Für 160 Pfund in bar

Betrüger in London macht „Impfungen“

Von Jochen Buchsteiner, London
08.01.2021
, 20:56
Ein Mann gibt sich in London als Mitarbeiter des Nationalen Gesundheitsdienstes aus und nimmt vermeintliche Impfungen gegen das Coronavirus vor. Die Polizei fahndet nach dem Betrüger. Was er injiziert, ist unklar.

Die Polizei in London fahndet nach einem Mann, der sich als Mitarbeiter des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) ausgibt und vermeintliche Impfungen gegen Bargeld vornimmt. Ein Polizeisprecher bat die Bevölkerung am Freitag um Mithilfe: „Es ist wichtig, dass wir ihn finden, weil er nicht nur Bürger um Geld betrügt, sondern Leben gefährden könnte.“ Der Mann hatte sich kurz vor Neujahr über Textnachrichten bei einer 92 Jahre alten Frau im Süden Londons angemeldet und ihr in deren Wohnung eine Injektion gegeben. Er kassierte dafür 160 Pfund, die angeblich vom NHS zurückerstattet würden. Anfang der Woche meldete er sich abermals bei der Frau und verlangte für eine zweite „Impfung“ 100 Pfund.

Was der Betrüger injiziert hat, ist unklar. Bei einer ärztlichen Untersuchung zeigte die Frau keine gesundheitlichen Folgen. Die Polizei sprach von einem „abstoßenden und völlig inakzeptablen Angriff“. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums machte darauf aufmerksam, dass der NHS kein Geld für Impfungen verlangt. Der staatliche Gesundheitsdienst würde auch nie nach Bankverbindungen, Pin-Nummern oder Zugangscodes fragen. Wer mit irgendeiner Form von Geldforderungen konfrontiert werde, solle sich umgehend beim Betrugsdezernat von Scotland Yard melden.

200 Pfund Strafe für Tee trinken während Spaziergang

Unterdessen häufen sich auch die Vorwürfe gegen die Polizei selbst, seit sie die neuen Lockdown-Auflagen nach Meinung von Kritikern allzu streng auslegt und unangemessen hart gegen Verstöße vorgeht. In Derbyshire stoppten Polizisten zwei Frauen, die mit einem Pappbecher Tee in der Hand spazieren gingen. Sie mussten jeweils 200 Pfund Strafe zahlen, weil nur Körperertüchtigung erlaubt sei, Teetrinken aber als „Picknick“ einzustufen sei. Im schottischen Aberdeen klopfte die Polizei an ein Haus, nachdem Nachbarn eine unerlaubte Zusammenkunft gemeldet hatten. Die Eigentümerin, die sich mit zwei weiteren Erwachsenen im Inneren aufhielt, verwies die Beamten lautstark des Hauses. Nun muss sie sich wegen Beschimpfungen und Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten.

An Londoner Bahnhöfen wurden am Freitag Passagiere von Polizisten gestoppt und nach dem Grund ihrer Reise befragt. Innenministerin Priti Patel hatte am Donnerstag gesagt, es sei „richtig“, wenn Polizisten das Einhalten der Auflagen kontrollieren und etwa gegen Bürger vorgehen, die auf Parkbänken sitzen. Laut Lockdown-Regeln dürfen die Briten das Haus nur für notwendige Geschäfte verlassen und auch nur ein Mitglied eines anderen Haushalts treffen. Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame körperliche Aktivität.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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