Bei Ausgrabungsarbeiten

Zwei Archäologen aus Frankfurt in Nigeria entführt

Von Thomas Scheen, Nairobi
23.02.2017
, 17:17
Ein Professor von der Goethe-Universität und sein Assistent sollen bei Ausgrabungsarbeiten verschleppt worden sein. Zwei weibliche Mitglieder des Teams wurden verschont. Zwei örtliche Mitarbeiter wurden erschossen.
ANZEIGE

In Kaduna in Nord-Nigeria sind am Donnerstag zwei deutsche Archäologen von unbekannten Tätern verschleppt worden. Bei den Opfern soll es sich um Peter Breunig, Professor für Afrikanische Archäologie an der Frankfurter Goethe-Universität, sowie seinen Mitarbeiter Johannes Behringer handeln. Zwei ebenfalls an der Grabungsstätte anwesende deutsche Frauen blieben nach Angaben der Polizei in Kaduna unbehelligt. Zwei örtliche Mitarbeiter, die den bewaffneten Entführern und ihren Opfern gefolgt waren, wurden erschossen.

ANZEIGE

Die Entführung fand in dem Dorf Janjala statt, das an der Hauptverkehrsstraße von Kaduna in die Bundeshauptstadt Abuja liegt. Die Region ist berüchtigt für ihre Kriminalität. Immer wieder kommt es dort zu Raubüberfällen und Entführungen, wobei die Täter ihre Opfer oft an eine der beiden in der Region aktiven islamischen Terrorgruppen, Boko Haram beziehungsweise Ansaru, „verkaufen“.

Die Straße von Abuja nach Kaduna und ihre unmittelbare Umgebung gelten selbst für nigerianische Verhältnisse als extrem gefährlich. Als die Behörden in Abuja vor zwei Wochen die vorübergehende Schließung des Flughafens wegen Reparaturarbeiten angekündigt und Passagieren empfohlen hatten, nach Kaduna zu fliegen und von dort über die Straße nach Abuja zu reisen, weigerten sich die Fluggesellschaften „aus Sorge um unsere Kunden“, Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen.

Nach Angaben von Usman Aliyu, dem Sprecher der Polizei in Kaduna, war den deutschen Archäologen aufgrund der prekären Sicherheitslage Polizeischutz angeboten worden. Angeblich aber hatten die Forscher auf den Schutz durch die Dorfbevölkerung vertraut, was durchaus Sinn hat angesichts der Tatsache, dass die Deutschen zwei Dutzend Einheimische permanent beschäftigen. Die Frankfurter Universität unterhält in Janjala seit 2009 ein Forschungscamp. Dort gehen die Forscher Spuren der untergegangenen Nok-Kultur nach, die für ihre lebensgroßen Terrakotta-Figuren bekannt ist.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE