Nach Bitcoin-Erpressung

Mutmaßlicher Anführer der Twitter-Hacker festgenommen

Aktualisiert am 31.07.2020
 - 22:48
Nach dem Angriff auf 130 Twitter-Konten wurde in Florida der mutmaßliche Kopf der Hackergruppe festgenommen.
130 Twitter-Nutzer wurden Mitte Juli Opfer eines Hackerangriffs, bei dem die Täter von Elon Musk, Bill Gates und anderen Prominenten Bitcoins erpressen wollten. Laut Staatsanwaltschaft in Florida wurde nun der „führende Kopf“ festgenommen.

Ein 17-Jähriger aus Florida soll hinter dem großangelegten Hackerangriff auf Twitter-Konten zahlreicher Prominenter Mitte Juli stehen. Der Jugendliche wurde am Freitag in Tampa an der Westküste des amerikanischen Bundesstaates festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Er sei der „führende Kopf“ hinter dem „Bit-Con“-Hackerangriff gewesen, bei dem unter anderem die Konten von Ex-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk gekapert worden waren. Insgesamt beschuldigte die Justiz am Freitag drei Verdächtige – neben dem 17-Jährigen einen 19-Jährigen aus Großbritannien und einen 22-Jährigen aus Orlando in Florida.

Auf den gehackten Konten war am 15. Juli ein Aufruf erschienen, binnen 30 Minuten Bitcoins im Wert von 1000 Dollar (880 Euro) zu überweisen. Angeblich sollte dies mit einer Rückzahlung in doppelter Höhe belohnt werden.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 17-Jährige so Bitcoins im Wert von mehr als 100.000 Dollar erbeutet haben. Gegen den Jugendlichen wurden 30 Anklagepunkte eingereicht, unter anderem Betrug, Missbrauch persönlicher Informationen und unerlaubtes Eindringen in Computersysteme.

Dem 19-Jährigen mit dem Spitznamen "Chaewon" werden Verschwörung zum Betrug, Geldwäsche und Zugang zu einem geschützten Computer zur Last gelegt. Der 22-Jährige mit dem Spitzname "Rolex" wird der Beihilfe zum Zugang zu einem geschützten Computer beschuldigt. An den Ermittlungen sind mehrere Staatsanwaltschaften in den Vereinigten Staaten beteiligt.

"Die Straftaten wurden begangen, indem die Namen von berühmten Menschen und Prominenten verwendet wurden, aber diese sind nicht die Hauptopfer", erklärte der für die Region um Tampa zuständige Staatsanwalt Andrew Warren, der die Ermittlungen gegen den 17-Jährigen leitet. "Dieses 'Bit-Con' wurde entworfen, um Geld von gewöhnlichen Amerikanern im ganzen Land zu stehlen, einschließlich in Florida." Er fügte hinzu: "Der massive Betrug wurde genau hier in unserem Hinterhof organisiert, und wir werden uns das nicht gefallen lassen."

Zweifel an Twitters Sicherheitsvorkehrungen

Twitter hatte nach der Attacke erklärt, 130 Nutzerkonten seien „auf die eine oder andere Weise“ angegriffen worden. Bei 45 Konten hätten die Hacker „die Kontrolle übernehmen und Tweets senden“ sowie Passwörter ändern können. Von acht Konten seien persönliche Daten heruntergeladen worden. Neben Obama, Gates und Musk waren auch Präsidentschaftskandidat Joe Biden, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Rap-Star Kanye West betroffen.

Laut dem Kurzbotschaftendienst konnten sich die Hacker Zugang zu den Systemen verschaffen, nachdem sie Twitter-Mitarbeiter per Telefon getäuscht und zur Preisgabe vertraulicher Informationen verleitet hatten. Die Angreifer hätten "menschliche Schwächen" ausgenutzt.

Der Vorfall war für Twitter höchst peinlich und ließ Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Internetriesen laut werden. Experten warfen die Frage auf, was hätte passieren können, wenn es den Angreifern nicht nur um Bitcoins gegangen wäre, sondern wenn sie durch Falschnachrichten hätten Chaos stiften wollen.

Zuletzt wurde bekannt, dass die Hacker bei Dutzenden Konto auch die Nachrichten einsehen konnten. Bei einem Opfer habe es sich um einen „gewählten Amtsträger der Niederlande“ gehandelt.

Quelle: AFP
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