Anschlag von Volkmarsen

Anklage wegen versuchten Mordes in 91 Fällen

Von Helmut Schwan
18.12.2020
, 08:20
Im Februar war ein Mann mit seinem Auto in den Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen gerast. Jetzt hat die hessische Generalstaatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Fast zehn Monate, nachdem er mit seinem Auto in Zuschauer und Teilnehmer des Rosenmontagzuges im nordhessischen Volkmarsen gerast sein soll, ist ein 30 Jahre alter Mann aus dem Ort wegen versuchten Mordes in 91 Fällen angeklagt worden. Wie die hessische Generalstaatsanwaltschaft am Freitag weiter mitteilte, wird gegen ihn zudem wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor einer Schwurgerichtskammer des Kasseler Landgerichts verhandelt werden.

Was den Mann dazu trieb, am 24. Februar sein Auto mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50 Stundenkilometern in die Menge zu steuern, konnte bisher nicht geklärt werden. Ein politisches oder religiöses Motiv wird ausgeschlossen. Ein solches war damals vermutet worden, weil der Angriff wenige Tage nach dem Anschlag in Hanau erfolgte.

Tat offenbar geplant

Der Mann, zu dessen Identität bisher nur bekannt ist, dass er deutscher Staatsbürger ist, hat sich in dem Ermittlungsverfahren nicht geäußert und dem Vernehmen nach auch einer psychiatrischen Untersuchung nicht zugestimmt.

Der Verdächtige, der am Tatort festgenommen wurde, stand weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Medikamenten oder Betäubungsmitteln.

Den Erkenntnissen der Kriminalpolizei zufolge hatte er seine Tat geplant und das Fahrzeug am Vortag so abgestellt, dass er in den für den Umzug abgesperrten Bereich fahren konnte. Er soll zudem eine sogenannte Dashcam in dem Wagen montiert haben, um das Geschehen aufzuzeichnen. 90 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen, 20 von ihnen mussten stationär und teilweise intensivmedizinisch behandelt werden. Viele wurden traumatisiert und haben bis heute die Tat psychisch noch nicht bewältigt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schwan, Helmut (hs.)
Helmut Schwan
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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