenden Jahren deutlich zu senken, dann könnten Städte wie Boston bald ähnlich viele Tage mit extremer Hitze erleben wie Orte in den Südstaaten. Immer mehr Menschen würden dann nach Norden abwandern wollen, prognostizieren Fachleute. Und für tagelange extreme Hitze ist die Infrastruktur an vielen Orten nicht eingerichtet.

Wenn alle New Yorker gleichzeitig ihre Klimaanlagen laufen lassen, und das 24 Stunden am Tag, dann kommt das System an seine Grenze. Appelle, die Apparate zwischendurch auszuschalten, helfen wenig. Mindestens 50.000 Menschen waren in der Stadt am Sonntag ohne Strom. „Es ist der dritte Tag einer Hitzewelle, das System kocht also mittlerweile regelrecht“, sagte ein Sprecher des Energieversorgers Con Edison. Am härtesten traf es Kunden in Brooklyn, in den Nachbarschaften Carnasie, Mill Basin und Flatbush. Dort stellte ConEdison 30.000 Menschen den Strom ab, um einen größeren Ausfall zu verhindern, wie Bürgermeister de Blasio bei Twitter erklärte. Am Montag mussten noch etwa 21.000 Haushalte ohne Licht und Klimaanlage auskommen. Ihnen versprach Con Edison aber, das Problem bis nachmittags zu beheben. Gouverneur Andrew Cuomo schickte am Sonntag 200 zusätzliche Polizisten des Bundesstaates in die Stadt und ließ 100 Generatoren und 50 Lichtanlagen in die betroffenen Gegenden liefern. Es war schon der zweite große „Blackout“ hintereinander, in der Vorwoche waren über 70.000 Menschen in Manhattan betroffen gewesen.

Gefängnisse nicht klimatisiert

Besonders ältere Menschen litten unter der Hitze, hunderte Male mussten Rettungsdienste ihnen am Wochenende helfen, so die Behörden. Anwälte warfen der Stadt unterdessen vor, dass die Zustände für Strafgefangene unerträglich seien. Die meisten Zellen in den New Yorker Gefängnissen sind nicht klimatisiert. Auf die Forderung der „Legal Aid Society“, Insassen der Strafanstalt Rikers Island zu verlegen oder Klimaanlagen zu beschaffen, blieben die Behörden hart. Die Verwaltung versprach laut lokalen Medien nur, den Betroffenen Sommerkleidung zu geben und mehr Ventilatoren in die Zellen zu bringen. Während der Kältewelle im Februar hatte es tagelange Proteste vor einem Knast in Brooklyn gegeben, in dem die Insassen ohne Heizung hatten ausharren müssen.

Bürgermeister de Blasio wendete die Situation derweil politisch und konzentrierte sich auf die Fehler des Stromversorgers Con Edison. Er drohte an, dass ConEd den städtischen Auftrag verlieren könnte. „Wenn Con Ed uns keine befriedigenden Antworten geben kann – warum diese Dinge passieren und was sie anders machen wollen, um sie zu verhindern – warum verlassen wir uns für so etwas Lebensnotwendiges dann auf ein privates Unternehmen?“ fragte de Blasio am Montag in Brooklyn. „Wir sind mit der Wasserversorgung, der Polizei und der Feuerwehr auch nicht auf private Firmen angewiesen. Wenn die ihren Job nicht richtig machen, dann ist es Zeit, nach anderen Alternativen zu suchen.“

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Videografik
Die Ursachen und Folgen des Klimawandels

Quelle: FAZ.NET
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